Hilfetelefon – Gewalt gegen Männer – Kein Anschluss?

Hilfetelefon – Auch Männer dürfen anrufen

365 Tage im Jahr, rund um die Uhr kostenfrei erreichbar: Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen bietet Betroffenen erstmals die Möglichkeit, sich zu jeder Zeit anonym, kompetent, sicher und barrierefrei beraten zu lassen. Die Mitarbeiterinnen stehen hilfesuchenden Frauen vertraulich zur Seite und leiten sie bei Bedarf an die passenden Unterstützungsangebote vor Ort weiter. Damit deckt das neue Angebot einen gesellschaftlichen Bedarf und übernimmt eine wichtige Lotsenfunktion für Betroffene, Familienangehörige, Freundinnen und Freunde sowie Fachkräfte.

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1. Jahresbericht: Wer nahm Kontakt auf?

Die Hauptgruppe der Personen, die das Hilfetelefon kontaktierten,
waren von Gewalt betroffene Personen. 12.162
betroffene Frauen wandten sich an das Hilfetelefon. Auch
333 betroffene Männer suchten Unterstützung.
21 betroffene
Personen bezeichneten sich selbst als trans* ([…]).
Eine geringe Anzahl der Kontakt aufnehmenden Personen
waren Kinder. Insgesamt meldeten sich 456 Kinder, davon
sagten 284, dass sie selbst betroffen seien.

Männer sind also mitgemeint?

Die gesetzliche Grundlage für das Hilfetelefon stellt das HilfetelefonG dar. Unter § 3 Adressatenkreis findet sich: »Personen aus dem sozialen Umfeld von Frauen, die von Gewalt betroffen sind.« Streng genommen also: Ja! Ob die Interpretation jetzt auch homosexuelle Männer zulässt bleibt für mich zumindest fraglich. Im Zweifel also einfach mitgemeint fühlen!

Die gesetzliche Grundlage für das Hilfetelefon stellt das HilfetelefonG dar. Unter § 3 Adressatenkreis findet sich: »Die Angebote des Hilfetelefons wenden sich insbesondere an:« Streng genommen also: Ja! Den damit sind Frauen zwar als Zielgruppe benannt aber andere Gruppen werden nicht ausgeschlossen. Im Zweifel also einfach mitgemeint fühlen!

Die Sache mit dem mitgemeint fühlen ist im Fall Hilfetelefon aber schwierig. Nicht nur, dass es kein für Männer ansprechendes Werbematerial gibt. Auch die Informationsseiten des Hilfetelefons richten sich durchgängig an Frauen. Hin und wieder lässt ein Nebensatz vermuten, dass man als von Gewalt betroffener Mann auch anrufen darf.

Und selbst wenn Mann sich überwindet und zum Telefon greift. Beim Hilfetelefon arbeiten qua § 4 Anforderungen an die Hilfeleistung ausschließlich weibliche Fachkräfte. Der Grund ist soweit verständlich. Ist doch anzunehmen, dass von Gewalt durch Männer betroffene Frauen einem männlichen Gesprächspartner gegenüber Ressentiments hätten. Im umgekehrten Fall ist davon aber ebenfalls auszugehen.

Evaluation

»Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben veröffentlicht jährlich einen Sachstandsbericht zur Inanspruchnahme des Hilfetelefons und zu den erbrachten Leistungen. Der Sachstandsbericht dient auch dazu, die Angebote des Hilfetelefons bedarfsgerecht anzupassen.« kann man in § 7 Sachstandsbericht; Evaluation lesen.

Veränderung ist demnach nur zu erwarten wenn sich mehr Männer an das Hilfetelefon wenden. Solange die Zahlen nahelegen, dass nur 2-3% der Betroffenen Männer sind wird sich am Angebot und den Werbemaßnahmen auch nichts ändern.

Und gerade deshalb ist es wichtig, dass Männer trotz der abschreckenden Gestaltung das Hilfetelefon nutzen.

Ein Schlag ins Gesicht

Ich fühle mich gerade benachteiligt. Nicht durch starke Frauen, Feminismus oder ungerechte Gesetze. Ehrlich gesagt bin ich ja selber schuld. Wer die Sendung Löwenzahn kennt, kennt auch den gut gemeinten Ratschlag am Ende der Folge: Abschalten! Hab ich schon vor einigen Jahren gemacht und deshalb steht mein Fernseher im Keller. Jetzt ist es einfach so, dass ich kaum mitreden kann wenn die FAZ schreibt: Gewalt gegen Frauen im Fernsehen. Ich nehme daher einfach mal an, dass tatsächlich mehr Gewalt gegen Frauen im Fernsehen gezeigt wird.

Es geht um die irre Misogynie im deutschen TV. Hat man die eine Frau mit dem zerstörten Gesicht fast schon vergessen, verprügelt ein paar Tage später ein anderer Mann eine andere Frau in einem anderen Krimi. […] Krimis gibt es jedoch sehr lange, schon immer waren sie ultrabrutal und haben unendlich viele Zuschauer mit ihren blutigen, schrecklichen Fällen gelockt. Die Darstellung harter Gewalt gegen Frauen in dieser Häufigkeit ist allerdings neu.

Anna Prizkau missfällt also nicht grundsätzlich die Gewalt und Brutalität in Krimis. Es geht ihr einzig und alleine um die Frauen als Opfer.

Man kommt leicht in die Versuchung ihr Misandrie vorzuwerfen. Aber offensichtlich schafft sie es durchaus richtige Schlüsse zu ziehen.

Überhaupt ist das Vergessen das Schlimmste an diesem neuen Fernsehphänomen. Denn weil man sie so oft gesehen hat, wird diese rohe Gewalt im Film übersehen; wird zur medialen Normalität.

Frau Prizkau besitzt also trotz Betriebsblindheit ein offenes Auge für die Realität. Leider zieht sie die falschen Schlüsse. Kann man es ihr wirklich verdenken?

Die Realität ist natürlich eine andere: Eine EU-Studie, […] Denn würde man ernsthaft Gewalt gegen Frauen thematisieren, wären die Täter Väter, Ehemänner, KFZ-Mechaniker, Anwälte und alle anderen denkbaren Normalos.

Dass die geprügelten Frauen zu 33% Frauen  als Täter  angaben steht natürlich nicht in der Zusammenfassung für die Presse.  Die 46% Mütter als Täter sind sogar noch besser versteckt. Für meine kleine Zusammenfassung musste ich mich fast zwei Arbeitstage mit der Studie beschäftigen. Das ist für Autoren der FAZ vermutlich undenkbar.

Die Frauen, sie haben das alles doch selbst so gewollt; sie wollten Hosen tragen, wollten sein wie die Männer, wollten genauso viel verdienen und müssen deshalb jetzt auch genauso viele Fäuste im Gesicht ertragen wie echte Kerle.

Die ganz normale Gewalt gegen Männer ist ihr also nicht entgangen. Im Gegenteil ist die als normal empfundene Gewalt kein Grund sich dagegen auszusprechen. Zumindest nicht wenn man auf eine Ungerechtigkeit hinweisen kann:

Die vermöbelten Frauen tauchen in fast allen Fällen nur am Rande als Opfer auf. Selbst zurückschlagen dürfen sie selten.

Da bemühe ich mich redlich den Artikel objektiv zu betrachten und dann das:

Feminismus, Emanzipation, Frauenquote, Hanna Rosin – das alles ist für manche Männer einfach zu viel. Sie hocken in ihren kleinen Schneckenhäuschen und hoffen, dass die starken Frauen bald wieder abhauen oder Kinder kriegen.

Bezieht sich die Aussage »Ein klarer Fall von Chauvinismus« jetzt auf die Krimis oder auf ihren Artikel?

Indirekt muss ich ihr leider doch Recht geben. Wenn wir realistische Krimis wollen müssen wir auf eine Quote von fast 70% männlicher Opfer für Mord und Körperverletzung achten. Auch brauchen wir deutlich mehr Täterinnen. 30% mit steigender Tendenz sollte für ein realistisches Bild angemessen sein. Um die Dunkelziffer zu berücksichtigen auch gerne ein paar mehr.

Danke an Matze für den Hinweis.

Gewalt und ihre weichen Grenzen

Gewalt

(von althochdeutsch waltan – stark sein, beherrschen)

Ein wertfreies Urteil für Vorgänge oder Handlungen die durch Ausübung von psychischen oder physischen Kräften auf Menschen, Tiere oder Gegenstände beeinflussend, verändernd oder schädigend einwirkt.

Entsprechend kennen wir mehr oder weniger bedrohliche Begriffe um Gewaltausübung zu bezeichnen. Zum Beispiel Naturgewalt, Staatsgewalt oder Verwaltung. Da sind aber auch Begriffe wie Gewalttäter, Gewaltverherrlichung oder Vergewaltigung.

So wirklich angenehm klingt keines dieser Worte. Selbst bei Verwaltung stellt sich gerne ein klammes Gefühl ein. Wirklich überraschend ist das nicht. Jeder Verwaltungsakt ist eine beherrschende Handlung und schränkt uns persönlich in unserer Freiheit ein.

Gewalt wird immer als wertend empfunden obwohl beeinflussende oder veränderte Handlungen nicht zwingend schädigend sein müssen.

Soziologische Zwischenmenschliche Gewalt

Der soziologische Gewaltbegriff ist der der Die zwischenmenschliche Gewalt ist die die uns die meisten Kopfschmerzen bereitet und überwiegend in Studien untersucht wird. Dabei geht es überwiegend um diese Sparten der Gewalt:

  • Sexuelle Belästigung
  • Sexuelle Gewalt
  • Psychische Gewalt
  • Physische Gewalt

Sexuelle Belästigung

Die Sexuelle Belästigung rückte gerade im betrieblichen Umfeld in den vergangen Jahrzehnte in den Fokus. Dabei handelt es sich um eine vom Interesse unabhängige willentliche Einwirkung zum Schaden des Opfers abhängig vom Geschlecht.  Was auf den ersten Blick sehr schwammig klingt stellt gleichzeitig eine deutliche Grenze dar. Wir fragen uns also:

Ist dem Opfer ein Schaden entstanden? Und wenn ja wurde der Schaden willentlich herbeigeführt?

Als Schaden kann grundsätzliche jede abwertende Bemerkung betrachtet werden. »Schieb‘ deinen Knackarsch hier rüber« – kann durchaus als Abwertung begriffen werden. Nämlich dann, wenn man seine Person auf  ein Körperteil und damit auf ein Objekt reduziert empfindet. Willentlich ist ebenfalls zu bejahen. Ob ein Interesse an der Reduzierung bestand oder ob es sich um ein schlechtes Kompliment handelt spielt nämlich keine Rolle. Die Aussage selbst wurde willentlich getroffen.

»Heut‘ Abend ’ne Flasche Wodka und dann besorg‘ ich’s dir mal so richtig?« Ein ziemlich vulgäres, eindeutiges Angebot.  Also eine willentlich geäußerte Willensbekundung. Aber wie sieht es mit dem Schaden aus? Unterstellen wir eine Reduzierung zum Sexobjekt.

»Heute Abend Wein auf meiner Terrasse und dann sehen was noch passiert?« Kaum weniger eindeutig und mit geschliffener Wortwahl. Vom qualitativen Unterschied abgesehen ein identisches Angebot. Aber auch eine Reduzierung? Durch das Angebot alleine ist kein Schaden entstanden.

Wie sieht es jetzt in der symbolischen Bikerbar aus? Mit Wein und Terrasse rechne ich eher damit ausgelacht zu werden. Sexuelle Belästigung beruht also rein auf dem Empfinden des Opfers. Und diese ist Abhängig vom eigenen sozialen Status sowie des gesellschaftlichen Umfeldes.

Lüsterne Blicke können als unangenehm empfunden werden. Manchmal werden diese mit aufreizender Kleidung geradezu herausgefordert und sind sogar erwünscht. Oder um es anders zu sage: Es gibt kein unpassendes Wetter – nur unpassende Kleidung.

Ich halte daher eine objektive Bewertung sexueller Belästigung schlicht für unmöglich. Und gerade deshalb sind Diskussionen ohne konkretes Beispiel zum scheitern verurteilt.  Erschwerend kommt hinzu, dass die empfindlichsten Personen die Grenzen definieren und damit tendenziell eine Radikalisierung einhergeht.

Die grundsätzliche Forderung auf Gefühle anderer Menschen Rücksicht zu nehmen ist klar unterstützenswert. Aber hier ein Werkzeug und Totschlagargument zu konstruieren geht zu weit. Erstmalige Überschreitungen müssen toleriert aber nicht akzeptiert werden. Nach einem sachlichen Hinweis auf eine Grenzverletzung sollte die eigene Wortwahl deutlich überdacht werden. Meiner Meinung nach der einzige für alle Beteiligten sinnvolle Weg die individuellen Grenzen abzustecken.

Physische Gewalt

Ein vergleichsweise neues Feld der Untersuchung. Und bislang fehlt noch eine klare Definition. Was ist psychische Gewalt überhaupt?

»Räum‘ dein Zimmer auf! Sonst darfst du nicht raus zum spielen.« Eine Forderung die so ziemlich alle Eltern kennen dürften und eine klare Ausübung von Gewalt.

Die Fragen der Studien können durchaus ein Indikator für Gewalt sein. Nämlich dann wenn es sich um willkürliche Forderungen handelt. Einer kaufsüchtigen Frau die Kreditkarte wegzunehmen kann schon zum Selbstschutz notwendig sein. Genauso wenig lässt der Verdacht auf Untreue einen direkten Rückschluss auf psychische Gewalt zu.  Ausgeblendet wird die Möglichkeit, dass es einen Grund für den Verdacht gibt.

Auch hier werden die Grenzen durch extreme Situationen gesetzt. Gewaltausübung wird grundsätzlich negativ betrachtet und der wichtige Faktor der Schädigung völlig ausgeblendet.

Unscharf ist die Betrachtung deshalb weil Verhaltensmuster die eher Frauen zugerechnet werden müssen völlig außen vor bleiben. Da in der FRA Studie auch Frauen mit weiblichen Partnern betrachtet wurden zeichnet sich hier leider ein unvollständiges Bild.

Konkret spreche ich davon, dass Eifersucht provoziert oder Männlichkeit angezweifelt wird.  Wünsche und Bedürfnisse werden vorsätzlich missachtet und Vereinbarungen ignoriert. Selbst künstlich zu hoch gesteckte Erwartungen sind Ausdrucksformen von Gewalt.

Auch andere verbale Gewalt durch ständiges Keifen, anhaltende Vorwürfe und Kritik fällt darunter. Zusammen mit überhöhten Erwartungen oder einer Reaktion auf vorherige Provokationen ein perfider Kreislauf.

Das Verächtlich-Machen des Ex-Partners nach einer Trennung wird immer wieder praktiziert. Vorwürfe bei Freunden, Bekannten und Kindern über den gewalttätigen Ex stellen keine seltene Ausnahme dar. Der bewusste Kindesentzug unter dem Vorwand des Kindeswohls stellt die Ultima Ratio dar.

Ein ungeheures Arsenal an Waffen in einem ungleichen Krieg.  Die Spuren psychischer Gewalt sind nicht sichtbar und lassen sich nur schwer einem Täter zuordnen.

Ungleich deshalb, weil Männern oft das Verständnis für so subtile aber wirkungsvolle Arten der Gewalt fehlt und meiner Meinung nach einer der Gründe warum dieses Verhalten nicht rechtzeitig als Gewalt erkannt wird.

Unbewusst wird die ausgeübte Gewalt wahrgenommen und kann zu einer Reaktion in Form physischer Gewalt führen.

Physischer Gewalt

Körperliche Gewalt in Beziehungen scheint die Domäne der Männer zu sein. Nach der PKS 2012 entfallen 22,2% der registrierten Fälle von Körperverletzung auf Beziehungen mit Verwandtschaftsverhältnis nach § 11 Abs. 1 Nr. 1 StGB. Über die Verteilung der Geschlechter in diesen Fällen schweigt die PKS.

Das Robert-Koch-Institut kommt in ihrer Studie DEGS1 zu relativ ausgeglichenen Zahlen zu physischen Gewalt in Partnerbeziehungen.

Außerdem scheint sich Gewalt in ihrer Qualität zu unterscheiden:

There is no question that men on average are bigger and stronger than women, and hence they can do more damage in a fist-fight. However according to Professors R.L. McNeely and Cormae Richey Mann, „the average man’s size and strength are neutralised by guns and knives, boiling water, bricks, fireplace pokers and baseball bats.“ Their opinion is endorsed by a 1984 study of 6,200 cases which found that 86% of female-on-male violence involved weapons, as compared to 25% of cases of male-on-female violence.

McLeod, Justice Quarterly (2) 1984 pp. 171-193.

Frauen gleichen die körperliche Überlegenheit des Mannes überwiegend durch den Einsatz von Waffen aus. Daher ist anzunehmen, dass bei physischer Gewalt durch Frauen häufiger die Absicht vorliegt schwerwiegende Verletzungen zu verursachen.

Leider wurde dieser Aspekt vom RKI nicht näher untersucht. Was auch vom Nationale Netzwerk Frauen und Gesundheit beanstandet wird.

Die Stellungnahme selbst postuliert gendersensible Unterschiede in der Gewalterfahrung. Alles in allem eine logische Reaktion auf ein unerwünschtes Ergebnis. Gendersensibel bedeutet in diesem Fall leider nicht, dass auf die Unterschiede vom Geschlecht unabhängig eingegangen wird. Der Fokus liegt auf der erwünschten Bestätigung der allgemeinen These von Frauen als Opfer und Männern als Täter.

[…]Diese Differenz in den Selbstangaben steht im Widerspruch zu anderen Studien, die Frauen eher als Opfer denn als Täterinnen[…]

Die in der Stellungnahme geforderten Kriterien werden darüber hinaus von keiner repräsentativen Studie im Ganzen eingehalten und dienen daher lediglich der Diskreditierung.

Die Qualität der vom RKI angefertigten Studien wird vom Frauennetzwerk jedoch anerkannt:

In der Regel folgt die Gesundheitsberichterstattung des RKIs den jeweiligen Standards der Wissenschaft, berücksichtigt sowohl den state of the art als auch Anregungen aus der Praxis und wissenschaftlichen Community. Die Studien sind im Allgemeinen für ihre Qualität bekannt und liefern verlässliche Daten für Politik und Praxis.

Aber auch im Bereich der physischen Gewalt unterliegt der Gewaltbegriff einem Wandel. Die FRA Studie fragt beispielsweise ob die Befragte geschubst oder gestoßen wurde. Im Kontext einer gewalttätigen Auseinandersetzung eine berechtigte Frage, jedoch ohne große Aussagekraft. Außerhalb eines Streits ist ein solcher Vorfall häufig aber ohne Belang.

Gerade der Kontext wird häufig völlig außen vor gelassen. Was war der Auslöser? Wurden einzelne physische Übergriffe durch psychische Gewalt provoziert?

Kann alleine rücksichtsloses Verhalten schon als Gewaltakt betrachtet werden? Ich fürchte auch hier werden die Grenzen eines objektiven Gewaltbegriffes auf immer mehr vergleichsweise harmlose Ereignisse ausgedehnt.

Befinden durch Gewaltopfererfahrung

Den Zahlen des RKI zufolge geben Männer vergleichsweise häufig an unter den erlittenen Erfahrungen zu leiden. Das Frauennetzwerk beklagt hier eine Unschärfe der Zahlen, da nicht nach schwere der Belastung unterschieden wird. Ins Feld wird geführt, dass schwere Folgeerscheinungen bei Frauen häufiger Diagnostiziert werden.

Außer Acht wird gelassen, dass zum Beispiel Depressionen bei Männern häufig nicht erkannt und daher auch nicht diagnostiziert werden. Männer begehen außerdem rund 3 mal häufiger Suizid als Frauen.

Erschwerend kommt hinzu, dass Männern in unserer Gesellschaft kaum Schutzräume geboten werden.

Ich bin ja als mehrfaches Opfer häuslicher Gewalt durch Frauen mehrfach der Wohung verwiesen worden.

p e l z blog

oder

Trotzdem schlägt sie mich, das ist aber nicht schlimm, denn ich bin ein Mann und gehöre zum herrschenden Patriarchat!

Frontberichterstatter

Notwehr gegen schlagende Frauen ist undenkbar. Oft wird selbst Anzeige von den zuständigen Beamten der Polizei erst aufgenommen wenn schwerwiegende Verletzungen zu erkennen sind. Von gering schätzenden Blicken ganz zu schweigen. Ein großer starker Mann der sich von einer Frau in die Mangel nehmen lässt. Ein Treppenwitz!

Die Natur hat uns Männer nicht nur größer und stärker, sondern auch widerstandsfähiger gemacht. Grundsätzlich ja keine schlechte Sache. Jedoch wird die forensische Beweisführung für tätliche Übergriffe zusätzlich erschwert. Psychische Gewalt ist nicht nur unsichtbar sondern stellt häufig kein Delikt dar. Und wenn doch steht es in Partnerbeziehungen strafrechtlich Aussage gegen Aussage.

Als Mann bleibt häufig nur die Wahl zwischen Notwehr und zum Täter werden oder ertragen und möglichst heimlich leiden.

Während es, nicht zuletzt angestoßen durch die Ergebnisse der feministischen Gewaltforschung, bereits eine hohe Aufmerksamkeit und vergleichsweise gut entwickelte Hilfestrukturen für gewaltbetroffene Frauen gibt, sind, trotz der Tatsache, dass Männer insgesamt häufiger Opfer von körperlicher Gewalt werden als Frauen, Gewaltopfererfahrungen von Männern im gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskurs wenig repräsentiert. […] Tatsächlich sollte jegliche Form von Gewaltausübung sozial klar zurückgewiesen und den Gewaltopfern – weiblichen und männlichen – effektive Unterstützung zuteil werden. Dabei sollte jedoch nicht übersehen werden, dass auch Täterinnen und Täter angemessener psychosozialer Hilfe bedürfen.

RKI – DEGS1

Durch die Marginalisierung männlicher Gewalterfahrungen liegt der Leidensdruck für Männer deutlich höher. Wo Frauen heute vielfältige Hilfe erhalten müssen Männer mit Spott und Hohn rechnen. Ja selbst die Gefahr vom Opfer zum Täter zu werden ist die Regel und nicht die Ausnahme.

FRA Studie zur Gewalt gegen Frauen – Oder »Victim Downplaying« mit Steuergeldern

Es geht um eine Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA).  Mein erster Gedanke war klar. Eine weiter Studie die ausschließlich Frauen als Opfer sieht. Nicht dann nicht nur einfach irgendeine Studie. Nein! Eine Studie die die weltweit größten Erhebung über Gewalt gegen Frauen vorstellt.

Weit häufiger als Frauen werden Männer zum Opfer von Gewalttaten (im öffentlichen Raum stellen sie rund 60 Prozent aller Opfer). Doch die meisten Maßnahmen der Vorbeugung, Beratung und Hilfe stehen in erster Line Frauen zur Verfügung. Wir fordern, die geschlechterspezifische Gewaltopferbetrachtung gleichberechtigt auf männliche Gewaltopfer auszudehnen.
MANNdat e.V.

Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2012/Seite 24: 59,9% männliche Opfer (Straftaten gesamt)
67,9% männliche Opfer (Mord und Totschlag)
6,8% männliche Opfer (Straftaten gg. die sex. Selbstbestimmung)
66,5% männliche Opfer (Raub, räuberische Erpressung)
63,5% männliche Opfer (Körperverletzung)
51,5% männliche Opfer (Straftaten gegen die persönliche Freiheit)

Gewalt gegen Männer wird durch solche Studien sowohl politisch als auch in den Medien unsichtbar gemacht. Noch deutlichere Worte findet Wolle in seinem Blogbeitrag: Tag der Opfer-Abo-Zementierung. Aber auch bei Genderama findet sich ein Leser mit einer erschreckenden Analyse.

Was steht in dem Bericht eigentlich drin?

Dass die Studie zugunsten großer Zahlen weibliche Opfer von Straftaten regelrecht verhöhnt wird klar sobald man sich die Untersuchung von Gewalt ansieht.

Fragenkatalog

Fragen zu Erfahrungen vor dem 15. Lebensjahr lasse ich unkommentiert, führe sie aber der Vollständigkeit halber auf.

Nick hat bei »Alles Evolution« den Fragenkatalog ausgegraben:

Sexuelle Belästigung
  • Unerwünschte Berührungen, Umarmungen oder Küsse?
  • Zweideutige/sexuell anzügliche Kommentare oder Witze, durch die Sie sich angegriffen beleidigt fühlten?
  • Unangemessene Einladungen zu einem Rendezvous?
  • Aufdringliche Fragen zu Ihrem Privatleben, durch die Sie sich angegriffen/beleidigt fühlten?
  • Aufdringliche Kommentare zu Ihrem Aussehen, durch die Sie sich angegriffen/beleidigt fühlten?
  • Unangemessenes Starren oder anzügliche Blicke, durch die Sie sich eingeschüchtert fühlten?
  • Jemand schickte oder zeigte Ihnen sexuell eindeutige Bilder, Fotos oder Geschenke, durch die Sie sich angegriffen/beleidigt fühlten?
  • Jemand hat sich unsittlich vor Ihnen entblößt?
  • Jemand hat Sie gegen Ihren Willen genötigt, pornografisches Material anzusehen?
  • Unerwünschte, sexuell eindeutige E-Mails oder SMS, die Sie angegriffen/beleidigt haben?
  • Unangemessene Annäherungsversuche auf den Internetseiten sozialer Netzwerke wie Facebook oder in Internet-Chatrooms, die Sie angegriffen/beleidigt haben?

Einige der Fragen richten sich ganz klar gegen sexuelle Belästigung. Aber die meisten lassen meiner Meinung nach bestenfalls auf eine schlechte Erziehung schließen oder einer Fehleinschätzung der Situation. Aber ob zum Beispiel Umarmungen schon sexuelle Belästigung darstellen? Bei Robin Urban – Rock am Ring IV: Liebe! klingt das doch eigentlich nach einer schönen Idee.

Also wenn Aussehen und Sympathie für den »Täters« eine Rolle spielen. Ja dann wurde ich in meinem Leben bereits mehrfach Opfer sexueller Belästigung. Und das schlimme dabei ist, dass es mir bis heute nicht bewusst war. Einfach nur weil ein anderer Mensch sich den Mut gefasst hat und ein ein- oder zweideutiges Angebot gemacht hat. Jeder Einzelne davon hat ein höfliches Nein ohne jede weitere Erklärung akzeptiert. Oft ging es primär nicht einmal um ein sexuelles Interesse.

Körperliche Gewalt
  • Sie geschubst oder gestoßen?
  • Sie mit der flachen Hand geschlagen?
  • mit einem harten Gegenstand nach Ihnen geworfen?
  • Sie gepackt oder an den Haaren gezogen?
  • Sie mit der Faust oder einem harten Gegenstand geschlagen oder Sie getreten?
  • Ihnen Verbrennungen zugefügt?
  • versucht, Sie zu ersticken oder zu strangulieren?
  • Sie mit einem Messer verletzt oder auf Sie eingestochen, oder auf Sie geschossen?
  • Ihren Kopf gegen etwas geschlagen?

Hier sind die Fragen deutlicher. Darüber darf man aber nicht vergessen, dass die Umfrage Erlebnisse seit dem 15. Geburtstag umfasst. Also eine Zeit in der Sticheleien und auch Raufereien keine Seltenheit sind. Fallen unter harte Objekte eigentlich auch Volley- oder Basketbälle? Dann sollte in Schulen über beliebte Spiele wie Völkerball dringen nachgedacht werden. Schubsen und Stoßen ist in Mannschaftssportarten wie Fußball oder Basketball auch keine Seltenheit.

Psychische Gewalt
  • Versucht hat, Sie davon abzuhalten, Freunde zu treffen?
  • Versucht hat, Ihren Kontakt mit Ihrer Familie oder Verwandten zu beschränken?
  • Darauf besteht, zu wissen, wo Sie sich aufhalten, und zwar so, dass dies über ein allgemeines Interesse hinausgeht?
  • Wütend wird, wenn Sie mit einem anderen Mann/einer anderen Frau sprechen? [Entsprechend dem Geschlecht des Partners]
  • Sie der Untreue verdächtigt?
  • Sie davon abhält, Entscheidungen zu finanziellen Belangen der Familie zu treffen und selbstständig einkaufen zu gehen?
  • Ihnen verbietet, außerhalb des Hauses/der Wohnung zu arbeiten?
  • Ihnen verbietet, das Haus zu verlassen, nimmt Ihnen die Autoschlüssel ab oder schließt Sie ein?
  • Sie vor anderen Leuten herabgesetzt oder gedemütigt hat?
  • Sie unter vier Augen herabgesetzt oder gedemütigt hat?
  • Dinge getan hat, um Sie absichtlich zu verängstigen oder einzuschüchtern, zum Beispiel durch Schreien oder Kaputtmachen von Gegenständen?
  • Sie gezwungen hat, gegen Ihren Willen pornografisches Material anzusehen?
  • Damit gedroht hat, Ihnen die Kinder wegzunehmen?
  • Damit gedroht hat, Ihre Kinder zu verletzen?
  • Ihre Kinder verletzt hat?
  • Damit gedroht hat, jemand anderen, der Ihnen wichtig ist, zu verletzen oder zu töten?
  • Damit gedroht, Sie körperlich zu verletzen?

Verdacht der Untreue? Ernsthaft? Ich sehe ja ein, dass krankhaft eifersüchtige Menschen eine Belastung darstellen. Aber sie sind eben genau das – krank. Aber ansonsten dürfte ein Verdacht eher begründet sein. Auch der erste Punkt ist für mich fragwürdig. Pauschal den Kontakt zu Freunden zu verbieten ist ganz klare psychische Gewalt. Nicht selten kommt es aber vor, dass ein wichtiger Mensch vor einzelnen schädlichen »Freunden« geschützt werden soll. Androhung von Kindesentzug? So ganz ohne Vorgeschichte für mich auch nicht eindeutig ein vorsätzlicher Gewaltakt. Herabgesetzt oder gedemütigt möchte niemand werden. Ich empfinde die Frage aber als recht beliebig, da bereits eine berechtigte Beschwerde über das verbrannte Essen so gewertet werden könnte.

Sexuelle Gewalt
  • Sie durch Festhalten oder durch Zufügen von Schmerzen zum Geschlechtsverkehr gezwungen.
  • Unabhängig von der vorherigen Antwort versucht, Sie durch Festhalten oder durch Zufügen von Schmerzen zum Geschlechtsverkehr zu zwingen?
  • Sie unabhängig davon gezwungen, an irgendeiner Form von sexueller Aktivität teilzunehmen, als Sie nicht wollten oder nicht in der Lage waren, dies abzulehnen.
  • Oder haben Sie sexuellen Handlungen zugestimmt, weil Sie Angst hatten vor dem, was geschehen könnte, wenn Sie sich weigern?

Die letzte Frage ist schon ein wenig wage. Befürchtete Konsequenzen können vielfältig sein. Die Beförderung/den Job nicht bekommen, den Job verlieren oder das Ende der Beziehung. Die Frage stellt klar auf befürchtete Konsequenzen ab und nicht auf angedrohte. Die angedrohten werden durch die vorherige Frage abgedeckt. Ob die Angst berechtigt war oder nicht spielt dabei keine Rolle.

Stalking
  • Ihnen E-Mails, Kurznachrichten (SMS) oder Sofortnachrichten geschickt, die beleidigend waren oder Drohungen enthielten?
  • Ihnen Briefe oder Karten geschickt, die beleidigend waren oder Drohungen enthielten?
  • Sie angerufen und Sie dabei beleidigt oder bedroht oder geschwiegen
  • Beleidigende Kommentare zu Ihrer Person im Internet veröffentlicht?
  • Intime Fotos oder Videos von Ihnen im Internet oder per Handy weiterverbreitet?
  • Vor ihrem Haus, Ihrer Arbeitsstätte oder Schule herumgelungert oder auf Sie gewartet, ohne berechtigten Grund?
  • Sie absichtlich verfolgt?
  • Ihr Eigentum absichtlich sabotiert oder zerstört?

Den Bereich Stalking kann ich so ohne Einwände akzeptieren.

Sexuelle Gewalt (Kinder)
  • seine/ihre Genitalien vor Ihnen entblößt
  • Sie genötigt, vor irgendeiner anderen Person oder für Foto- bzw. Videoaufnahmen oder eine Internet-Webcam nackt zu posieren
  • Ihren Intimbereich – Genitalien oder Brüste – berührt
  • Sie zum Geschlechtsverkehr mit ihm/ihr genötigt
Körperliche Gewalt (Kinder)
  • Sie mit der flachen Hand geschlagen oder an den Haaren gezogen, sodass es Ihnen wehgetan hat?
  • Sie sehr hart geschlagen, sodass es Ihnen wehgetan hat?
  • Sie sehr fest getreten, sodass es Ihnen wehgetan hat?
  • Sie mit einem Gegenstand wie einem Stock, Rohrstock oder Gürtel sehr hart geschlagen, sodass es Ihnen wehgetan hat?
  • mit etwas auf Sie eingestochen oder Sie mit einem Messer verletzt, sodass es Ihnen wehgetan hat?
Psychische Gewalt (Kinder)
  • Ihnen gesagt, dass Sie nicht geliebt werden?
  • Gesagt, dass sie wünschten, Sie wären nie geboren worden?
  • Damit gedroht, Sie zu verlassen oder Sie aus dem Haus der Familie zu werfen?
  • Irgendein Erwachsener: damit gedroht, Sie schwer zu verletzen oder Sie zu töten?
Die Fragen unterliegen dem Urheberrecht der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte, 2014
Nachdruck – ausgenommen zu kommerziellen Zwecken – mit Quellenangabe gestattet.

Auswertung

Konkrete Zahlen sind dem verlinkten PDF zu entnehmen.  Ich spare mir hier die detaillierte Wiederholung.

Weshalb hat die FRA eine Erhebung über Gewalt gegen Frauen durchgeführt?
Die FRA hat die Erhebung nach Aufforderungen durch die spanische EU-Ratspräsidentschaft im Jahr 2010 und das Europäische Parlament entwickelt, um vergleichbare Daten über geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen zu erfassen.

Das stimmt so leider nicht. Der Bericht ist durchgehend mit Binnen-I gegendert. Lässt also Rückschlüsse zu, dass sowohl männliche als auch weibliche Täter zusammengefasst werden. In der Zusammenfassung wird lediglich in einer kurzen Gegenüberstellung zu körperlicher und sexueller Gewalt wird zwischen männlichen und weiblichen Tätern unterschieden.

Körperliche Gewalt Sexuelle Gewalt
n 7.207 2.296
Männlich 67 97
Weiblich 26 2
Beide 7 0
Keine Angabe 1 0

Diese eine kleine Tabelle verrät uns, dass jede 4. Frau die Opfer von körperlicher Gewalt ist ein Opfer einer Frau ist. Die 97% männlicher Täter bei sexueller Gewalt sind ebenfalls beachtlich.

Zahlen zu anderen Punkten der Studie sind im Hauptbericht zu finden:

Geschlecht in Stalking-Fallen:

  • 63% Männlich
  • 7% Weiblich
  • 8% Beide
  • 22% Keine Angabe

Auch hier ist von zumindest in jedem 5. Fall von einem weiblichen Täter auszugehen.

Psychische Gewalt (Kindheit):

  • 48% Mutter
  • 41% Vater
  • 11% Männlicher Verwandter
  • 7% Stief- oder Pflegevater
  • 9% Weiblicher Verwandter
  • 3% Stief- oder Pflegemutter

Sexuelle Gewalt (Kinder)

  • 51% Unbekannte Männer
  • 25% Männlicher Bekannter, Nachbar
  • 17% Männlicher Verwandter
  • 4% Männlicher Freund
  • 4% Vater
  • 4% Stief- oder Pflegevater
  • 4% Männlicher Lehrer, Arzt, Geistlicher
  • 2% Andere Frauen
  • 1% Weiblicher Verwandter

Mutter, Stief- oder Pflegemutter, Weiblicher Lehrer, Arzt, Geistlicher vorhanden aber geringfügig.

Körperliche Gewalt (Kinder)

  • 55% Vater
  • 46% Mutter
  • 10% Männlicher Verwandter
  • 6% Weiblicher Verwandter
  • 6% Männlicher Lehrer, Arzt, Geistlicher
  • 5% Weiblicher Lehrer, Arzt, Geistlicher
  • 4% Stief- oder Pflegevater
  • 4% Andere Frauen
  • 2% Männlicher Freund
  • 2% Männlicher Bekannter, Nachbar
  • 1% Stief- oder Pflegemutter
  • 1% Unbekannte Männer

Bei Kindern scheint, bis auf sexuelle Gewalt, ein relativ ausgeglichenes Verhältnis zwischen den Geschlechtern zu herrschen.

Zahlen zu psychischer Gewalt konnte ich leider auch im Hauptbericht nicht finden. Sollte jemand erfolgreicher sein werde ich entsprechende Zahlen gerne nachtragen.

Das überwiegend Männer die Täter sind ist nicht verwunderlich und war zu erwarten. Die Zusammenfassung für die Presse hingegen ist reißerisch, da lediglich auf einen Punkt gesondert eingegangen wird.  Der der Männer zu 97% als Täter identifiziert. Das die Zahlen zu psychischer und körperlicher Gewalt bei Kindern recht ausgeglichen sind wird lediglich in einem kleinen Absatz erwähnt. Der Überhang bei psychischer Gewalt wird verschwiegen. Zusätzlich wird das Bild dadurch verzerrt, dass keine Gewalterfahrungen von Männern beziehungsweise Jungen gegenüber gestellt werden. Der kurze Bericht geht vereinzelt auf die deutlich unterschiedlichen Zahlen bei relativ harmloser Gewalterfahrung ein.

Was hat das jetzt mit »Victim Downplaying« zu tun?

Die prominenten Zahlen der Zusammenfassung im ersten Teil stellen immer die Ergebnisse des gesamten Fragenkatalogs dar. Dadurch ergeben sich teilweise Zahlen die circa 50% über den Zahlen der deutlichen Fragen liegen. Dadurch werden Frauen die ernst zu nehmende Gewalt erfahren haben mit Gewalterfahrungen durch Schubsen, dümmliche Witze oder gar unerwünschte Umarmungen verglichen.

In diesem Zusammenhang muss ich auch noch einmal auf Männer als Opfer von Gewalt zurück kommen. Durch das  Versäumnis die Gewalterfahrungen unabhängig vom Geschlecht zu ermitteln wird man in Zukunft noch öfter Solches lesen dürfen:

Die Pilotstudie „Gewalt gegen Männer“ (Forschungsverbund„Gewalt gegen Männer“, 2004) hat zwar erste Erkenntnisse zur Betroffenheit von Männern in Bezug auf ihre Gewalterfahrungen im gesamten Lebensverlauf erbracht, ist jedoch nicht repräsentativ, und somit nicht verallgemeinerungsfähig.
MANNdat/Stellungnahme des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit

Hier geht es »nur« um häusliche Gewalt. Männer haben keine Schutzräume. Man muss sogar in Frage stellen ob es für Männer nicht schädlich ist Schwäche zu zeigen – den Männer weinen nicht.

Zum Stichwort Männernotruf oder »Notruftelefon Männer« finden sich überwiegend alte und vermutlich unbrauchbare Seiten. Männerhäuser sucht man fast vergeblich. Auch wenn es in Ketzin/Brandenburg, Berlin und Oldenburg wohl zwei/drei gibt.

Dabei geht es mir zwar auch darum zu sagen: »Auch Frauen sind Täter.« Die überwiegende Anzahl an Gewalttätern stellen aber Männer. Aber gerade Männer werden auch überwiegend zu Opfern dieser Männer und Frauen. Bei der häuslichen Gewalt hält sich, wie auch diese Studie belegt, die Gewalt zwischen den Geschlechtern in der Waage.

Gewalt ist grundsätzlich und in jeder Form abzulehnen. Lasst uns aufhören vom Opfer- und Tätergeschlecht zu sprechen. Jedes Opfer ist ein Opfer zu viel.

Update:
Bei man tau gibt es noch einen sehr lesenswerten Beitrag: Von Monstern und Papageien

Wieder und wieder wird eine Frau gezeigt, die klein im Bild zu sehen ist, sich in eine Ecke oder auf einen Sessel kauert und sich zu schützen versucht – und vor ihr riesenhaft im Bild die Hand eines Mannes, bedrohlich zur Faust geballt, vielleicht auch erhoben.

Dabei wird geflissentlich unterschlagen, dass jede 4. Frau das Opfer einer gewalttätigen Frau wurde.