dieStandard – Symptome des Todeskampfes?

Erst vorgestern gab es bei Genderama den Hinweis, dass dieStandard vor dem Aus steht. Ein bisschen unterschwellige Häme inbegriffen. Den Verlust eines feministischen Kampfblattes, dass selbst unter den Leserinnen Proteste provoziert, scheint verschmerzbar zu sein.

Da stolpere ich gestern über einen Artikel mit dem Titel: Genderunterschiede in der medizinischen Praxis unterschätzt

Gender und Medizin? Da kann doch nur die Forderung nach weiteren wichtigen Sonderbehandlungen für Frauen dahinter stecken. Weit gefehlt!

Frauen haben in der Nephrologie, Urologie oder Kardiologie oft schlechtere Behandlungsergebnisse als Männer und werden teilweise falsch oder nicht Leitlinien konform behandelt, bei Männern Osteoporose oder Depressionen häufig nicht erkannt.

Ja! Da werden tatsächlich auch Probleme der Männer angesprochen. Gerade die häufig unterschätzte Depression.

Wie vulnerable Lebensphasen Männer und Frauen auf verschiedene Weise prägen, zeige die Tatsache, dass die Lebenserwartung der Frauen in Österreich zwar um fünf Jahre höher ist als jene von Männern, Frauen aber anteilsmäßig weniger gesunde Lebensjahre verbringen als Männer.

Hey! Es ist immer noch dieStandard.

Frauen und Männer haben unterschiedliche Stärken und Schwachpunkte. Daher spielt Gender Medicine nicht nur in der Urologie und Gynäkologie, sondern für viele andere Disziplinen und vor allem für die Allgemeinmediziner eine wichtige Rolle.

Das klingt im Zusammenhang mit Gender doch recht vernünftig.

Wenn ich insgesamt von der Tatsache absehe, dass es sich hier offensichtlich nicht um das soziale Geschlecht sondern um das biologische (sex) handelt bin ich angenehm überrascht. Vielleicht ja wirklich eine Folge der Kürzungen?

Ich habe ja auch irgendwie die romantische Vorstellung, dass selbst feministische Betonköpfe irgendwann die Zeichen der Zeit begreifen. Brachiale Medien-Gewalt führt nicht zwingend zum erwünschten Ziel.

Das F-Wort – Nachtrag zum heutigen Blogpost

Genderama verlinkt auf einen Artikel auf mokant.at der thematisch zu meinem Blogpost von heute passt.

Ich weiß ja nicht wie das in Österreich ist. Hier in meiner Region verstehe ich als das F-Wort nicht Feminismus sondern schlicht fuck. Alleine die Umschreibung erinnert mich ein wenig an spießige Filme aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Also aus meiner Sicht erweisen sich die Damen damit einen Bärendienst.

Rebecca Steinbichler schlägt mit ihrem Artikel in die gleiche Kerbe wie Frau Sybille Hamann. Das böse Patriarchat wehrt sich mit allen Mitteln gegen die Heilslehre des Feminismus.

Auch die Schauspielerin Susan Sarandon möchte sich vom Feminismus abgrenzen, da viele Menschen dabei „an eine Horde kreischender Tussis“ denken würden, „nur weil du gleiche Bezahlung, Rechte, Bildung und Krankenfürsorge forderst.“

Ja schon irgendwie zurecht möchte man meinen. Der Gender Pay Gap ist eine Zahl die sich bei genauem hinsehen bis auf die Fehlertoleranz bereinigen lässt. Frauen besitzen, zumindest in Deutschland, längst alle Rechte der Männer. Umgekehrt sieht es mit der Gleichberechtigung deutlich schlechter aus. Jungs sind nachweislich die Bildungsverlierer und die Krankenfürsorge für Frauen ist deutlich weiter als die für Männer. Ja man fragt sich: Was wollen die eigentlich noch?

Die Bewegung steht für Gleichstellung, hinterfragt vieles kritisch und hat bereits wichtige Errungenschaften wie das Wahlrecht für Frauen erkämpft. Ich kenne niemanden, der sich bewusst gegen diese Ideale stellen würde.

Gleichstellung ist nicht Gleichberechtigung und daher als unsozial abzulehnen. Und ich hege ernsthafte Zweifel ob das Wahlrecht für Frauen tatsächlich eine Errungenschaft der Frauenbewegung ist oder einfach nur eine konsequente Entwicklung der damaligen Gesellschaft. Einen Einfluss möchte ich allerdings durchaus anerkennen.

Es ist ungemein wichtig, dass auch Männer die Stimme ergreifen, da sie am längeren Ast sitzen und deshalb mehr Einfluss haben. In Österreich habe ich das in dieser Form noch nicht erlebt.

Für die eigene Entrechtung kämpfen? Finde ich nicht so überzeugend und attraktiv.

Darin kritisiert die Bloggerin Anita Sarkeesian die Darstellung feministischer Charaktere in Film, Fernsehen und Popkultur. Diese seien meist „gezielt übertriebene feministische Karikaturen“ mit groben Vereinfachungen, Falschdarstellungen und Stereotypen.

Ich kritisiere die gezielt übertriebene Darstellung von Männern als Gewalttäter und Wurzel allen Übels. Im Gegensatz zu den karikierten Feministinnen wird das von der breiten Bevölkerung aber für bare Münze genommen.

Nicht nur Männer, sondern auch viele Frauen hätten ein solches Bild von Feministinnen, wodurch auch ein Keil zwischen Frauen getrieben werde: „Wir kämpfen nicht mehr füreinander und werden argwöhnisch: Haben wir jetzt eine Emanze vor uns oder eine ‚normale’ Frau?“

Dass sich diese Frage überhaupt stellt, beweist für Harrer die Wirksamkeit des Strohfeminismus. Auf eine Art, meint sie, könne man das sogar mit der mittelalterlichen Hexenverfolgung vergleichen

Systematische Hetzjagden auf Feministinnen mit anschließender Reinigung auf dem Scheiterhaufen. Der Vergleich mit Juden wäre vermutlich zu auffällig gewesen? Ich verstehe langsam warum Opfer-Abo das Unwort des Jahres 2012 war.

Für die Kulturwissenschaftlerin ist Straw Feminismus also ein Mythos, der dazu dient, die Bezeichnung Feminismus negativ aufzuladen: „Die Grundlage dafür ist, dass von einer Welt ausgegangen wird, in der alle bereits gleichberechtigt sind.“ Dies sei in der westlichen Gesellschaft zwar auf der rechtlichen Ebene bereits der Fall, jedoch nicht auf der sozialen.

Tja äh – nein! Auf rechtlicher Ebene sind Männer nicht gleichberechtigt und sozial schon gleich zwei mal nicht. Alleine dadurch entbehrt die feministische Selbstsicht für Gerechtigkeit zu kämpfen jeglicher Glaubwürdigkeit.

In ihrem Video spricht auch Anita Sarkeesian davon, dass sie junge Frauen oft sagen höre: ‚Ich glaube an Gleichberechtigung, bin aber keine Feministin!’

Ich möchte an dieser Stelle diesen Frauen danken. Ihr stärkt meinen Glauben an eine gleichberechtigte Zukunft. Ein faires Miteinander ist auch ohne totalitäre Ideologie möglich. Ich möchte euch sogar ermutigen zu sagen: »Ich glaube an Gleichberechtigung, und bin deshalb keine Feministin!«

Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass Feminismus kein Label ist, das nur Frauen beschreibt, sondern vielmehr das gelebte Bewusstsein von Gleichgerechtigkeit. Jeder Mensch kann sich damit identifizieren – egal ob männlich oder weiblich.

Ok – es ist für euch wichtig. Ich verstehe es aber nicht! Eine Ideologie die rücksichtslos gegenüber Jungen und Männer agiert während sie Privilegien für Frauen fordert hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun. Aber vielleicht erbarmt sich ja doch mal eine Feministin, entgegen der eigenen Doktrin, und erklärt mir warum ich mir das Label Feminismus anheften soll und vor allem was daran erstrebenswert ist.

Ich frage mich gerade ernsthaft ob wir es mit einem anti-feminismuskritischen Backlash zu tun haben. Der Kampfbegriff Feminismus verliert zunehmend an Glanz und immer mehr Menschen stören sich an den Widersprüchen zwischen Anspruch und Realität. Getreu feministischen Denkens liegt die Schuld natürlich nicht im Feminismus selbst begründet sonder kann nur durch übermächtige und unterdrückende Kräfte hervorgerufen worden sein. In dem Zusammenhang habe ich eher das Gefühl es mit kleinen Kindern statt mit starken und selbstbewussten Frauen zu tun zu haben.

Feministisch im Sinne der Anklage

Bereits Anfang März titelte Sybille Hamann in Die Presse: Sie reden wie eine, Sie leben wie eine? Dann sind Sie eine!

Und selbstverständlich handelt es sich um eine Liebeserklärung an den Feminismus und bläst zur Jagd auf das Patriarchat.

Freilich handelt es sich dabei um eine österreichische Tageszeitung. Auch wenn in Österreich sicher viele Dinge gleich oder zumindest ähnlich wie in Deutschland laufen sind die Rahmenbedingungen im Detail unterschiedlich. Die Positionen von Männern und Frauen dürften aber im Großen und Ganzen die gleichen sein.

Der Kommentar hat meiner Meinung nach aber Pfeffer. Und ich glaube genau aus diesem Grund ist er mir lange nicht aus dem Kopf gegangen.

Kommentiert

Es gibt viele dieser Frauen. Sie kennen sicher eine. Vielleicht sind Sie sogar selbst eine. Sie sagen: „Also Feministin bin ich keine, aber…“. Was nach „aber“ kommt, ist meist recht vernünftig.

Hin und wieder werden an dieser Stelle sicher vernünftige Aussagen zu finden sein. Meistens aber handelt es sich, um den Erwartungen gerecht zu werden, um feministische Positionen. Aussagen nach dem Schema deuten fast immer darauf hin, dass eine eindeutige Position relativiert werden soll.

Das ist, bei genauerer Betrachtung, eine paradoxe Unterscheidung. Denn was ist Feminismus anderes als genau dieses: Gleichberechtigung zu wollen. Sich aus Geschlechterklischees zu lösen. […]

Wenn man dieser romantischen Vorstellung vom Feminismus zustimmt handelt es sich tatsächlich um ein Paradoxon. »Ich bin kein Menschenrechtler, aber Menschenrechte find ich gut!«

Seit Jahrzehnten schon arbeiten jene, die sich von emanzipierten Frauen bedroht fühlen, eifrig daran, das F-Wort zu beschmutzen. […] Und was hat man Feministinnen nicht alles angedichtet, um sie in der öffentlichen Wahrnehmung zu Schreckschrauben zu machen?

Ähm… Opfer-Abo? Aus menschlicher Sicht kann ich den Frust gut verstehen. Da ich ja entgegen dem Mainstream für Männerrechte argumentiere bin ich natürlich ein Maskutroll und gehöre mindestens der rechten Szene an. Und natürlich bin ich einer von den Ewiggestrigen.

Diese Taktik geht so: Bleibst du dem F-Wort fern, wirst du belohnt – denn du hast „so etwas“ ja nicht notwendig. Streifst du hingegen an, wirst du bestraft. Dann lieben wir dich nicht mehr.

Wer sich feministische »Hoheitsabzeichen« auf die Jacke näht muss damit rechnen dem Feminismus zugerechnet zu werden. Ich habe auch so meine Zweifel von überzeugten Feministinnen geliebt zu werden.

Hieran kann man trefflich ablesen, wie Machterhalt funktioniert. Wie kreativ und perfide Männer sein können, wenn es darum geht, Bastionen zu verteidigen.

Ich mach mir die Sache jetzt einfach. »Hieran kann man trefflich ablesen, wie Machterhalt funktioniert. Wie kreativ und perfide Frauen sein können, wenn es darum geht, Bastionen zu verteidigen.« Ganz schön flach – ich weiß. Ich werde bei der nächsten Patriarchats-Versammlung eine neue Strategie vorschlagen.

Anders ist das beim zweiten Problem. Das ist ein semantisches. Wörtlich genommen, führt der Feminismus nämlich nur das Femininum im Namen und transportiert damit eine Botschaft: Das Thema hat ausschließlich mit Frauen zu tun.

Das empfinde ich jetzt nicht so sehr als ein Problem. Wir alle haben nur begrenzt Zeit, Energie und Ressourcen. Ich kann es daher keiner Frau übel nehmen wenn sie sich für die Belange von Frauen einsetzt. Ich bin der Überzeugung, dass wir Menschen alle überwiegend opportunistisch denken und handeln. Das fördert auch die Meinungsvielfalt und hält eine demokratische Gesellschaft am Leben.

Die Emanzipation aus den Geschlechterrollen und die Neuverteilung von Aufgaben wird nicht gelingen, indem eines der beiden Geschlechter sich verändert und das andere bloß dabei zuschaut. Gleichberechtigung ist kein Zuschauersport.

Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. Die entscheidende Frage ist dabei aber welches Geschlecht sich tatsächlich verändert und welches nur Zuschauer spielt. Der Tenor lautet doch vielerorts: Männer müssen sich verändern und Frauen sind einfach die besseren Menschen.

So gesehen wäre es vielleicht tatsächlich an der Zeit, für Feminismus ein neues Wort zu suchen. Eines, in dem sich beide Geschlechter wiederfinden. Bei dem Männer und Frauen sich gleichermaßen angesprochen fühlen.

Wir geben dem Kind einen anderen Namen und alles wird gut? So funktioniert das mit Ideologien leider nicht. Es gibt wohl einige Strömungen die durchaus kooperativ erscheinen und versuchen sich mit Zusätzen abzugrenzen. Aber sie wissen ja: Sie reden wie eine, Sie leben wie eine? Dann sind Sie eine!

Der Titel polarisiert einfach. Unentschlossene und Abweichler werden zur Räson gerufen um sich dem Kampf offen anzuschließen.

Konsequenzen

Wo nur Feminismus drauf steht ist auch nur Feminismus drin. Es spielt, realistisch betrachtet, keine Rolle ob der Inhalt noch genießbar oder bereits ungenießbar ist. Was nicht schmeckt wird nicht gekauft.

Ich sehe in, als feministisch deklarierten, Positionen für gewöhnlich kein Ansätze von Gleichberechtigung. Da geht es in aller Regel ausschließlich um sogenannte positive Diskriminierung oder Affirmative action. Diskriminierung bleibt trotz des euphemistischen Zusatzes positiv eben doch nur Diskriminierung.

Eine Ideologie die rücksichtslos die eigenen Forderungen vorantreibt und gute Werte wie Gerechtigkeit missbraucht um sich selbst als Leuchtfeuer und Heilbringer zu stilisieren ist nicht nur auf einem Auge blind. Forderungen, die weit von Wahlfreiheit entfernt, nur die eigenen Ideen und Ansichten für erstrebenswert halten sind nur eines – totalitär. Wie sonst könnte das Weltbild der besseren Menschen – Frauen – in Abgrenzung zu den an allem Übel schuldigen Männern ins Bild passen?

Ich habe kürzlich die Vermutung geäußert, dass sich Frauen vom Feminismus distanzieren weil sie, wenn auch unbewusst, die dahinter stehende Ideologie ablehnen. Ich halte Frauen für fähig fremde Meinungen zu reflektieren und ihre eigene Position zu beziehen. Entgegnet wurde mir darauf, dass Frauen vielleicht einfach nur spüren würden, dass Männer keine Feministinnen mögen. Also lieber nicht so deutlich positionieren um den Mann fürs Leben nicht zu vergraulen? Vermutlich ging es nicht um den Mann fürs Leben sondern einfach nur Männer als Adressat der eigenen Meinung. Das funktioniert natürlich nur wenn das Gesagte nicht trotzdem streng feministisch ist.

Ich bin davon überzeugt, dass Frauen und Männer an einen Tisch kommen müssen um Interessen abzuwägen und zu kooperativen Entscheidungen zu gelangen. Aber ich bezweifle, dass rein feministische oder auch revisionistische Positionen geeignet sind um zu einem Miteinander zu finden.

Ich selbst sehe mich nicht als Maskulist. Auch wenn ich, aus meiner Person selbst begründet, die Welt mit männlichen Augen sehe. Folglich setze ich mich für Männer- und Väterrechte ein. Ein persönliches Anliegen ist mir aber auch die Sicht auf Frauen und entsprechend Mütter. Jede Veränderung wird zwangsläufig einer Gruppe mehr nutzen und Andere einschränken. Gerade der Aspekt des Abwägens wird leider viel zu oft ignoriert. Für tragfähige Lösungen brauchen wir Antworten und insbesondere auf die Frage der eingeschränkten Gruppen: »Was habe ich davon?«

Mir persönlich ist es auch völlig gleichgültig wer etwas sagt. Wichtig ist meiner Ansicht nach was gesagt wird. Und in gleichem Maße müssen wir alle Verantwortung für unser Tun und Handeln übernehmen. Wer glaubt, Männer würden langfristig die Verantwortung für jede weibliche Befindlichkeit übernehmen – der irrt. Den von starken selbstbewussten Frauen erwarte ich schlicht und ergreifend, dass sie das selbst übernehmen. Und wahrlich starke und selbstbewusste Frauen werden auch ohne mit der Wimper zu zucken sagen: »Was den sonst?«

So gilt es Rahmenbedingungen zu finden die kooperatives Verhalten belohnen und dadurch selbst für fairen und gerechten Ausgleich der Interessen sorgen. Ich persönlich möchte nicht einfach bewährte Rollenstereotypen gegen neue und offensichtlich untaugliche eintauschen. Ich will Raum für die traditionelle Familie aber auch die Freiheit ein gänzlich anderes Lebensmodell zu wählen. Aber dieser Traum wird sich nicht mit feministischen Unterstützungsgesuchen umsetzen lassen. Dazu braucht es tatsächlich starke Frauen die selbstverantwortlich im Leben stehen ohne auf Quoten und Alimentierung angewiesen zu sein.

Selbstständige Mütter nach der Scheidung

Vor einigen Tagen hatte Arne ein tolles Fundstück bei der Zeit: Was will der Kerl?

Was auf den ersten Blick tragisch komisch wie die verzweifelte Suche nach Antworten aussieht lässt einem auf den zweiten Blick das Lachen im Halse stecken.

So einfach ist das: Feministinnen kennen die Frauen sehr wohl, warten aber auf Antworten der Männer.

Elisabeth Raether

Man kommt sich vor wie der sprichwörtliche Rufer in der Wüste.

Facepalm

CC BY-NC 2.0 by Alex E. Proimos

Die Liebe bestimmt heute unsere Beziehungen, unseren Alltag. Wir leben in den allermeisten Fällen mit den Menschen zusammen, die wir lieben. […] Wie soll der Feminismus also zerstört haben, was blüht wie nie?

Wider dem Feminismus. Nicht hinter jedem Mann verbirgt sich ein Triebtäter oder rücksichtslos prügelnder Patriarch. Was in den vergangenen 100 Jahren konnte die Gesellschaft so spalten wie das Vorantreiben einseitiger Gesetze? Ja natürlich wurden auch solche Gesetze abgeschafft. Wir haben längst ein allgemeines politisches Wahlrecht. Auch darf kein Ehemann mehr Einspruch einlegen wenn seine Frau arbeiten will. Und längst gibt es ein Wahlrecht zu Frauenbeauftragten Gleichstellungsbeauftragen nur für Frauen. Außer dem Namen änderte sich ja nix. Von Frauenquote und Ergänzenden Leistungen nach SGB IX Abs. 1 haben sie bestimmt noch nichts gehört. Und die Wehrpflicht… Lassen wir das.

Vor ein paar Jahrzehnten waren Kinder noch familiäre wie gesellschaftliche Randfiguren, galten vielen als Quälgeister, die am Katzentisch essen mussten.

Heute dürfen sie am Tisch mit den Großen sitzen. Schicke Accessoires zum Preis eines Einfamilienhauses.  Welch Errungenschaft, Erziehung in Reproduktionsarbeit umzutaufen. Natürlich die am schlechtesten bezahlte Arbeit der Welt. Müttern will ja keiner einen gerechten Lohn zahlen. Von der Waffe Sorgerecht oder vielmehr Umgangsrecht will ich an dieser Stelle gar nicht erst anfangen. Wenn heute von Kinder gesprochen wird ist eigentlich Geld gemeint. Schöne neue Kinderwelt.

Der Feminismus von heute mag Sex und Männer und schlägt nicht die Schlachten der 1970er Jahre. Er prangert an, was sich in bald 50 Jahren nicht verändert hat: etwa die ökonomische Benachteiligung der Frauen.

Deswegen brauchen wir auch noch mehr Gender-Mainstream. Frauenquote und Rückkehrrecht auf Vollzeit. Ich zitiere Dagmar Deckstein aus der EMMA:

Frauen verdienen vor allem deshalb schlechter, weil ihre Berufsbiografien anders verlaufen. Weil sie geringer bezahlte Berufe wählen und seltener Karriere machen. Weil sie oft lange Kinderpausen machen, und danach lieber – oder auch nur aus Not, weil keine Kita-Plätze vorhanden sind – in Teilzeitjobs arbeiten.

Ja, Das ist unfair. Eine Lösung auf Kosten der Männer wird die Zerwürfnisse nur voran treiben. Auch Männer werden ökonomisch benachteiligt. Die Zahl der unter dem Selbstbehalt lebenden Männer steigt dramatisch. Natürlich nur weil die Männer zu faul sind sich einen zweiten Job zu suchen. Mitnichten werden Frauen einfach so zur Selbständigkeit gezwungen. Oft wird der Betreuungs- oder Ehegattenunterhalt bis auf weiteres fristlos festgelegt.

Stattdessen zahlt der Staat ihnen Betreuungsgeld und raubt ihnen mit dem Ehegattensplitting den Lohn.

Stattdessen soll Sie also den maximal möglichen Lohn aus ihrer Teilzeitstelle beziehen während er dadurch größere Einbußen hinnehmen muss als sie hinzu gewinnt? Ich wäre nicht begeistert wenn das Familieneinkommen insgesamt sinken würde.

Was ist eigentlich mit den Männern und ihrem Mut zu Familie und Verbindlichkeit? Diese Frage taucht in Mariam Laus Text gar nicht auf.

Die gibt es. Heldenhafte Mannen die sich mutig ins Abenteuer »bis dass der Tod euch scheidet« stürzen. Dazu ist noch nicht einmal ein Trauschein notwendig. Über 90-95% alleinerziehende Mütter  und Scharren von Männern die um ihr Umgangsrecht kämpfen müssen. Verbindlich ist nur der erwartete Betrag der Unterhaltszahlung.

Aber eine gründliche Befragung zur Kinderlosigkeit von Männern gibt es vor allem deshalb nicht, weil der kinderlose Mann im Gegensatz zur kinderlosen Frau keine Sozialfigur ist, an der andere sich pausenlos abarbeiten dürfen.

Bis vor kurzem durften Männer ihren Dienst an der Gesellschaft mit Wehr- und Zivildienst ableisten. Frauen wurden ja wegen ihres Dienstes in Form von Kindern und Erziehung freigestellt. Man könnte also von Fahnenflüchtigen sprechen. Obwohl das Abenteuer Eltern längst nicht so lebensgefährlich ist wie der Dienst an der Waffe.

Beharrlich verweigern Männer sich immer noch dem Gespräch über ihre eigene Rolle.

Tun sie nicht. Außerdem dachte ich Rollen sind Stereotypen und sowieso nur konstruiert? Aber warum suchen sie nicht einfach mal. Nein nicht die Männer die sowieso nur das nach quäken was ihnen von den starken und selbstbewussten Frauen souffliert wird.  Nur keine Schau. Die ganz normalen Männer auf der Straße beißen wirklich nicht. Und wenn die zu langweilig sind finden sich sicher auch andere kontrovers diskutierte Exemplare vom Typus Mann.

Die letzten Jahrzehnte aber hat die Frau sich die Finger wund geschrieben darüber, was sie will und was sie nicht will: kein Frauenthema, zu dem es noch kein Buch gibt. Es wäre also an der Zeit, die Gegenfrage zu stellen: Was will denn der Mann?

Das Gleiche wie Frauen. Gleiche Rechte und vor allem gleichberechtigte Teilhabe.

Am 29. Mai ist der sogenannte Herrentag. Ein schöner Anlass, statt Bier zu trinken und den Bollerwagen durch die Gegend zu ziehen, ein paar Antworten zu geben.

Gerne. Mann kann nur hoffen auch gehört zu werden.

Ein Schlag ins Gesicht

Ich fühle mich gerade benachteiligt. Nicht durch starke Frauen, Feminismus oder ungerechte Gesetze. Ehrlich gesagt bin ich ja selber schuld. Wer die Sendung Löwenzahn kennt, kennt auch den gut gemeinten Ratschlag am Ende der Folge: Abschalten! Hab ich schon vor einigen Jahren gemacht und deshalb steht mein Fernseher im Keller. Jetzt ist es einfach so, dass ich kaum mitreden kann wenn die FAZ schreibt: Gewalt gegen Frauen im Fernsehen. Ich nehme daher einfach mal an, dass tatsächlich mehr Gewalt gegen Frauen im Fernsehen gezeigt wird.

Es geht um die irre Misogynie im deutschen TV. Hat man die eine Frau mit dem zerstörten Gesicht fast schon vergessen, verprügelt ein paar Tage später ein anderer Mann eine andere Frau in einem anderen Krimi. […] Krimis gibt es jedoch sehr lange, schon immer waren sie ultrabrutal und haben unendlich viele Zuschauer mit ihren blutigen, schrecklichen Fällen gelockt. Die Darstellung harter Gewalt gegen Frauen in dieser Häufigkeit ist allerdings neu.

Anna Prizkau missfällt also nicht grundsätzlich die Gewalt und Brutalität in Krimis. Es geht ihr einzig und alleine um die Frauen als Opfer.

Man kommt leicht in die Versuchung ihr Misandrie vorzuwerfen. Aber offensichtlich schafft sie es durchaus richtige Schlüsse zu ziehen.

Überhaupt ist das Vergessen das Schlimmste an diesem neuen Fernsehphänomen. Denn weil man sie so oft gesehen hat, wird diese rohe Gewalt im Film übersehen; wird zur medialen Normalität.

Frau Prizkau besitzt also trotz Betriebsblindheit ein offenes Auge für die Realität. Leider zieht sie die falschen Schlüsse. Kann man es ihr wirklich verdenken?

Die Realität ist natürlich eine andere: Eine EU-Studie, […] Denn würde man ernsthaft Gewalt gegen Frauen thematisieren, wären die Täter Väter, Ehemänner, KFZ-Mechaniker, Anwälte und alle anderen denkbaren Normalos.

Dass die geprügelten Frauen zu 33% Frauen  als Täter  angaben steht natürlich nicht in der Zusammenfassung für die Presse.  Die 46% Mütter als Täter sind sogar noch besser versteckt. Für meine kleine Zusammenfassung musste ich mich fast zwei Arbeitstage mit der Studie beschäftigen. Das ist für Autoren der FAZ vermutlich undenkbar.

Die Frauen, sie haben das alles doch selbst so gewollt; sie wollten Hosen tragen, wollten sein wie die Männer, wollten genauso viel verdienen und müssen deshalb jetzt auch genauso viele Fäuste im Gesicht ertragen wie echte Kerle.

Die ganz normale Gewalt gegen Männer ist ihr also nicht entgangen. Im Gegenteil ist die als normal empfundene Gewalt kein Grund sich dagegen auszusprechen. Zumindest nicht wenn man auf eine Ungerechtigkeit hinweisen kann:

Die vermöbelten Frauen tauchen in fast allen Fällen nur am Rande als Opfer auf. Selbst zurückschlagen dürfen sie selten.

Da bemühe ich mich redlich den Artikel objektiv zu betrachten und dann das:

Feminismus, Emanzipation, Frauenquote, Hanna Rosin – das alles ist für manche Männer einfach zu viel. Sie hocken in ihren kleinen Schneckenhäuschen und hoffen, dass die starken Frauen bald wieder abhauen oder Kinder kriegen.

Bezieht sich die Aussage »Ein klarer Fall von Chauvinismus« jetzt auf die Krimis oder auf ihren Artikel?

Indirekt muss ich ihr leider doch Recht geben. Wenn wir realistische Krimis wollen müssen wir auf eine Quote von fast 70% männlicher Opfer für Mord und Körperverletzung achten. Auch brauchen wir deutlich mehr Täterinnen. 30% mit steigender Tendenz sollte für ein realistisches Bild angemessen sein. Um die Dunkelziffer zu berücksichtigen auch gerne ein paar mehr.

Danke an Matze für den Hinweis.

Alle Jahre wieder die gleiche Schlagzeile

Ich bin fast davon überzeugt, dass bei tagesschau.de mit Textblöcken gearbeitet wird – fast.

Fast ein Viertel weniger für Frauen

Davon abgesehen, dass 22% ein gutes Fünftel und nicht fast ein Viertel sind gleicht die Schlagzeile verblüffend denen älterer Meldungen:

gender_pay_gab_tagesschau

Screenshot: tagesschau.de

Man könnte fast befürchten, dass eines der wichtigsten öffentlich-rechtlichen Leitmedien immer wieder die gleiche Pressemitteilung veröffentlicht. Unbeabsichtigt mit aktualisierten Jahreszahlen natürlich.

Ganz so schlimm ist die Lage dann doch nicht. Immerhin haben die Redakteure begriffen, dass die 22% eine absolute Zahl sind. Also alle Frauen zusammen verdienen insgesamt 22% weniger als alle Männer zusammen.

Die Tagesschau teil nun mit, dass die statistisch völlig wertlose Zahl durch unterschiedliche Branchen- und Berufswahl entsteht. Außerdem arbeiten Frauen öfter in Teilzeit.

Bei ähnlichem Beruf und ähnlicher Qualifizierung sinkt der Unterschied auf die bekannten durchschnittlich maximal 7% pro Arbeitsstunde. Also bei gleichwertiger vergleichbarer Tätigkeit unabhängig von Region und Arbeitgeber.

Bemerkenswert ist, dass MANNdat diese Informationen bereits 2010 in der Pressemitteilung finden konnte. Der Tagesschau ist das damals nicht aufgefallen.