Warum ich mich nicht als Maskulist sehe

Ich habe vor zwei Tagen den Feminismus als Ideologie kritisiert. Dabei habe ich für mich selbst die Feststellung getroffen, dass ich mich nicht als Maskulist sehe. Dadurch wurden insbesondere zwei Fragen aufgeworfen über die ich mir heute mehr Gedanken machen will.

Danke, wenn du Lust hast (oder hast) du es schon getan, dann schreib doch bitte noch mal etwas mehr darüber, warum du nicht als Maskulist gelten möchtest.

elmardiederichs

Mir persönlich ist es eigentlich egal wer mich in welche Schublade steckt. Ich weiß aber ganz sicher, dass ich die damit verknüpften Erwartungen früher oder später enttäuschen werde.

Das (Anm. d. Verf.: Maskulismus als Ideologie) ist eine spannende Frage und hängt sehr davon ab, was man unter “Ideologie” versteht.

man.in.th.middle

Ein Blick auf den Begriff Feminismus

Der Begriff Feminismus verbreitete sich in Deutschland erst in den 1970er Jahren als positive Selbstbeschreibung der Frauenbewegung. Sogenannten Ismen beschreiben Anhänger eines Glaubenssystems oder eben einer Ideologie. Die sogenannte 2. Welle der Frauenbewegung trägt demnach maßgeblich an der Bildung des Begriffs Anteil.

Die Themen des 19. bis ins 20. Jahrhundert waren noch vom Wunsch rechtlicher und gesellschaftlicher Gleichberechtigung getrieben. Die 2. Welle hingegen legte deutlich mehr Gewicht auf Emanzipation von vorgeblicher Unterdrückung und nicht selten wurde bereits damals mit Übertreibungen und Halbwahrheiten gearbeitet. So hält sich zum Beispiel bis heute hartnäckig das Gerücht, dass eine Frau bis 1977 die Erlaubnis ihres Ehemanns für die eigene Berufstätigkeit brauchte.

(1) [1] Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung.[2] Sie ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist. […]

BGB §1356 (bis 1977)

(1) [1] Hat sich die Frau einem Dritten gegenüber zu einer von ihr in Person zu bewirkenden Leistung verpflichtet, so kann der Mann das Rechtsverhältniß ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist kündigen, wenn er auf seinen Antrag von dem Vormundschaftsgerichte dazu ermächtigt worden ist.[2] Das Vormundschaftsgericht hat die Ermächtigung zu ertheilen, wenn sich ergiebt, daß die Thätigkeit der Frau die ehelichen Interessen beeinträchtigt.

(2) [1] Das Kündigungsrecht ist ausgeschlossen, wenn der Mann der Verpflichtung zugestimmt hat oder seine Zustimmung auf Antrag der Frau durch das Vormundschaftsgericht ersetzt worden ist.[2] Das Vormundschaftsgericht kann die Zustimmung ersetzen, wenn der Mann durch Krankheit oder durch Abwesenheit an der Abgabe einer Erklärung verhindert und mit dem Aufschube Gefahr verbunden ist oder wenn sich die Verweigerung der Zustimmung als Mißbrauch seines Rechtes darstellt.[3] Solange die häusliche Gemeinschaft aufgehoben ist, steht das Kündigungsrecht dem Manne nicht zu. […]

BGB §1356 (bis Juli 1958)

Eine ausdrückliche Erlaubnis war also nicht notwendig und die Möglichkeit der Kündigung durch den Ehemann bis 1958 nur über ein Vormundschaftsgericht zu erreichen. Im Zeitraum 1958-1977 kommt §1356 allenfalls für die, damals übliche, Schuldfrage im Zuge einer Scheidung zum tragen.

Zum Mythos des Anspruchs auf ein Konto ab 1962 konnte ich nicht einmal Hinweise finden. Selbst beim BMFSFJ weiß man davon anscheinend nichts. Sachdienliche Hinweise dazu sind ausdrücklich erwünscht.

Die Behandlung weiterer Mythen und Legenden würden den Rahmen an dieser Stelle sprengen. Trotzdem wird deutlich, wie der Begriff Feminismus von Anfang an positiv belegt und als Sammelbegriff für Frauenrechte etabliert wurde.

Und ein Blick auf den Begriff Maskuli(ni)smus

Jetzt wird es schwieriger. Der Begriff Maskulinismus wurde Ende des 20. Jahrhunderts von feministischer Seite zur Denunziation feminismuskritischer aber auch antifeministischer Positionen etabliert. Entsprechend wird der Begriff auch als »Ideologie des Patriarchats« verstanden. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass der Begriff Männerbewegung als pro-feministischer Flügel der Frauenbewegung kolportiert wird.

Abgrenzend wird der Begriff Maskulismus verwendet; mit dem Ziel der Männerbewegung für Männer- und Väterrechte ein positives Selbstbild zu geben. Entsprechend wird auch der Begriff Männerrechtsbewegung genutzt. Ein für mich ziemlich ungeeigneter Begriff da er den Eindruck eines politischen Rechtsrucks transportiert.

Die Begrifflichkeiten selbst werden sowohl synonym als auch abgrenzend benutzt. Gerade wenn man im Maskul(in)ismus eine Gegenposition zum Feminismus begreifen will bietet sich die Wortschöpfung an. Die bewusste Vermischung von Feminismus-Kritik und Antifeminismus dient zur Diskreditierung, da antifeministische Positionen häufig auch von religiösen und nationalsozialistischen Revisionisten eingenommen werden. Ziel solcher Gruppierungen ist in der Tat eine Rückkehr zu einem androzentrischen Weltbild.

Auch im Maskuli(ni)smus lassen sich ideologische Tendenzen finden. So finden sich zum Beispiel Ansichten die Frauen pauschal als gierige Jäger nach Alimenten darstellen oder einen egozentrischen, nur zur Selbstliebe fähigen, Charakter andichten.

Problematisch ist Kritik sowie die Gegenposition insbesondere deshalb weil Feminismus in der westlichen Welt als positive Heillehre für alle Menschen dargestellt wird.  Daraus folgt auch der Kurzschluss, dass Gegenpositionen negativ und rückwärtsgewandt sein müssen.

Ideologien

Im ursprünglichen Sinne wird unter einer Ideologie ein gemeinsamer Kanon aus Wertvorstellungen, Theorien und Zielen verstanden.

Ideologiekritik im Sinne von Karl Popper umfasst dabei insbesondere die Analyse folgender Punkte: Dogmatisches Behaupten absoluter Wahrheiten, Tendenz zur Immunisierung gegen Kritik, Vorhandensein von Verschwörungstheorien, utopische Harmonieideale sowie die Behauptung von Werturteilen als Tatsachen.

Totalitäre politische Ideologien mit umfassendem Wahrheitsanspruch weisen oftmals Elemente von Mythenbildung, Geschichtsklitterung, Wahrheitsverleugnung und Diskriminierung konkurrierender Vorstellungen auf.

Im Feminismus findet man alle genannten Punkten einer kritisierbaren totalitären Ideologie. Wie sieht es mit dem Maskulismus aus? Zumindest die Behauptungen absoluter Wahrheiten sowie das Vorhandensein von Verschwörungstheorien lassen sich feststellen. Ich vermute, dass die Bewegungen noch zu jung aber auch heterogen ist um von einem gemeinsamen Kanon und damit einer Ideologie sprechen zu können; während im Feminismus die einzelnen Kriterien zumindest auf die lautesten Strömungen zutreffen.

Glorifizierung des Feminismus

Glorifiziert dargestellt wird der Feminismus in der Regel durch die vorgeblichen Erfolge zur Gleichberechtigung in insbesondere den Bereichen Erwerbsarbeit, Bildung und Wahlrecht. Historisch betrachtet fanden diese Entwicklungen oft nur mit kurzer zeitlicher Verzögerung hinter der Gewährung entsprechender Rechte an die Männer statt. Die Glorifizierung der Frauenbewegung findet sich ebenso zur Änderung (1974-76) des kontrovers diskutierten §218. Beachtlich dabei ist, dass die Fristenlösung bereits 1920 von 55 SPD-Abgeordneten im Reichstag vorgeschlagen wurde. Zu den tatsächlichen Änderungen, bei denen zumindest ein Einfluss feministischer Kreise angenommen werden kann, kommen noch unzählige Erfolge in Form von Mythen und Legenden.

Das so propagierte durchweg positive Selbstverständnis verhindert damit sachliche Kritik im Keim. Die von Popper angedachte Tendenz zur Immunisierung gegen Kritik entfaltet hier ihr volles Ausmaß. Insbesondere die Verschwörungstheorie eines allmächtigen Patriarchats muss zur Begründung einiger Behauptungen herhalten.

Mein Selbstverständnis

Frei von Weltanschauung und Wertvorstellungen sind wir alle nicht. Grundwerte wie Menschenrechte werden uns durch unsere Erziehung in die Wiege gelegt. Aber auch die Sicht auf Familie und Partnerschaft festigt sich schon im Kindesalter und nicht selten entsteht so zum Beispiel ein religiös geprägter Wertekanon. Aber auch Erfahrungen im Erwachsenenalter stellen hin und wieder unser Weltbild auf den Kopf. Dazu können zum Beispiel schlechte Erfahrungen in Beziehungen sowie Rückschläge im Beruf gehören.

Ideologien können mit ihrem Feindbild helfen den so erlittenen Schmerz zu verkraften. Ich denke wir Menschen sind gerade deshalb in kritischen Phasen besonders anfällig um opportun erscheinende Glaubenssätze zu akzeptieren.

Ich selbst sehe die Welt natürlich als Mann und damit durch männliche Augen. Entsprechend liegen mir Männer- und Väterrechte deutlich näher als Frauenrechte. Meine Ideen und Gedanken sind sicher nicht der Weisheit letzter Schluss und eher ein Beispiel von Versuch und Fehlurteil. Schlüsse ziehen, Relativieren, Überdenken und auch Verwerfen gehört für mich genauso dazu wie letztendlich eine Position zu beziehen. Regelmäßig auch eine andere als vormals gedacht.

Das verträgt sich einfach nicht mit den Dogmen einer Ideologie. Jeder Standpunkt, und damit auch der eigene, muss hinterfragbar und auch kritisierbar sein. Feministische Positionen als femizentrisch zu kritisieren und gleichzeitig eine streng androzentrische Position einnehmen wirkt nicht nur verlogen. Da muss einfach Platz bleiben. Platz für ein gleichberechtigtes Miteinander. Klappt vermutlich nicht immer – aber ich arbeite daran.

Verallgemeinerung vs. Anekdote

Mein heutiger Artikel ist ausgefallen. Ersatzlos gestrichen. Obwohl er eigentlich fertig war wollte ich ihn dann nicht mehr haben. Zumindest nicht in der von mir verfassten Form.

Ich verallgemeinere gerne. Manchmal neige ich sogar dazu Verallgemeinerungen noch weiter zu verallgemeinern. Verallgemeinerungen dienen mir dazu die Sicht auf ein Problem oder eine Situation von persönlichen Ansichten zu bereinigen und einer Aussage zu mehr Objektivität zu verhelfen.

Jetzt fordert mich Elmar in einem Kommentar auf:

Danke, wenn du Lust hast (oder hast) du es schon getan, dann schreib doch bitte noch mal etwas mehr darüber, warum du nicht als Maskulist gelten möchtest.

Aber auch Stephan Fleischhauer schreibt beim Geschlechterallerlei:

Was ich an der “männlichen Diskussionskultur” vielleicht noch kritisieren würde, ist die reichlich schnelle Neigung zur Abstraktion (evilmichi nannte ja schon Verallgemeinerungen) und eine gewisse Abneigung gegen Anekdotisches. Andereseits können hier Frauen vielleicht auch von den Männern lernen.

GrauBlau schließt daraus:

Sehr guter Punkt! Ich meine sogar, nachdem ich all die verschiedenen Hintergründe gelesen habe, dass es ohne die persönliche Perspektive nicht geht. Falsch wäre dann, aus den eigenen Erfahrungen wiederum allgemeingültige Regeln aufzustellen.

In einer Hinsicht muss ich den Aussagen völlig Recht geben. Eine persönliche Anekdote hilft sehr die Beweggründe hinter einer Aussage nachzuvollziehen. Es erleichtert dem Leser den Blickwinkel des Autors einzunehmen.

Aber gerade bei so polarisierenden Themen wie dem Verhältnis der Geschlechter zueinander birgt eine solche Anekdote auch eine nicht unerhebliche Gefahr. Man offenbart damit eine deutliche Blöße und bietet eine nicht zu verachtende Angriffsfläche.

Mit feminismuskritischen Artikeln bewege ich mich derzeit deutlich gegen den Mainstream. Gerade in unseren Leitmedien wird Kritik nur versteckt vorgebracht und häufig im gleichen Satz relativiert. Die Gefahr als Frauenfeind denunziert zu werden ist nicht unerheblich. Verallgemeinerungen bieten hier eine Art Schutzraum weil sie Platz für andere Erfahrungen lassen.

Ich möchte persönliche Erfahrungen unterbringen. Gerne auch Erfahrungen in denen ich selbst falsch gehandelt habe. Nur wie soll sich das sinnvoll bewerkstelligen lassen?

Keine Blogparade? Mir egal! – Männlichkeit

Diesen Artikel wollte ich lange schreiben. Er war zunächst als mögliche Blogparade gedacht, die aber nie stattgefunden hat.  Daher schreibe ich ihn nun “alleine“. ;)

Nich‘ mit Leo! – ähm Hans. 😉

Was ist Männlichkeit überhaupt?

Das ist vermutlich die brennende Frage dieses Jahrhunderts. Männlichkeit oder vielmehr Mann ist langsam zu einem Schimpfwort verkommen. Männer sind Täter, Gewaltverbrecher, Schuld am Klimawandel und vermutlich sogar dann wenn die Milch sauer wird. Kein Problem, dass sich nicht irgendwie mit Männern in Verbindung bringen lässt. Wenn nicht direkt dann zumindest über irgendetwas Strukturelles oder schlicht durch Das Patriarchat™.

Dann gibt es da natürlich noch die klassischen Assoziationen. Groß, stark, der Fels in der Brandung und Ähnliches. Männer sind Krieger und Streiter für die Schwachen und Bedürftigen. Wahre Männer geben mit Freuden ihr Leben auf dem Schlachtfeld um die Ihren zu beschützen. Den Männer sind mutig, dominant, aggressiv und gefühlskalt. Technik und Organisationsfähigkeit liegt in ihren Genen und Rationalität ist Trumpf.

Meine Männlichkeit

CC BY-SA 3.0 by TheBrockenInaGlory

CC BY-SA 3.0 by TheBrockenInaGlory

Für mich ein ganz besonderer Ausdruck von Männlichkeit: Machen

Einfach mal machen kann jeder. Und Geschäftsfrauen gibt es auch einige die erfolgreich sind mit dem was sie machen. Aber ich meine weder vor sich hin wursteln noch einen Job erledigen.

Es ist mehr das Gefühl von »Sein Ding durchziehen«. Selbstbewusst das Schicksal in die Hand nehmen und  ungeachtet der Unkenrufe auf ein Ziel zu arbeiten. Nicht mit der Holzhammermethode, aber mit der gebotenen Rücksicht die eigene Freiheit auszuleben.

Dazu gehört für mich auch haltlose Kritik abperlen zu lassen und einfach souverän zu bleiben.  Aber es gehört genauso dazu berechtigte Kritik einzustecken und die eigene Position zu überdenken. Niemand ist fehlerlos.

Schau’n mer mal

Franz Beckenbauer

Und jetzt noch Northern Kings – My Way für den Soundtrack des Maskulismus’:

Tolle Coverversion des Hits von Frank Sinatra.