Feministische Blogstöckchen

Der Frontberichterstatter warf vor einigen Tagen ein Blogstöckchen zu Arne, Chris und Man-Tau. Gestern hat Elmar das Stöckchen aufgehoben und auch zu mir weiter geworfen.

Ich hatte mir direkt überlegt ob ich es aufheben möchte und mich dagegen entschieden. Ich hatte ehrlich gesagt schlicht kein Interesse daran mich zu Fragen zu äußern die mich nur am Rande beschäftigen. Da das Stöckchen aber nun doch bei mir gelandet ist will ich auch kein Spielverderber sein.

Welche große Errungenschaft der letzten Welle des Feminismus empfindest Du als wichtig? Welche als überzogen?

Letzte Welle? Wenn ich darunter die als 3. Welle der Frauenbewegung bezeichneten Entwicklungen verstehen soll… Ich sehe keine Wichtigen, geschweige Nützlichen. Es gab in der Zeit durchaus einige gesellschaftliche Verbesserungen. Aber ich sehe bei keiner den Feminismus als ausschlaggebende Kraft.

So richtig überzogen empfinde ich die politische Verankerung von Gender-Mainstream und die kommende Frauenquote.

Welche feministische Forderung (z. B. einer politischen Partei) der letzten 10 Jahre hättest Du auch noch aus heutiger Sicht voll und ganz unterstützen können?

Gab es da was? Unterstützenswerte Forderungen fallen für mich eher unter Menschenrechte oder Humanismus. Das ist auch der Grund warum ich mich selbst nicht als Anhänger des Maskulismus betrachte.

Welche aktuellen feministischen Forderungen findest Du richtig?

Um die Pille Danach wird derzeit viel Wirbel auf feministischen Blogs gemacht. Ich sehe die Rezeptpflicht durchaus als ein Frauenproblem. Wenn ich mir aber überlege, dass es nach meiner Kenntnis nur in zwei benachbarten Ländern (Polen, Italien) noch eine Rezeptpflicht gibt sehe ich eher ein Religionsproblem. Gesetze die eine besondere Rücksicht auf Religionsgemeinschaften nehmen lehne ich grundsätzlich ab.

Für mich also eine richtige Forderung unter falscher Flagge.

Gibt es etwas das der Feminismus Deiner Meinung nach noch für Frauen fordern sollte/könnte und was natürlich für Dich gerechtfertigt ist?

Als faire Forderung? Mir fällt beim besten Willen nichts ein.

Mit welcher bekannten Feministin glaubst Du, könntest Du ein Bier trinken gehen und Dich mit ihr zivilisiert über Männerpolitik zu unterhalten?

An mir soll’s nicht liegen. Egal ob Männer- oder Frauenpolitik. Mich interessieren in erster Linie Inhalte. Da ich Feminismus aber für eine totalitäre Ideologie halte bezweifle ich, dass es auch nur eine echte Anhängerin gibt mit der das möglich sein sollte.

Mit welcher Feministin könntest Du das garantiert nicht?

Sag niemals nie. Ich bin mir sicher, dass ich mit jeder Feministin ein Gespräch bei einem Bier führen könnte. Ich befürchte nur, dass es Zeitverschwendung wäre.

Ein Beispiel reicht, gerne aber auch mehr.Gibt es feministische Gruppe die Du, evtl. auch nur in Teilen, unterstützen könntest?

In Deutschland? Nein. Im Ausland kann das aber durchaus anders aussehen da dort noch um Menschenrechte gekämpft wird.

Was ist Deiner Meinung nach der größte Fehler des Feminismus gewesen?

Der Feminismus ist für mich eben eine Ideologie und für manche schon eine Religion. Der Fehler ist der Feminismus selbst.

Welche Änderungen im Feminismus würdest Du vornehmen, damit er für Dich „akzeptabler“ erscheint?

Broken by Design.


Ich finde die Fragen alle schwierig weil sie voraussetzen, dass ich im Feminismus als Ideologie etwas Gutes finden kann. Ein weiteres Problem ist, dass Feminismus per se mit Frauenrechten gleichgesetzt wird.

Genau diesen Punkt sehe ich aber anders. Ich kann mich sowohl für Frauenrechte als auch für Männerrechte einsetzen ohne mich als Feminist, Maskulist, rechts, links, schwarz oder lila zu bezeichnen. Ich wünsche mir ein faires Miteinander ohne ideologische Brille.

Ich kann einfach nichts mit schwurbeligen Begründungen wie strukturelle Diskriminierung oder Patriarchat anfangen. Für Frauen wurden in den letzten Jahren immer wieder Erleichterungen durchgesetzt. Erleichterungen die objektiv nur wenigen Frauen etwas gebracht haben. Die Balance kippt in immer mehr Bereichen und so schadet meiner Meinung nach der Feminismus den meisten Frauen mehr als er ihnen nutzt.

Wer politisch an einzelnen Stellschrauben dreht verändert auch nur einzelne Kleinigkeiten. Das gesamte System kann sich unter ungleichen Last aber nur verbiegen und schlimmstenfalls auseinander brechen. Mehr Rechte bedingen meiner Meinung nach immer auch mehr Pflichten oder zumindest mehr Verantwortung.

Zuletzt möchte ich das Stöckchen dediziert zu Kai zurück werfen. Leider hat er es verpasst die Fragen direkt selbst zu beantworten. Ich wünsche seinem Sohn aber gute Besserung und hoffe, dass er bald den Kopf dafür frei hat.

UPDATE: Kai hat sein Blogstöckchen selbst aufgehoben.

Advertisements

11 Kommentare zu “Feministische Blogstöckchen

  1. Danke, wenn du Lust hast (oder hast) du es schon getan, dann schreib doch bitte noch mal etwas mehr darüber, warum du nicht als Maskulist gelten möchtest.

    Ich persönlich finde das völlig unproblematisch, solange man inhaltlich am selben Strang zieht – Namen sind Schall und Rauch.

    Aber genau letzteres scheinst du ja nicht so zu sehen.

    Das ist natürlich nur eine Anregung für einen post. 🙂

    Gefällt mir

    • Ich denk mal drüber nach. Für mich ist dieses Bekennen kurz gesagt deshalb problematisch, weil ich mir selbst keine ideologische Brille aufsetzen will. Der Feminismus hat ja durchaus Inhalte. Sobald diese Inhalte aber mit den üblichen Definitionsmacht und der widersinnigen Jagd auf den Opferpokal vermischt werden ist die Idee vergiftet. Ich habe ja schon in Gewalt und ihre weichen Grenzen geschrieben, dass ich einen Hauptmotor in der Helferindustrie sehe.

      Gerade die Aufhebung der Rezeptpflicht für die Pille Danach ist objektiv sinnvoll und hat in anderen Ländern zu keinem nennenswerten Missbrauch geführt. Auf einigen feministischen Blogs wird die Schuld natürlich im Patriarchat und den angeblich von Männern dominierten Strukturen gesucht. Das ist in der Form einfach Blödsinn. Und genau da will ich, unter anderen Vorzeichen, nicht hin.

      Gefällt mir

        • Für eine eigene Ideologie ist die Männerbewegung vielleicht noch zu jung und/oder zu klein. Wehret den Anfängen!

          Aber die Diskussionen in letzter Zeit um gemäßigte, rechte, linke Maskulisten sind Grabenkämpfe in den eigenen Reihen. Ich habe kein Problem damit wenn Maskulisten mit Feministen reden wollen. Ich halte es eben nur für Zeitverschwendung.

          Der Feminismus braucht uns Männer, wenn überhaupt, nur als schweigende, ja-sagende Allys. Damit kann ich für mich Nichts bewegen. Ja sogar die Position die ich einzunehmen habe soll mir diktiert werden. Von gemeinsamen Gesprächen ist man damit weiter entfernt als je zuvor.

          Gefällt mir

          • „Für eine eigene Ideologie ist die Männerbewegung vielleicht noch zu jung und/oder zu klein. Wehret den Anfängen!“

            Das ist eine spannende Frage und hängt sehr davon ab, was man unter „Ideologie“ versteht. Nach meinem Eindruck benutzt man immer eine mehr oder wenig umfangreiche politische Ideologie, ob man willl oder nicht, weil man IMMER irgendwelche Wertepräferenzen, soziale Mechanismen u.a. unterstellen muß, um überhaupt zu diskutieren. Details s. hier.

            @Elmar: „aber meiner Ansicht nach fehlt dem Maskulismus noch jeder Theorie/Ideologie.“

            Implizit werden dauernd Theorien / Ideologien benutzt, es gibt aber offenbar eine explizite und kohärent dargestellte.
            Wobei ich die vielen Bücher, die Hoffmann, Hollstein u.a. Autoren geschrieben haben, nicht kenne und keineswegs ausschließen will, daß dort gut brauchbare Theorien vorkommen.
            Vermutlich kann man sogar die Theorie liberaler Feminismus-Varianten, z.B. den Freedom Feminism von Sommers, weitgehend übernehmen (oder tut es unbewußt).

            Gefällt mir

  2. „Ich finde die Fragen alle schwierig weil sie voraussetzen, dass ich im Feminismus als Ideologie etwas Gutes finden kann“

    Gut beobachtet, genau das war ein Punkt, der mich auch sofort an den Fragen gestört hat. Ein zweiter Grund ist der Begriff Feminismus: er ist einfach zu vage, es gibt noch mehr Varianten als beim Maskulismus, und wenn man einigermaßen seriös auf die Fragen antworten will, fängt man implizit an, diese Varianten auseinanderzusortieren.

    Dazu fehlt mir einfach die Zeit bzw. dazu habe ich seitenweise auf meinem Blog geschrieben.

    Inhaltlich wären meine Antworten praktisch identisch mit Deinen gewesen, besten Dank, mir die Arbeit erspart zu haben.

    Gefällt mir

  3. Pingback: Warum ich mit Stöcken werfen besser finde als mit Steinen werfen | Geschlechterallerlei

  4. Pingback: Kais Blogstöckchen: Sag, wie hältst du es mit dem Feminismus? | Alles Evolution

  5. Das ist eine spannende Frage und hängt sehr davon ab, was man unter “Ideologie” versteht. Nach meinem Eindruck benutzt man immer eine mehr oder wenig umfangreiche politische Ideologie, ob man willl oder nicht, weil man IMMER irgendwelche Wertepräferenzen, soziale Mechanismen u.a. unterstellen muß, um überhaupt zu diskutieren.

    Für mich ist Ideologie die politische Version von Religion. Einen grundsätzlichen Wertekanon muss man natürlich unterstellen wenn man diskutieren will. Problematisch wird es eben wenn es sich dabei um unhinterfragbare Glaubensgrundsätze handelt.

    Die gibt es natürlich nicht nur im Feminismus. Auch von Männern liest man zum Beispiel häufig von untergeschobenen Kindern zum Zwecke der Alimentierung. Solche Frauen gibt es, da bin ich mir sicher. Aber als absolute Wahrheit ist mir die Annahme dann doch zu abstrakt.

    Gefällt mir

Kommentar mit Markdown verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s