Hilfetelefon – Gewalt gegen Männer – Kein Anschluss?

Hilfetelefon – Auch Männer dürfen anrufen

365 Tage im Jahr, rund um die Uhr kostenfrei erreichbar: Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen bietet Betroffenen erstmals die Möglichkeit, sich zu jeder Zeit anonym, kompetent, sicher und barrierefrei beraten zu lassen. Die Mitarbeiterinnen stehen hilfesuchenden Frauen vertraulich zur Seite und leiten sie bei Bedarf an die passenden Unterstützungsangebote vor Ort weiter. Damit deckt das neue Angebot einen gesellschaftlichen Bedarf und übernimmt eine wichtige Lotsenfunktion für Betroffene, Familienangehörige, Freundinnen und Freunde sowie Fachkräfte.

BFZ_Logo_Hilfetelefon_4c

1. Jahresbericht: Wer nahm Kontakt auf?

Die Hauptgruppe der Personen, die das Hilfetelefon kontaktierten,
waren von Gewalt betroffene Personen. 12.162
betroffene Frauen wandten sich an das Hilfetelefon. Auch
333 betroffene Männer suchten Unterstützung.
21 betroffene
Personen bezeichneten sich selbst als trans* ([…]).
Eine geringe Anzahl der Kontakt aufnehmenden Personen
waren Kinder. Insgesamt meldeten sich 456 Kinder, davon
sagten 284, dass sie selbst betroffen seien.

Männer sind also mitgemeint?

Die gesetzliche Grundlage für das Hilfetelefon stellt das HilfetelefonG dar. Unter § 3 Adressatenkreis findet sich: »Personen aus dem sozialen Umfeld von Frauen, die von Gewalt betroffen sind.« Streng genommen also: Ja! Ob die Interpretation jetzt auch homosexuelle Männer zulässt bleibt für mich zumindest fraglich. Im Zweifel also einfach mitgemeint fühlen!

Die gesetzliche Grundlage für das Hilfetelefon stellt das HilfetelefonG dar. Unter § 3 Adressatenkreis findet sich: »Die Angebote des Hilfetelefons wenden sich insbesondere an:« Streng genommen also: Ja! Den damit sind Frauen zwar als Zielgruppe benannt aber andere Gruppen werden nicht ausgeschlossen. Im Zweifel also einfach mitgemeint fühlen!

Die Sache mit dem mitgemeint fühlen ist im Fall Hilfetelefon aber schwierig. Nicht nur, dass es kein für Männer ansprechendes Werbematerial gibt. Auch die Informationsseiten des Hilfetelefons richten sich durchgängig an Frauen. Hin und wieder lässt ein Nebensatz vermuten, dass man als von Gewalt betroffener Mann auch anrufen darf.

Und selbst wenn Mann sich überwindet und zum Telefon greift. Beim Hilfetelefon arbeiten qua § 4 Anforderungen an die Hilfeleistung ausschließlich weibliche Fachkräfte. Der Grund ist soweit verständlich. Ist doch anzunehmen, dass von Gewalt durch Männer betroffene Frauen einem männlichen Gesprächspartner gegenüber Ressentiments hätten. Im umgekehrten Fall ist davon aber ebenfalls auszugehen.

Evaluation

»Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben veröffentlicht jährlich einen Sachstandsbericht zur Inanspruchnahme des Hilfetelefons und zu den erbrachten Leistungen. Der Sachstandsbericht dient auch dazu, die Angebote des Hilfetelefons bedarfsgerecht anzupassen.« kann man in § 7 Sachstandsbericht; Evaluation lesen.

Veränderung ist demnach nur zu erwarten wenn sich mehr Männer an das Hilfetelefon wenden. Solange die Zahlen nahelegen, dass nur 2-3% der Betroffenen Männer sind wird sich am Angebot und den Werbemaßnahmen auch nichts ändern.

Und gerade deshalb ist es wichtig, dass Männer trotz der abschreckenden Gestaltung das Hilfetelefon nutzen.