Feministisch im Sinne der Anklage

Bereits Anfang März titelte Sybille Hamann in Die Presse: Sie reden wie eine, Sie leben wie eine? Dann sind Sie eine!

Und selbstverständlich handelt es sich um eine Liebeserklärung an den Feminismus und bläst zur Jagd auf das Patriarchat.

Freilich handelt es sich dabei um eine österreichische Tageszeitung. Auch wenn in Österreich sicher viele Dinge gleich oder zumindest ähnlich wie in Deutschland laufen sind die Rahmenbedingungen im Detail unterschiedlich. Die Positionen von Männern und Frauen dürften aber im Großen und Ganzen die gleichen sein.

Der Kommentar hat meiner Meinung nach aber Pfeffer. Und ich glaube genau aus diesem Grund ist er mir lange nicht aus dem Kopf gegangen.

Kommentiert

Es gibt viele dieser Frauen. Sie kennen sicher eine. Vielleicht sind Sie sogar selbst eine. Sie sagen: „Also Feministin bin ich keine, aber…“. Was nach „aber“ kommt, ist meist recht vernünftig.

Hin und wieder werden an dieser Stelle sicher vernünftige Aussagen zu finden sein. Meistens aber handelt es sich, um den Erwartungen gerecht zu werden, um feministische Positionen. Aussagen nach dem Schema deuten fast immer darauf hin, dass eine eindeutige Position relativiert werden soll.

Das ist, bei genauerer Betrachtung, eine paradoxe Unterscheidung. Denn was ist Feminismus anderes als genau dieses: Gleichberechtigung zu wollen. Sich aus Geschlechterklischees zu lösen. […]

Wenn man dieser romantischen Vorstellung vom Feminismus zustimmt handelt es sich tatsächlich um ein Paradoxon. »Ich bin kein Menschenrechtler, aber Menschenrechte find ich gut!«

Seit Jahrzehnten schon arbeiten jene, die sich von emanzipierten Frauen bedroht fühlen, eifrig daran, das F-Wort zu beschmutzen. […] Und was hat man Feministinnen nicht alles angedichtet, um sie in der öffentlichen Wahrnehmung zu Schreckschrauben zu machen?

Ähm… Opfer-Abo? Aus menschlicher Sicht kann ich den Frust gut verstehen. Da ich ja entgegen dem Mainstream für Männerrechte argumentiere bin ich natürlich ein Maskutroll und gehöre mindestens der rechten Szene an. Und natürlich bin ich einer von den Ewiggestrigen.

Diese Taktik geht so: Bleibst du dem F-Wort fern, wirst du belohnt – denn du hast „so etwas“ ja nicht notwendig. Streifst du hingegen an, wirst du bestraft. Dann lieben wir dich nicht mehr.

Wer sich feministische »Hoheitsabzeichen« auf die Jacke näht muss damit rechnen dem Feminismus zugerechnet zu werden. Ich habe auch so meine Zweifel von überzeugten Feministinnen geliebt zu werden.

Hieran kann man trefflich ablesen, wie Machterhalt funktioniert. Wie kreativ und perfide Männer sein können, wenn es darum geht, Bastionen zu verteidigen.

Ich mach mir die Sache jetzt einfach. »Hieran kann man trefflich ablesen, wie Machterhalt funktioniert. Wie kreativ und perfide Frauen sein können, wenn es darum geht, Bastionen zu verteidigen.« Ganz schön flach – ich weiß. Ich werde bei der nächsten Patriarchats-Versammlung eine neue Strategie vorschlagen.

Anders ist das beim zweiten Problem. Das ist ein semantisches. Wörtlich genommen, führt der Feminismus nämlich nur das Femininum im Namen und transportiert damit eine Botschaft: Das Thema hat ausschließlich mit Frauen zu tun.

Das empfinde ich jetzt nicht so sehr als ein Problem. Wir alle haben nur begrenzt Zeit, Energie und Ressourcen. Ich kann es daher keiner Frau übel nehmen wenn sie sich für die Belange von Frauen einsetzt. Ich bin der Überzeugung, dass wir Menschen alle überwiegend opportunistisch denken und handeln. Das fördert auch die Meinungsvielfalt und hält eine demokratische Gesellschaft am Leben.

Die Emanzipation aus den Geschlechterrollen und die Neuverteilung von Aufgaben wird nicht gelingen, indem eines der beiden Geschlechter sich verändert und das andere bloß dabei zuschaut. Gleichberechtigung ist kein Zuschauersport.

Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. Die entscheidende Frage ist dabei aber welches Geschlecht sich tatsächlich verändert und welches nur Zuschauer spielt. Der Tenor lautet doch vielerorts: Männer müssen sich verändern und Frauen sind einfach die besseren Menschen.

So gesehen wäre es vielleicht tatsächlich an der Zeit, für Feminismus ein neues Wort zu suchen. Eines, in dem sich beide Geschlechter wiederfinden. Bei dem Männer und Frauen sich gleichermaßen angesprochen fühlen.

Wir geben dem Kind einen anderen Namen und alles wird gut? So funktioniert das mit Ideologien leider nicht. Es gibt wohl einige Strömungen die durchaus kooperativ erscheinen und versuchen sich mit Zusätzen abzugrenzen. Aber sie wissen ja: Sie reden wie eine, Sie leben wie eine? Dann sind Sie eine!

Der Titel polarisiert einfach. Unentschlossene und Abweichler werden zur Räson gerufen um sich dem Kampf offen anzuschließen.

Konsequenzen

Wo nur Feminismus drauf steht ist auch nur Feminismus drin. Es spielt, realistisch betrachtet, keine Rolle ob der Inhalt noch genießbar oder bereits ungenießbar ist. Was nicht schmeckt wird nicht gekauft.

Ich sehe in, als feministisch deklarierten, Positionen für gewöhnlich kein Ansätze von Gleichberechtigung. Da geht es in aller Regel ausschließlich um sogenannte positive Diskriminierung oder Affirmative action. Diskriminierung bleibt trotz des euphemistischen Zusatzes positiv eben doch nur Diskriminierung.

Eine Ideologie die rücksichtslos die eigenen Forderungen vorantreibt und gute Werte wie Gerechtigkeit missbraucht um sich selbst als Leuchtfeuer und Heilbringer zu stilisieren ist nicht nur auf einem Auge blind. Forderungen, die weit von Wahlfreiheit entfernt, nur die eigenen Ideen und Ansichten für erstrebenswert halten sind nur eines – totalitär. Wie sonst könnte das Weltbild der besseren Menschen – Frauen – in Abgrenzung zu den an allem Übel schuldigen Männern ins Bild passen?

Ich habe kürzlich die Vermutung geäußert, dass sich Frauen vom Feminismus distanzieren weil sie, wenn auch unbewusst, die dahinter stehende Ideologie ablehnen. Ich halte Frauen für fähig fremde Meinungen zu reflektieren und ihre eigene Position zu beziehen. Entgegnet wurde mir darauf, dass Frauen vielleicht einfach nur spüren würden, dass Männer keine Feministinnen mögen. Also lieber nicht so deutlich positionieren um den Mann fürs Leben nicht zu vergraulen? Vermutlich ging es nicht um den Mann fürs Leben sondern einfach nur Männer als Adressat der eigenen Meinung. Das funktioniert natürlich nur wenn das Gesagte nicht trotzdem streng feministisch ist.

Ich bin davon überzeugt, dass Frauen und Männer an einen Tisch kommen müssen um Interessen abzuwägen und zu kooperativen Entscheidungen zu gelangen. Aber ich bezweifle, dass rein feministische oder auch revisionistische Positionen geeignet sind um zu einem Miteinander zu finden.

Ich selbst sehe mich nicht als Maskulist. Auch wenn ich, aus meiner Person selbst begründet, die Welt mit männlichen Augen sehe. Folglich setze ich mich für Männer- und Väterrechte ein. Ein persönliches Anliegen ist mir aber auch die Sicht auf Frauen und entsprechend Mütter. Jede Veränderung wird zwangsläufig einer Gruppe mehr nutzen und Andere einschränken. Gerade der Aspekt des Abwägens wird leider viel zu oft ignoriert. Für tragfähige Lösungen brauchen wir Antworten und insbesondere auf die Frage der eingeschränkten Gruppen: »Was habe ich davon?«

Mir persönlich ist es auch völlig gleichgültig wer etwas sagt. Wichtig ist meiner Ansicht nach was gesagt wird. Und in gleichem Maße müssen wir alle Verantwortung für unser Tun und Handeln übernehmen. Wer glaubt, Männer würden langfristig die Verantwortung für jede weibliche Befindlichkeit übernehmen – der irrt. Den von starken selbstbewussten Frauen erwarte ich schlicht und ergreifend, dass sie das selbst übernehmen. Und wahrlich starke und selbstbewusste Frauen werden auch ohne mit der Wimper zu zucken sagen: »Was den sonst?«

So gilt es Rahmenbedingungen zu finden die kooperatives Verhalten belohnen und dadurch selbst für fairen und gerechten Ausgleich der Interessen sorgen. Ich persönlich möchte nicht einfach bewährte Rollenstereotypen gegen neue und offensichtlich untaugliche eintauschen. Ich will Raum für die traditionelle Familie aber auch die Freiheit ein gänzlich anderes Lebensmodell zu wählen. Aber dieser Traum wird sich nicht mit feministischen Unterstützungsgesuchen umsetzen lassen. Dazu braucht es tatsächlich starke Frauen die selbstverantwortlich im Leben stehen ohne auf Quoten und Alimentierung angewiesen zu sein.

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4 Kommentare zu “Feministisch im Sinne der Anklage

  1. In dem von Dir Zitierten kommt eine Menge Ignoranz zum Ausdruck. Für die Autorin ist es also glasklar, dass der Feminismus einfach nur diffamiert wird, weil Männer ihre „Bastionen“ verteidigen. Fertig ist der Lack. Den dahinterliegenden Konflikt mag sie nicht anerkennen. Zumindest billigt sie ihm keine Legitimität zu. Weil Männer ihre Privilegien verteidigen, haben sie kein Recht darauf, als Konfliktpartei mit einem legitimen Anliegen wahrgenommen zu werden. Sie führen ja einen „ungerechten Krieg“, gewissermaßen. Sie sind die Putins des Geschlechterverhältnisses.

    Doch solange der Feminismus derart ignorant bleibt, wird er eben auch von Männern abgelehnt werden. Solange Männer nur „Check mal Deine Privilegien“ und „Mimimi“ hören, wenn sie ihre Anliegen vortragen, werden sie sich vom Feminismus nicht vertreten fühlen. Das ist das Problem, an dem die Autorin konsequent vorbeischreibt.

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    • Exakt! Wenn es nach einigen Feministinnen geht, ist die universielle Antwort auf die Abneigung und Kritik der Männer am Feminismus die Angst und Panik, vor „starken“ Frauen und das deren letzte Bastionen eingenommen werden.

      Das es den Männer vielleicht gegen den Strich geht als trottelige, gewalttätige, rumjammernde, machtgeile, frauenquälende Weicheier dargestellt zu werden, das Frauen mittlerweile z.B. beim Bund und der Polizei mit weniger Leistung schneller befördert werden, bei einigen Arbeitstellen nur noch Frauen eingestellt werden, das es mittlerweile steuerfinanzierte Einrichtungen/Leistungen, wie Sporthallen oder SGB IX Abs. 1, nur für Frauen gibt und keine Gegenstücke für Männer, das Männer mit nicht unerheblich härteren Strafen und Sanktionen im Rechts- und Sozialsystem zu rechnen haben, das Jungen in der Schule bei gleichen Leistungen schlechter bewertet werden, männliches Verhalten in der Schule allgemein schlecht bewertet wird oder das wir in einer Gesellschaft leben die Gewalt gegen Männer duldet oder bagatelisiert und in der männliche Opfer lächerlich gemacht werde, kommt die Ignorant.I.nnen selten bis gar nicht in den Sinn.

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  2. Nach meiner Erfahrung distanzieren sich Frauen deswegen vom Feminismus, weil sie Männer mögen. Und lieben. Weil sie instinktiv spüren, wie stark der Männerhass bei vielen Feministinnen ist, und sie da nicht mitmachen wollen. Obwohl natürlich alle für gleiche Rechte sind. Aber auch aus einem tief empfundenen Gerechtigkeitsgefühl heraus sehen, dass Gleichberechtigung keine Einbahnstraße sein kann, die immer nur die Frauen fördert.

    Es gibt auch viele, die sagen: „Ich bin gerne Frau“, und damit meinen, dass sie das „überkommene“ Rollenmodell gar nicht so schlecht finden, weil es eben nicht nur Nachteile für Frauen bringt, sondern auch viele Vorteile, und diese Vorteile hätten sie ungerne durch feministische Gleichmacherei wegplaniert.

    Feministinnen, so scheint es, sind nicht gerne Frau. Sie wären lieber Männer. Aber weil das nicht geht, projizieren sie ihren Selbsthass auf diese.

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  3. „Hieran kann man trefflich ablesen, wie Machterhalt funktioniert. Wie kreativ und perfide Männer sein können, wenn es darum geht, Bastionen zu verteidigen.“

    Der Artikel arbeitet mit einigen erstaunlichen Annahmen:
    1. Das Patriarchat hat nichts dagegen, wenn seine Bastionen erobert werden. Nur, wenn jemand ausdrücklich von Eroberung spricht, wird es aktiv und schlägt zurück. Bei einem so ineffizienten Vorgehen stellt sich die Frage, warum das Patriarchat nicht schon längst besiegt wurde.

    Feminismus ist vor allem eine Sache der Worte, nicht der Taten. Denn feministisch zu handeln (und damit, so würde man annehmen) irgendwann brauchbare Ergebnisse zu erzielen reicht nicht. Nein, es kommt darauf an, dass Feminismus zu nennen! Interessanter wäre, wie wohl die gegenteilige Situation empfunden würde: Alle nennen es Feminismus, wenn Frauen in der Küche angekettet werden. Wäre das begrüßenswert? Oder besser als die jetzige Situation?
    Wenn Gleichberechtigung kein Zuschauersport ist: Warum gibt es die Rolle des Allys, der doch bitte im wesentlichen die Klappe zu halten hat und ansonsten alles unterstützen muss, was die Feministin sagt? Warum dürfen sich angeblich bestimmte Leute nicht an Diskussionen beteiligen, weil sie nicht zur Gruppe der „Opfer“ gehören?
    Ist es denn nicht ein großartiger Erfolg einer Bewegung, wenn inzwischen deren zentralen Punkte von Leuten geteilt werden, die sich gar nicht als Teil dieser Bewegung sehen? Man stelle sich vor, ein Nicht-Öko-Aktivist achtet auf Umweltverträglichkeit beim Kauf von Produkten. Oder jemand, der kein Herz für die Dritte Welt hat, interessiert sich für fair gehandelte Waren. Oder ein Nicht-Pazifist findet Krieg doof… je größer die Gruppe, mit der man Wertvorstellungen teilt, desto größer die grundsätzliche Wahrscheinlichkeit, dass die für die Politik relevant sind (weil Nichtbeachten zu Verlust von Wählerstimmen führt).

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