Feministische Blogstöckchen

Der Frontberichterstatter warf vor einigen Tagen ein Blogstöckchen zu Arne, Chris und Man-Tau. Gestern hat Elmar das Stöckchen aufgehoben und auch zu mir weiter geworfen.

Ich hatte mir direkt überlegt ob ich es aufheben möchte und mich dagegen entschieden. Ich hatte ehrlich gesagt schlicht kein Interesse daran mich zu Fragen zu äußern die mich nur am Rande beschäftigen. Da das Stöckchen aber nun doch bei mir gelandet ist will ich auch kein Spielverderber sein.

Welche große Errungenschaft der letzten Welle des Feminismus empfindest Du als wichtig? Welche als überzogen?

Letzte Welle? Wenn ich darunter die als 3. Welle der Frauenbewegung bezeichneten Entwicklungen verstehen soll… Ich sehe keine Wichtigen, geschweige Nützlichen. Es gab in der Zeit durchaus einige gesellschaftliche Verbesserungen. Aber ich sehe bei keiner den Feminismus als ausschlaggebende Kraft.

So richtig überzogen empfinde ich die politische Verankerung von Gender-Mainstream und die kommende Frauenquote.

Welche feministische Forderung (z. B. einer politischen Partei) der letzten 10 Jahre hättest Du auch noch aus heutiger Sicht voll und ganz unterstützen können?

Gab es da was? Unterstützenswerte Forderungen fallen für mich eher unter Menschenrechte oder Humanismus. Das ist auch der Grund warum ich mich selbst nicht als Anhänger des Maskulismus betrachte.

Welche aktuellen feministischen Forderungen findest Du richtig?

Um die Pille Danach wird derzeit viel Wirbel auf feministischen Blogs gemacht. Ich sehe die Rezeptpflicht durchaus als ein Frauenproblem. Wenn ich mir aber überlege, dass es nach meiner Kenntnis nur in zwei benachbarten Ländern (Polen, Italien) noch eine Rezeptpflicht gibt sehe ich eher ein Religionsproblem. Gesetze die eine besondere Rücksicht auf Religionsgemeinschaften nehmen lehne ich grundsätzlich ab.

Für mich also eine richtige Forderung unter falscher Flagge.

Gibt es etwas das der Feminismus Deiner Meinung nach noch für Frauen fordern sollte/könnte und was natürlich für Dich gerechtfertigt ist?

Als faire Forderung? Mir fällt beim besten Willen nichts ein.

Mit welcher bekannten Feministin glaubst Du, könntest Du ein Bier trinken gehen und Dich mit ihr zivilisiert über Männerpolitik zu unterhalten?

An mir soll’s nicht liegen. Egal ob Männer- oder Frauenpolitik. Mich interessieren in erster Linie Inhalte. Da ich Feminismus aber für eine totalitäre Ideologie halte bezweifle ich, dass es auch nur eine echte Anhängerin gibt mit der das möglich sein sollte.

Mit welcher Feministin könntest Du das garantiert nicht?

Sag niemals nie. Ich bin mir sicher, dass ich mit jeder Feministin ein Gespräch bei einem Bier führen könnte. Ich befürchte nur, dass es Zeitverschwendung wäre.

Ein Beispiel reicht, gerne aber auch mehr.Gibt es feministische Gruppe die Du, evtl. auch nur in Teilen, unterstützen könntest?

In Deutschland? Nein. Im Ausland kann das aber durchaus anders aussehen da dort noch um Menschenrechte gekämpft wird.

Was ist Deiner Meinung nach der größte Fehler des Feminismus gewesen?

Der Feminismus ist für mich eben eine Ideologie und für manche schon eine Religion. Der Fehler ist der Feminismus selbst.

Welche Änderungen im Feminismus würdest Du vornehmen, damit er für Dich „akzeptabler“ erscheint?

Broken by Design.


Ich finde die Fragen alle schwierig weil sie voraussetzen, dass ich im Feminismus als Ideologie etwas Gutes finden kann. Ein weiteres Problem ist, dass Feminismus per se mit Frauenrechten gleichgesetzt wird.

Genau diesen Punkt sehe ich aber anders. Ich kann mich sowohl für Frauenrechte als auch für Männerrechte einsetzen ohne mich als Feminist, Maskulist, rechts, links, schwarz oder lila zu bezeichnen. Ich wünsche mir ein faires Miteinander ohne ideologische Brille.

Ich kann einfach nichts mit schwurbeligen Begründungen wie strukturelle Diskriminierung oder Patriarchat anfangen. Für Frauen wurden in den letzten Jahren immer wieder Erleichterungen durchgesetzt. Erleichterungen die objektiv nur wenigen Frauen etwas gebracht haben. Die Balance kippt in immer mehr Bereichen und so schadet meiner Meinung nach der Feminismus den meisten Frauen mehr als er ihnen nutzt.

Wer politisch an einzelnen Stellschrauben dreht verändert auch nur einzelne Kleinigkeiten. Das gesamte System kann sich unter ungleichen Last aber nur verbiegen und schlimmstenfalls auseinander brechen. Mehr Rechte bedingen meiner Meinung nach immer auch mehr Pflichten oder zumindest mehr Verantwortung.

Zuletzt möchte ich das Stöckchen dediziert zu Kai zurück werfen. Leider hat er es verpasst die Fragen direkt selbst zu beantworten. Ich wünsche seinem Sohn aber gute Besserung und hoffe, dass er bald den Kopf dafür frei hat.

UPDATE: Kai hat sein Blogstöckchen selbst aufgehoben.

dieStandard – Symptome des Todeskampfes?

Erst vorgestern gab es bei Genderama den Hinweis, dass dieStandard vor dem Aus steht. Ein bisschen unterschwellige Häme inbegriffen. Den Verlust eines feministischen Kampfblattes, dass selbst unter den Leserinnen Proteste provoziert, scheint verschmerzbar zu sein.

Da stolpere ich gestern über einen Artikel mit dem Titel: Genderunterschiede in der medizinischen Praxis unterschätzt

Gender und Medizin? Da kann doch nur die Forderung nach weiteren wichtigen Sonderbehandlungen für Frauen dahinter stecken. Weit gefehlt!

Frauen haben in der Nephrologie, Urologie oder Kardiologie oft schlechtere Behandlungsergebnisse als Männer und werden teilweise falsch oder nicht Leitlinien konform behandelt, bei Männern Osteoporose oder Depressionen häufig nicht erkannt.

Ja! Da werden tatsächlich auch Probleme der Männer angesprochen. Gerade die häufig unterschätzte Depression.

Wie vulnerable Lebensphasen Männer und Frauen auf verschiedene Weise prägen, zeige die Tatsache, dass die Lebenserwartung der Frauen in Österreich zwar um fünf Jahre höher ist als jene von Männern, Frauen aber anteilsmäßig weniger gesunde Lebensjahre verbringen als Männer.

Hey! Es ist immer noch dieStandard.

Frauen und Männer haben unterschiedliche Stärken und Schwachpunkte. Daher spielt Gender Medicine nicht nur in der Urologie und Gynäkologie, sondern für viele andere Disziplinen und vor allem für die Allgemeinmediziner eine wichtige Rolle.

Das klingt im Zusammenhang mit Gender doch recht vernünftig.

Wenn ich insgesamt von der Tatsache absehe, dass es sich hier offensichtlich nicht um das soziale Geschlecht sondern um das biologische (sex) handelt bin ich angenehm überrascht. Vielleicht ja wirklich eine Folge der Kürzungen?

Ich habe ja auch irgendwie die romantische Vorstellung, dass selbst feministische Betonköpfe irgendwann die Zeichen der Zeit begreifen. Brachiale Medien-Gewalt führt nicht zwingend zum erwünschten Ziel.

Das F-Wort – Nachtrag zum heutigen Blogpost

Genderama verlinkt auf einen Artikel auf mokant.at der thematisch zu meinem Blogpost von heute passt.

Ich weiß ja nicht wie das in Österreich ist. Hier in meiner Region verstehe ich als das F-Wort nicht Feminismus sondern schlicht fuck. Alleine die Umschreibung erinnert mich ein wenig an spießige Filme aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Also aus meiner Sicht erweisen sich die Damen damit einen Bärendienst.

Rebecca Steinbichler schlägt mit ihrem Artikel in die gleiche Kerbe wie Frau Sybille Hamann. Das böse Patriarchat wehrt sich mit allen Mitteln gegen die Heilslehre des Feminismus.

Auch die Schauspielerin Susan Sarandon möchte sich vom Feminismus abgrenzen, da viele Menschen dabei „an eine Horde kreischender Tussis“ denken würden, „nur weil du gleiche Bezahlung, Rechte, Bildung und Krankenfürsorge forderst.“

Ja schon irgendwie zurecht möchte man meinen. Der Gender Pay Gap ist eine Zahl die sich bei genauem hinsehen bis auf die Fehlertoleranz bereinigen lässt. Frauen besitzen, zumindest in Deutschland, längst alle Rechte der Männer. Umgekehrt sieht es mit der Gleichberechtigung deutlich schlechter aus. Jungs sind nachweislich die Bildungsverlierer und die Krankenfürsorge für Frauen ist deutlich weiter als die für Männer. Ja man fragt sich: Was wollen die eigentlich noch?

Die Bewegung steht für Gleichstellung, hinterfragt vieles kritisch und hat bereits wichtige Errungenschaften wie das Wahlrecht für Frauen erkämpft. Ich kenne niemanden, der sich bewusst gegen diese Ideale stellen würde.

Gleichstellung ist nicht Gleichberechtigung und daher als unsozial abzulehnen. Und ich hege ernsthafte Zweifel ob das Wahlrecht für Frauen tatsächlich eine Errungenschaft der Frauenbewegung ist oder einfach nur eine konsequente Entwicklung der damaligen Gesellschaft. Einen Einfluss möchte ich allerdings durchaus anerkennen.

Es ist ungemein wichtig, dass auch Männer die Stimme ergreifen, da sie am längeren Ast sitzen und deshalb mehr Einfluss haben. In Österreich habe ich das in dieser Form noch nicht erlebt.

Für die eigene Entrechtung kämpfen? Finde ich nicht so überzeugend und attraktiv.

Darin kritisiert die Bloggerin Anita Sarkeesian die Darstellung feministischer Charaktere in Film, Fernsehen und Popkultur. Diese seien meist „gezielt übertriebene feministische Karikaturen“ mit groben Vereinfachungen, Falschdarstellungen und Stereotypen.

Ich kritisiere die gezielt übertriebene Darstellung von Männern als Gewalttäter und Wurzel allen Übels. Im Gegensatz zu den karikierten Feministinnen wird das von der breiten Bevölkerung aber für bare Münze genommen.

Nicht nur Männer, sondern auch viele Frauen hätten ein solches Bild von Feministinnen, wodurch auch ein Keil zwischen Frauen getrieben werde: „Wir kämpfen nicht mehr füreinander und werden argwöhnisch: Haben wir jetzt eine Emanze vor uns oder eine ‚normale’ Frau?“

Dass sich diese Frage überhaupt stellt, beweist für Harrer die Wirksamkeit des Strohfeminismus. Auf eine Art, meint sie, könne man das sogar mit der mittelalterlichen Hexenverfolgung vergleichen

Systematische Hetzjagden auf Feministinnen mit anschließender Reinigung auf dem Scheiterhaufen. Der Vergleich mit Juden wäre vermutlich zu auffällig gewesen? Ich verstehe langsam warum Opfer-Abo das Unwort des Jahres 2012 war.

Für die Kulturwissenschaftlerin ist Straw Feminismus also ein Mythos, der dazu dient, die Bezeichnung Feminismus negativ aufzuladen: „Die Grundlage dafür ist, dass von einer Welt ausgegangen wird, in der alle bereits gleichberechtigt sind.“ Dies sei in der westlichen Gesellschaft zwar auf der rechtlichen Ebene bereits der Fall, jedoch nicht auf der sozialen.

Tja äh – nein! Auf rechtlicher Ebene sind Männer nicht gleichberechtigt und sozial schon gleich zwei mal nicht. Alleine dadurch entbehrt die feministische Selbstsicht für Gerechtigkeit zu kämpfen jeglicher Glaubwürdigkeit.

In ihrem Video spricht auch Anita Sarkeesian davon, dass sie junge Frauen oft sagen höre: ‚Ich glaube an Gleichberechtigung, bin aber keine Feministin!’

Ich möchte an dieser Stelle diesen Frauen danken. Ihr stärkt meinen Glauben an eine gleichberechtigte Zukunft. Ein faires Miteinander ist auch ohne totalitäre Ideologie möglich. Ich möchte euch sogar ermutigen zu sagen: »Ich glaube an Gleichberechtigung, und bin deshalb keine Feministin!«

Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass Feminismus kein Label ist, das nur Frauen beschreibt, sondern vielmehr das gelebte Bewusstsein von Gleichgerechtigkeit. Jeder Mensch kann sich damit identifizieren – egal ob männlich oder weiblich.

Ok – es ist für euch wichtig. Ich verstehe es aber nicht! Eine Ideologie die rücksichtslos gegenüber Jungen und Männer agiert während sie Privilegien für Frauen fordert hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun. Aber vielleicht erbarmt sich ja doch mal eine Feministin, entgegen der eigenen Doktrin, und erklärt mir warum ich mir das Label Feminismus anheften soll und vor allem was daran erstrebenswert ist.

Ich frage mich gerade ernsthaft ob wir es mit einem anti-feminismuskritischen Backlash zu tun haben. Der Kampfbegriff Feminismus verliert zunehmend an Glanz und immer mehr Menschen stören sich an den Widersprüchen zwischen Anspruch und Realität. Getreu feministischen Denkens liegt die Schuld natürlich nicht im Feminismus selbst begründet sonder kann nur durch übermächtige und unterdrückende Kräfte hervorgerufen worden sein. In dem Zusammenhang habe ich eher das Gefühl es mit kleinen Kindern statt mit starken und selbstbewussten Frauen zu tun zu haben.

Feministisch im Sinne der Anklage

Bereits Anfang März titelte Sybille Hamann in Die Presse: Sie reden wie eine, Sie leben wie eine? Dann sind Sie eine!

Und selbstverständlich handelt es sich um eine Liebeserklärung an den Feminismus und bläst zur Jagd auf das Patriarchat.

Freilich handelt es sich dabei um eine österreichische Tageszeitung. Auch wenn in Österreich sicher viele Dinge gleich oder zumindest ähnlich wie in Deutschland laufen sind die Rahmenbedingungen im Detail unterschiedlich. Die Positionen von Männern und Frauen dürften aber im Großen und Ganzen die gleichen sein.

Der Kommentar hat meiner Meinung nach aber Pfeffer. Und ich glaube genau aus diesem Grund ist er mir lange nicht aus dem Kopf gegangen.

Kommentiert

Es gibt viele dieser Frauen. Sie kennen sicher eine. Vielleicht sind Sie sogar selbst eine. Sie sagen: „Also Feministin bin ich keine, aber…“. Was nach „aber“ kommt, ist meist recht vernünftig.

Hin und wieder werden an dieser Stelle sicher vernünftige Aussagen zu finden sein. Meistens aber handelt es sich, um den Erwartungen gerecht zu werden, um feministische Positionen. Aussagen nach dem Schema deuten fast immer darauf hin, dass eine eindeutige Position relativiert werden soll.

Das ist, bei genauerer Betrachtung, eine paradoxe Unterscheidung. Denn was ist Feminismus anderes als genau dieses: Gleichberechtigung zu wollen. Sich aus Geschlechterklischees zu lösen. […]

Wenn man dieser romantischen Vorstellung vom Feminismus zustimmt handelt es sich tatsächlich um ein Paradoxon. »Ich bin kein Menschenrechtler, aber Menschenrechte find ich gut!«

Seit Jahrzehnten schon arbeiten jene, die sich von emanzipierten Frauen bedroht fühlen, eifrig daran, das F-Wort zu beschmutzen. […] Und was hat man Feministinnen nicht alles angedichtet, um sie in der öffentlichen Wahrnehmung zu Schreckschrauben zu machen?

Ähm… Opfer-Abo? Aus menschlicher Sicht kann ich den Frust gut verstehen. Da ich ja entgegen dem Mainstream für Männerrechte argumentiere bin ich natürlich ein Maskutroll und gehöre mindestens der rechten Szene an. Und natürlich bin ich einer von den Ewiggestrigen.

Diese Taktik geht so: Bleibst du dem F-Wort fern, wirst du belohnt – denn du hast „so etwas“ ja nicht notwendig. Streifst du hingegen an, wirst du bestraft. Dann lieben wir dich nicht mehr.

Wer sich feministische »Hoheitsabzeichen« auf die Jacke näht muss damit rechnen dem Feminismus zugerechnet zu werden. Ich habe auch so meine Zweifel von überzeugten Feministinnen geliebt zu werden.

Hieran kann man trefflich ablesen, wie Machterhalt funktioniert. Wie kreativ und perfide Männer sein können, wenn es darum geht, Bastionen zu verteidigen.

Ich mach mir die Sache jetzt einfach. »Hieran kann man trefflich ablesen, wie Machterhalt funktioniert. Wie kreativ und perfide Frauen sein können, wenn es darum geht, Bastionen zu verteidigen.« Ganz schön flach – ich weiß. Ich werde bei der nächsten Patriarchats-Versammlung eine neue Strategie vorschlagen.

Anders ist das beim zweiten Problem. Das ist ein semantisches. Wörtlich genommen, führt der Feminismus nämlich nur das Femininum im Namen und transportiert damit eine Botschaft: Das Thema hat ausschließlich mit Frauen zu tun.

Das empfinde ich jetzt nicht so sehr als ein Problem. Wir alle haben nur begrenzt Zeit, Energie und Ressourcen. Ich kann es daher keiner Frau übel nehmen wenn sie sich für die Belange von Frauen einsetzt. Ich bin der Überzeugung, dass wir Menschen alle überwiegend opportunistisch denken und handeln. Das fördert auch die Meinungsvielfalt und hält eine demokratische Gesellschaft am Leben.

Die Emanzipation aus den Geschlechterrollen und die Neuverteilung von Aufgaben wird nicht gelingen, indem eines der beiden Geschlechter sich verändert und das andere bloß dabei zuschaut. Gleichberechtigung ist kein Zuschauersport.

Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. Die entscheidende Frage ist dabei aber welches Geschlecht sich tatsächlich verändert und welches nur Zuschauer spielt. Der Tenor lautet doch vielerorts: Männer müssen sich verändern und Frauen sind einfach die besseren Menschen.

So gesehen wäre es vielleicht tatsächlich an der Zeit, für Feminismus ein neues Wort zu suchen. Eines, in dem sich beide Geschlechter wiederfinden. Bei dem Männer und Frauen sich gleichermaßen angesprochen fühlen.

Wir geben dem Kind einen anderen Namen und alles wird gut? So funktioniert das mit Ideologien leider nicht. Es gibt wohl einige Strömungen die durchaus kooperativ erscheinen und versuchen sich mit Zusätzen abzugrenzen. Aber sie wissen ja: Sie reden wie eine, Sie leben wie eine? Dann sind Sie eine!

Der Titel polarisiert einfach. Unentschlossene und Abweichler werden zur Räson gerufen um sich dem Kampf offen anzuschließen.

Konsequenzen

Wo nur Feminismus drauf steht ist auch nur Feminismus drin. Es spielt, realistisch betrachtet, keine Rolle ob der Inhalt noch genießbar oder bereits ungenießbar ist. Was nicht schmeckt wird nicht gekauft.

Ich sehe in, als feministisch deklarierten, Positionen für gewöhnlich kein Ansätze von Gleichberechtigung. Da geht es in aller Regel ausschließlich um sogenannte positive Diskriminierung oder Affirmative action. Diskriminierung bleibt trotz des euphemistischen Zusatzes positiv eben doch nur Diskriminierung.

Eine Ideologie die rücksichtslos die eigenen Forderungen vorantreibt und gute Werte wie Gerechtigkeit missbraucht um sich selbst als Leuchtfeuer und Heilbringer zu stilisieren ist nicht nur auf einem Auge blind. Forderungen, die weit von Wahlfreiheit entfernt, nur die eigenen Ideen und Ansichten für erstrebenswert halten sind nur eines – totalitär. Wie sonst könnte das Weltbild der besseren Menschen – Frauen – in Abgrenzung zu den an allem Übel schuldigen Männern ins Bild passen?

Ich habe kürzlich die Vermutung geäußert, dass sich Frauen vom Feminismus distanzieren weil sie, wenn auch unbewusst, die dahinter stehende Ideologie ablehnen. Ich halte Frauen für fähig fremde Meinungen zu reflektieren und ihre eigene Position zu beziehen. Entgegnet wurde mir darauf, dass Frauen vielleicht einfach nur spüren würden, dass Männer keine Feministinnen mögen. Also lieber nicht so deutlich positionieren um den Mann fürs Leben nicht zu vergraulen? Vermutlich ging es nicht um den Mann fürs Leben sondern einfach nur Männer als Adressat der eigenen Meinung. Das funktioniert natürlich nur wenn das Gesagte nicht trotzdem streng feministisch ist.

Ich bin davon überzeugt, dass Frauen und Männer an einen Tisch kommen müssen um Interessen abzuwägen und zu kooperativen Entscheidungen zu gelangen. Aber ich bezweifle, dass rein feministische oder auch revisionistische Positionen geeignet sind um zu einem Miteinander zu finden.

Ich selbst sehe mich nicht als Maskulist. Auch wenn ich, aus meiner Person selbst begründet, die Welt mit männlichen Augen sehe. Folglich setze ich mich für Männer- und Väterrechte ein. Ein persönliches Anliegen ist mir aber auch die Sicht auf Frauen und entsprechend Mütter. Jede Veränderung wird zwangsläufig einer Gruppe mehr nutzen und Andere einschränken. Gerade der Aspekt des Abwägens wird leider viel zu oft ignoriert. Für tragfähige Lösungen brauchen wir Antworten und insbesondere auf die Frage der eingeschränkten Gruppen: »Was habe ich davon?«

Mir persönlich ist es auch völlig gleichgültig wer etwas sagt. Wichtig ist meiner Ansicht nach was gesagt wird. Und in gleichem Maße müssen wir alle Verantwortung für unser Tun und Handeln übernehmen. Wer glaubt, Männer würden langfristig die Verantwortung für jede weibliche Befindlichkeit übernehmen – der irrt. Den von starken selbstbewussten Frauen erwarte ich schlicht und ergreifend, dass sie das selbst übernehmen. Und wahrlich starke und selbstbewusste Frauen werden auch ohne mit der Wimper zu zucken sagen: »Was den sonst?«

So gilt es Rahmenbedingungen zu finden die kooperatives Verhalten belohnen und dadurch selbst für fairen und gerechten Ausgleich der Interessen sorgen. Ich persönlich möchte nicht einfach bewährte Rollenstereotypen gegen neue und offensichtlich untaugliche eintauschen. Ich will Raum für die traditionelle Familie aber auch die Freiheit ein gänzlich anderes Lebensmodell zu wählen. Aber dieser Traum wird sich nicht mit feministischen Unterstützungsgesuchen umsetzen lassen. Dazu braucht es tatsächlich starke Frauen die selbstverantwortlich im Leben stehen ohne auf Quoten und Alimentierung angewiesen zu sein.

Selbstständige Mütter nach der Scheidung

Vor einigen Tagen hatte Arne ein tolles Fundstück bei der Zeit: Was will der Kerl?

Was auf den ersten Blick tragisch komisch wie die verzweifelte Suche nach Antworten aussieht lässt einem auf den zweiten Blick das Lachen im Halse stecken.

So einfach ist das: Feministinnen kennen die Frauen sehr wohl, warten aber auf Antworten der Männer.

Elisabeth Raether

Man kommt sich vor wie der sprichwörtliche Rufer in der Wüste.

Facepalm

CC BY-NC 2.0 by Alex E. Proimos

Die Liebe bestimmt heute unsere Beziehungen, unseren Alltag. Wir leben in den allermeisten Fällen mit den Menschen zusammen, die wir lieben. […] Wie soll der Feminismus also zerstört haben, was blüht wie nie?

Wider dem Feminismus. Nicht hinter jedem Mann verbirgt sich ein Triebtäter oder rücksichtslos prügelnder Patriarch. Was in den vergangenen 100 Jahren konnte die Gesellschaft so spalten wie das Vorantreiben einseitiger Gesetze? Ja natürlich wurden auch solche Gesetze abgeschafft. Wir haben längst ein allgemeines politisches Wahlrecht. Auch darf kein Ehemann mehr Einspruch einlegen wenn seine Frau arbeiten will. Und längst gibt es ein Wahlrecht zu Frauenbeauftragten Gleichstellungsbeauftragen nur für Frauen. Außer dem Namen änderte sich ja nix. Von Frauenquote und Ergänzenden Leistungen nach SGB IX Abs. 1 haben sie bestimmt noch nichts gehört. Und die Wehrpflicht… Lassen wir das.

Vor ein paar Jahrzehnten waren Kinder noch familiäre wie gesellschaftliche Randfiguren, galten vielen als Quälgeister, die am Katzentisch essen mussten.

Heute dürfen sie am Tisch mit den Großen sitzen. Schicke Accessoires zum Preis eines Einfamilienhauses.  Welch Errungenschaft, Erziehung in Reproduktionsarbeit umzutaufen. Natürlich die am schlechtesten bezahlte Arbeit der Welt. Müttern will ja keiner einen gerechten Lohn zahlen. Von der Waffe Sorgerecht oder vielmehr Umgangsrecht will ich an dieser Stelle gar nicht erst anfangen. Wenn heute von Kinder gesprochen wird ist eigentlich Geld gemeint. Schöne neue Kinderwelt.

Der Feminismus von heute mag Sex und Männer und schlägt nicht die Schlachten der 1970er Jahre. Er prangert an, was sich in bald 50 Jahren nicht verändert hat: etwa die ökonomische Benachteiligung der Frauen.

Deswegen brauchen wir auch noch mehr Gender-Mainstream. Frauenquote und Rückkehrrecht auf Vollzeit. Ich zitiere Dagmar Deckstein aus der EMMA:

Frauen verdienen vor allem deshalb schlechter, weil ihre Berufsbiografien anders verlaufen. Weil sie geringer bezahlte Berufe wählen und seltener Karriere machen. Weil sie oft lange Kinderpausen machen, und danach lieber – oder auch nur aus Not, weil keine Kita-Plätze vorhanden sind – in Teilzeitjobs arbeiten.

Ja, Das ist unfair. Eine Lösung auf Kosten der Männer wird die Zerwürfnisse nur voran treiben. Auch Männer werden ökonomisch benachteiligt. Die Zahl der unter dem Selbstbehalt lebenden Männer steigt dramatisch. Natürlich nur weil die Männer zu faul sind sich einen zweiten Job zu suchen. Mitnichten werden Frauen einfach so zur Selbständigkeit gezwungen. Oft wird der Betreuungs- oder Ehegattenunterhalt bis auf weiteres fristlos festgelegt.

Stattdessen zahlt der Staat ihnen Betreuungsgeld und raubt ihnen mit dem Ehegattensplitting den Lohn.

Stattdessen soll Sie also den maximal möglichen Lohn aus ihrer Teilzeitstelle beziehen während er dadurch größere Einbußen hinnehmen muss als sie hinzu gewinnt? Ich wäre nicht begeistert wenn das Familieneinkommen insgesamt sinken würde.

Was ist eigentlich mit den Männern und ihrem Mut zu Familie und Verbindlichkeit? Diese Frage taucht in Mariam Laus Text gar nicht auf.

Die gibt es. Heldenhafte Mannen die sich mutig ins Abenteuer »bis dass der Tod euch scheidet« stürzen. Dazu ist noch nicht einmal ein Trauschein notwendig. Über 90-95% alleinerziehende Mütter  und Scharren von Männern die um ihr Umgangsrecht kämpfen müssen. Verbindlich ist nur der erwartete Betrag der Unterhaltszahlung.

Aber eine gründliche Befragung zur Kinderlosigkeit von Männern gibt es vor allem deshalb nicht, weil der kinderlose Mann im Gegensatz zur kinderlosen Frau keine Sozialfigur ist, an der andere sich pausenlos abarbeiten dürfen.

Bis vor kurzem durften Männer ihren Dienst an der Gesellschaft mit Wehr- und Zivildienst ableisten. Frauen wurden ja wegen ihres Dienstes in Form von Kindern und Erziehung freigestellt. Man könnte also von Fahnenflüchtigen sprechen. Obwohl das Abenteuer Eltern längst nicht so lebensgefährlich ist wie der Dienst an der Waffe.

Beharrlich verweigern Männer sich immer noch dem Gespräch über ihre eigene Rolle.

Tun sie nicht. Außerdem dachte ich Rollen sind Stereotypen und sowieso nur konstruiert? Aber warum suchen sie nicht einfach mal. Nein nicht die Männer die sowieso nur das nach quäken was ihnen von den starken und selbstbewussten Frauen souffliert wird.  Nur keine Schau. Die ganz normalen Männer auf der Straße beißen wirklich nicht. Und wenn die zu langweilig sind finden sich sicher auch andere kontrovers diskutierte Exemplare vom Typus Mann.

Die letzten Jahrzehnte aber hat die Frau sich die Finger wund geschrieben darüber, was sie will und was sie nicht will: kein Frauenthema, zu dem es noch kein Buch gibt. Es wäre also an der Zeit, die Gegenfrage zu stellen: Was will denn der Mann?

Das Gleiche wie Frauen. Gleiche Rechte und vor allem gleichberechtigte Teilhabe.

Am 29. Mai ist der sogenannte Herrentag. Ein schöner Anlass, statt Bier zu trinken und den Bollerwagen durch die Gegend zu ziehen, ein paar Antworten zu geben.

Gerne. Mann kann nur hoffen auch gehört zu werden.

equal pay day ,- 2014

equal pay day ,-.

BPW Germany e.V.

Die Legende der um 22% schlechter bezahlten Frauen erfreut sich nachhaltiger Beliebtheit. Auch wenn die Erkenntnis langsam durchsickert – hindert das unsere Medien nicht daran tendenziös zu titeln.

Die statistische Auswertung zum Gender Pay Gap wird regelmäßig auf destatis.de anlässlich des epd.- veröffentlicht:

Pressemitteilung equal pay day
21.03.2012 23.03.2012
19.03.2013 21.03.2013
18.03.2014 21.03.2014

Das Statistische Bundesamt ist eine selbstständige Bundesoberbehörde und untersteht dem Bundesministeriums des Innern. Der epd,- wurde hingegen vom Business and Professional Women – Germany e.V. initiiert und wird von Logib-D unterstützt. Für Logib-D wiederum zeichnet sich das BMFSFJ verantwortlich.

equal pay day – Ziele und Visionen

Das Datum des Aktionstags markiert den Zeitraum, den Frauen über das Jahresende hinaus arbeiten müssen, um auf das Vorjahresgehalt ihrer männlichen Kollegen zu kommen.

Das klingt wahnsinnig symbolträchtig. Und das ist es auch in der Tat. Der Gender-Pay-Gap berechnet sich nämlich wie folgt:

Ø Bruttostundenlohn der Männer
–     Ø Bruttostundenlohn der Frauen
=    Lohnlücke (unbereinigt) i.H.v. 22%

Gesamt:
Ø Bruttostundenlohn der Männer : 19,84 €
Ø Bruttostundenlohn der Frauen : 15,56 €
= 22%

Ohne Auszubildende, Altersteilzeitbeschäftigte und geringfügig Beschäftigte:
Ø Bruttostundenlohn der Männer : 21,10 €
Ø Bruttostundenlohn der Frauen : 16,94 €
= 20%

Vollzeit:
Ø Bruttostundenlohn der Männer : 21,44 €
Ø Bruttostundenlohn der Frauen : 17,72 €
= 17%

Teilzeit:
Ø Bruttostundenlohn der Männer : 16,75 €
Ø Bruttostundenlohn der Frauen : 16,03 €
= 4%

Das sind komplett unbereinigte Zahlen. Der zu den 22% vergleichbare GPG liegt bei maximal 7%. Maximal deshalb weil es weitere Faktoren gibt die sich aus dem statistischen Material nicht berechnen lassen.

Nähres dazu als STAT-Magazin Beitrag.

Dürfen die überwiegend schlecht bezahlten Teilzeitkräfte eigentlich schon Mitte Januar »feiern«?

Leitthema 2014

Minijobs und Teilzeit nach Erwerbspausen

Auf dem Statistik-Portal finden sich Zahlen zur Beschäftigung von Juni 2013. Die Verhältnisse ändern sich aber nur langsam.

 Einheit:1000 Frauen Männer Gesamt
Vollzeit 7495 34,4% 14278 65,6% 21773
Teilzeit 6018 80,3% 1478 19,7% 7496
GeB aus. (xls) 3162 65,1% 1692 34,9% 4854

Frauen sind in der Gruppe der 25-50 Jährigen überwiegend in Teilzeit und Geringfügiger Beschäftigung tätig. Gerade diese Arten Beschäftigung zeichnen sich häufig dadurch aus, dass keine oder nur geringe Qualifikation erforderlich ist. Die tatsächliche Ausbildung oder gar das abgeschlossene Studium spielen oft keine Rolle und wird entsprechend auch nicht vergütet.

Insbesondere betragen die Verdienstunterschiede innerhalb vergleichbarer Beschäftigung maximal 7%. Bei Teilzeit zum Beispiel dürfte der Wert um die 1% betragen und liegt damit innerhalb der Fehlertoleranz.

Die Forderung »Gleicher Lohn für gleiche Arbeit« ist damit hinfällig. Der Arbeitsmarkt scheint keinen Ausweg zu bieten. Circa 400k gemeldete sowie weitere 450k nicht gemeldete Stellen für den ersten Arbeitsmarkt sind derzeit zu besetzen. Dem stehen über 3 Millionen Arbeitssuchende gegenüber.

Schlecht bezahlte Teilzeit und Geringfügige Beschäftigung ist nicht immer eine freiwillige Entscheidung. Wir haben in Deutschland nicht genug Vollzeit-Arbeit für alle. Ein Rückkehrrecht in Vollzeit wie von Andrea Nahles gefordert ist mit der Arbeitsmarktsituation nicht zu vereinbaren. Ich habe eher die Befürchtung, dass Unternehmen vorhandene Teilzeitstellen streichen, beziehungsweise nicht neu besetzen werden und die Vollzeitbeschäftigen lieber einige Überstunden mehr ableisten lassen. Ein weiterer geringer Effekt kann natürlich sein, dass sich einige vorhandene Vollzeitstellen von Männern auf Frauen verlagern.  Für viele Männer die nach wie vor als Hauptversorger für die Familie oder dank gesteigerter Erwerbsobligenheit viel Einkommen erzielen müssen nur eine weitere Verschlechterung der Situation.

Einfach weiter so?

Das wäre zu einfach und verbessert die Situation weder für Frauen noch für Männer. Der Karriereknick wird überwiegend durch die Erziehungszeit verursacht. Nachwuchs wird zwar von Frauen ausgetragen entsteht aber ausgesprochen selten durch unbefleckte Empfängnis.

Die Konsequenz muss daher sein, Erziehung durch beide Elternteile durchzusetzen. Darunter fällt in erster Linie die restlose Gleichstellung ehelicher und unehelicher Kinder durch grundsätzlich gemeinsames Sorgerecht. Der Staat hat darauf hinzuwirken, dass die Betreuungszeiten zu gleichen Teilen übernommen werden. 50%/50% muss das Ziel sein entgegen der heute üblichen 86%/14% mit jedem zweiten Wochenende. Dazu ein aktueller Bericht von der Väter-Front.

Zusätzlich stellt sich die Frage ob Kinderfreibetrag/Kindergeld sowie Leistungen wie Unterhaltsvorschuss, SGB II und BAföG durch eine allgemeine und gegebenenfalls sogar bedingungslose Grundsicherung für Kinder und Jugendliche in Ausbildung ersetzt werden können. Diese kann zu gleichen Teilen auf Mutter und Vater ausgezahlt werden und würde gleichzeitig eine umfassende Neuregelung des Unterhaltsrechts ermöglichen.

Rückkehrrecht auf Vollzeit

CC BY-SA 3.0 Martin Rulsch

CC BY-SA 3.0 Martin Rulsch

BILD am SONNTAG: Fast die Hälfte der Frauen in Deutschland arbeitet in Teilzeit. Ist das angesichts des drohenden Fachkräftemangels etwas, das sich das Land auf Dauer leisten kann?

Hier wollen wir Wunsch und Notwendigkeit zusammenbringen: Die meisten Frauen in Teilzeit würden gern mehr Stunden arbeiten, und die Wirtschaft braucht diese Frauen. Im nächsten Jahr will ich ein Gesetz einbringen, das eine Befristung der Teilzeit auf einige Jahre ermöglicht und ein Rückkehrrecht auf Vollzeit vorsieht. Auch bei den 60 bis 64Jährigen arbeitet nur noch jeder Zweite.

Das gesamte Interview auf Bild.de.

Gesetze die die Welt nicht braucht?

Ich versteh es nicht. Sind Teilzeitverträge im Schicksalsberg geschmiedete Ringe? Bisher war ich der Meinung, Arbeitsverträge würden entsprechend dem Vertrags- und Arbeitsrecht von zwei geschäftsfähigen Parteien ausgehandelt. Wenn jetzt die Wirtschaft wegen des Fachkräftemangels dringend die vielen in Teilzeit arbeitenden Frauen braucht und diese mehr arbeiten wollen – können sich die Verhandlungen doch nicht übermäßig schwierig gestalten.

Erklärungsversuch

Ich gehe stark davon aus, dass Das so nicht gedacht ist. Für einen Vertrag der für beide Seiten von Vorteil ist benötigt man kein neues Gesetz und keine Rückkehrrecht. So ein Gesetz wird also nur dann benötigt wenn der Wille zu einer Vollzeitstelle da ist der Arbeitgeber aber keinen Bedarf hat. Alternativ vielleicht auch keinen Willen dazu. Der betriebswirtschaftliche Schaden ist bei einer Teilzeitkraft geringer als bei einer Vollzeitkraft wenn diese wegen Krankheit des Kindes ausfällt. Selbst wen BGB §616 im Arbeitsvertrag ausgeschlossen wurde und die Krankenkasse nach SGB 5 §45 aufkommt fällt der Arbeitnehmer einen oder sogar mehrere Tage aus.

Fazit

Das Problem ist also die fest in den Köpfen der Arbeitgeber verankerte Tatsache, dass nur Frauen Erziehungsurlaub nehmen und auch nur Frauen ihre kranken Kinder betreuen.

Die Möglichkeit Teilzeit zusätzlich zum regulären Vollzeitvertrag zu vereinbaren besteht meines Wissens nach bislang ohne Einschränkungen.

Das wahre Ziel kann also nur sein, dass Menschen mit Teilzeitvertrag nach Belieben die Umwandlung in eine Vollzeitstelle fordern können. Ich hege Zweifel, dass die Union dem Gesetz zustimmen würde ohne ausreichende Schlupflöcher zu verlangen.

Perspektivenwechsel – Rente mit 63

Nachdem mir gestern die De:Bug einen tieferen Einblick in feministische Diskussionskultur verschafft hat bin ich neugierig geworden. Was bewegt feministische Frauen eigentlich? Ich blätterte also bei der Mädchenmannschaft durch die letzten Blogposts bis mich ein Beitrag ansprach. Das Geschlecht der Rente mit 63 klang doch ansprechend.

Was zunächst fair klingt – nach einem langen und vermutlich auch anstrengenden Berufsleben in den verdienten Ruhestand zu gehen – ist beim näheren Hinsehen eine Regelung, von der überwiegend Männer profitieren. Die angekündigten Regeln der sogenannten Rente mit 63 sind für die Mehrzahl der Frauen dieser Generation nicht erfüllbar. Frauen verfügen seltener über die erforderlichen 45 Beitragsjahre.

Ganz klar, das riecht nach Benachteiligung.

Das liegt unter anderem daran, dass politische und rechtliche Rahmenbedingungen in Westdeutschland vom Alleinernährermodell ausgingen und die klassische Frauenbiographie durchbrochen ist von Kinderbetreuungszeiten und Teilzeitarbeit.

Und schon wurde der Hase im Pfeffer gefunden.

Der Gesetzentwurf sieht „keine Hinweise“ auf unterschiedliche Auswirkungen auf Frauen und Männer. Grund genug für Frauen, zum 8. März darüber öffentlich zu diskutieren, was sie verdient haben – und was sie angeblich geschenkt bekommen.

»Geschenkt« gibt es ein zusätzliches rentenwirksames Erziehungsjahr für Kinder der Jahrgänge vor 1992. In dem Punkt muss ich den Mädels tatsächlich Recht geben. Hier sollte eher von einem Almosen die Rede sein. Warum die Erziehung diese Kinder weniger Wert ist als die später Geborener ist mir auch nicht so ganz klar.  Der Erziehungszeit 18 Monate Wehr- oder Zivildienst entgegen zu halten wäre unredlich. Schließlich gab es in der Zeit ja auch ein paar Groschen in die Rentenkasse.

Aber halt, ist das jetzt wirklich eine so himmelschreiende Ungerechtigkeit?

In den kommenden Jahren erreicht die Nachkriegsgeneration das entscheidende Alter für die Regelaltersrente. Es geht also um eine Verkürzung von maximal 3 Jahren für die künftigen Rentner der kommenden 10 Jahre. Ohne herzlos klingen zu wollen Mädels. Das ist ein Schritt Richtung Gleichstellung. 2012 lag der Altersunterschied bei 7,1 Jahren gemäß durchschnittlichem Sterbealter. So ganz theoretisch mit Netz und doppeltem Boden könnten betroffene Frauen also bis 70 arbeiten und die Rente aufbessern ohne bei der Rentenbezugsdauer benachteiligt zu werden. Und Witwenrente gibt’s ja vielleicht auch noch oben drauf.

Interessant wäre allenfalls noch wie viele Frauen zusätzlich mit 63 in Rente gehen könnten wenn sie pro Kind volle 3 Jahre Erziehungszeit angerechnet bekommen würden. Für alle andere dürfte das lange und anstrengende Berufsleben  vergleichsweise ruhig und gemütlich gewesen sein. In den 70er Jahren waren Waschmaschine und Staubsauger bereits erschwingliche Haushaltsgeräte.

Ich bin kein Feminist, weil kein Medium mehr sicher ist.

Arne machte heute auf einen reißerischen Blogpost der De:Bug mit dem Titel »Ich bin kein Feminist, weil Frauen in der EU dringend mehr auf die Schnauze brauchen« aufmerksam. Wie zu erwarten sammelten sich innerhalb kurzer Zeit kritische Kommentare die bereits kurze Zeit später in einem zarten Rosa eingefärbt wurden.

(Lesbare Version nach dem Bild.)

de_bug_feministen

Die unreflektierte Wiedergabe großer Zahlen tut mindestens genauso weh. Ich muss kein Feminist sein um Gewalt gegen Menschen anzuprangern. Als Nicht-Feminist fällt es mir aber deutlich leichter anzuerkennen, dass eben jene Studie belegt, dass Frauen auch Opfer von Frauen werden. Bei körperlicher und psychischer Gewalt gegen Mädchen gibt es kaum einen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Für Feministen oft eine blasphemische Wahrheit.

Und leider leider betrachtet der Genderwahn die Probleme nur einseitig. Die polizeiliche Kriminalstatistik weißt 60% männliche Opfer aus. Die Studie um zu belegen, dass Männer keine Opfer werden können fehlt bis heute.

Taugt dann die Schablone »Ich bin Feminist« um sagen zu können: Ich find’s geil wenn Männer auf die Fresse kriegen.