Mit Intoleranz zu mehr Toleranz?

Beim Thema Ehe scheiden sich die Geister. Egal ob Homo-Ehe,Ehe mit und ohne Kinder oder Ehe als patriarchale Versklavung. Unter den Kämpfern für mehr Toleranz findet man vor allem eines: Intoleranz

So berichten unter anderem derStandard.at und die FAZ über einen Boykottaufruf der Dating-Plattform OKCupid gegen den Browser Firefox. Stein des Anstoßes ist eine 1000$ Spende des neuen Mozilla CEO Brendan Eich für eine Kampagne in Kalifornien die sich gegen die Ehe homosexueller Paare richtete. Es geht also schlicht um die Personalentscheidung der Mozilla Foundation die sich von Anfang an für Ideale wie Freiheit, Respekt, Transparenz und Gleichberechtigung einsetzte und dies auch deutlich klarstellt.

Die Ehe ist nicht nur in der Bundesrepublik eine besondere In­s­ti­tu­ti­on. So steht im Grundgesetz Artikel 6 folgendes: »Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.« Aber auch die Europäischen Menschenrechtskonvention stellen mit Artikel 12 die besondere Stellung der Ehe heraus: »Männer und Frauen im heiratsfähigen Alter haben das Recht, nach den innerstaatlichen Gesetzen, welche die Ausübung dieses Rechts regeln, eine Ehe einzugehen und eine Familie zu gründen.«

Die Ehe ist in der heutigen Zeit vor allem ein rechtliches Konstrukt. Solange man nicht im sprichwörtlich hintersten erz-katholischen Dorf lebt wird sich auch die Nachbarschaft kaum dazu äußern wenn man glücklich in »Wilder Ehe« und einem Stall voll Kindern lebt. Bei homosexuellen Menschen wird nach landläufiger Meinung etwas genauer hingesehen. Man muss sich deshalb auch bewusst machen, dass die Ehe nach wie vor als Keimzelle der Familie gesehen wird. Aber woher rühren die oft mit harten Bandagen geführten Grabenkämpfe?

Zuerst muss man feststellen, dass die Ehe in ihren Ursprüngen ein rein religiöses Phänomen war. Im Römischen Reich zum Beispiel handelte es sich bei der Ehe eher um einen Vertrag um politische und materielle Interessen zu sichern. Die von der Weltanschauung unabhängige Zivilehe gibt es in Deutschland seit 1876 staatliche Standesämter eingeführt wurden.

Es geht beim Streit über die Homo-Ehe zwar auch um die Anerkennung einer Solidargemeinschaft – aber eben nicht nur. Nüchtern betrachtet stehen handfeste wirtschaftliche Interessen im Vordergrund. Und Hand aufs Herz. Spielt das Geschlecht zweier Partner da eine Rolle? Gebietet nicht Art. 3 GG eine bedingungslose Gleichbehandlung? Wie ist eine Ungleichbehandlung zu rechtfertigen wenn Menschen einen Partner gleichen Geschlechts heiraten wollen?

Für Toleranz zu werben und die Eheschließung homosexueller Paare zu fordern ist offensichtlich zwingend geboten wenn man die Grundwerte unserer Gesellschaft leben will. Neben diesen Werten gibt es allerdings auch noch religiöse Werte. Die Forderung einer kirchlichen Trauung wäre damit nicht vereinbar. Nur – wurde die Zivilehe nicht geschaffen um genau diese Lücke zu füllen?

Die Forderung nach Toleranz ist ein grundsätzlich zu unterstützendes Anliegen. Aber wo bleibt die Toleranz wenn gegensätzliche Meinungen und Vorstellungen massiv angegriffen und torpediert werden? Wie kann es angehen, dass zum Boykott eines Browsers aufgerufen wird nur weil ein Mitarbeiter nicht die eigenen Werte teilt? Wie verträgt sich der Ruf nach Toleranz mit einem solch intoleranten Verhalten?

Es reicht nicht wenn man, zumindest der eigenen Meinung nach,  moralisch im Recht ist. Und es mag noch so modern sein restriktive Positionen mit viel Tamtam und dem Hinweis auf Toleranz anzugreifen. Ein Zeugnis der eigenen Toleranz ist das gerade nicht.

Advertisements