Haupternährer Mann!?

Nachdem ich gestern einige Überlegungen zur typischen Berufswahl von Frauen angestellt habe möchte ich heute einen Blick auf die Erwerbsarbeit in Familien werfen. Als Basis dazu dienen mir die Ergebnisse des Mikrozensus 2012 des Statistischen Bundesamts. Mir geht es dabei vorrangig um Familien in denen beide Elternteile zusammen leben.

Haupternährer und Alleinverdiener

Als Haupternährer sind Menschen die überwiegend das Einkommen der Familie erwirtschaften zu verstehen. Die Rolle des Alleinverdieners stellt im traditionellen Modell das Gegenstück zu Hausfrau/-mann ohne eigene Erwerbstätigkeit dar.

Ist das überhaupt noch zeitgemäß?

Während die Rolle des Alleinverdieners 1996 von 40% der Väter erfüllt wurde waren es 2012 noch 29,4%. Der Anteil der Mütter stieg von 4,1% auf 5,3%. Da die Zahl der Paare ohne aktive Erwerbsarbeit von 5,8% auf 10,3% zulegte und der Anteil an Familien mit beiden arbeitenden Elternteilen ebenfalls ein Plus von 4,7% auf 54,9% zeigt lassen sich für die Entwicklung wirtschaftliche Gründe vermuten. Wobei die Erwerbstätigkeit von Müttern in den neuen Bundesländern allgemein etwas höher liegt als im Westen der Republik.

Quelle: destatis.de

Quelle: Statistisches Bundesamt

Die Rolle das Haupternährers ist bei Paaren aktueller als noch 1996. Während 1996 im gesamten Bundesgebiet noch bei 44,9% der Paare mit Kindern beide in Vollzeit tätig waren sank die Zahl 2012 auf gerade noch 25,2%. Gleichzeitig stieg der Anteil des Vollzeit-Teilzeit Modells mit Vätern als Haupternährer von 53% auf 69,9%.  Die Entwicklung fällt im Osten deutlicher aus als im Westen.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Quelle: Statistisches Bundesamt

Neben der Teilzeitbeschäftigung haben in den letzten Jahren sogenannte atypische Tätigkeiten an Bedeutung gewonnen. Dazu zählen vor allem befristete und geringfügige Beschäftigung sowie Teilzeit mit weniger als 20 Wochenstunden und Zeitarbeitsverhältnisse.  Besonders im Westen ist die Quote bei Müttern die mit dem Vater zusammen leben mit über 60% besonders hoch. Im Osten liegt der Wert mit knapp 30% deutlich darunter. Bei Vätern bewegt sich die Quote zwischen 8,9% und 18,6% und ist im Osten deutlich höher.

Update: Diese atypischen Tätigkeiten werden abhängig von der Wochenarbeitszeit aber auch unter Voll- und Teilzeit erfasst.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Quelle: Statistisches Bundesamt

Insgesamt lassen sich zwischen Osten und Westen deutliche Unterschiede in den Motiven für Teilzeit oder atypische Tätigkeiten feststellen. Westdeutsche Mütter gaben zu 84,7% persönliche oder familiäre Gründe deutlich häufiger als Mütter im Osten mit nur 52,4% an. Durch die höheren Arbeitslosenzahlen bedingt ist im Osten zu 29,9% der Grund eine fehlende Vollzeitstelle während im Westen gerade einmal 4,6% der Mütter diese Aussage trafen.

Während die Erwerbstätigenquoten bei Müttern insgesamt leicht steigen sinkt die Quote bei Vollzeittätigkeiten zugunsten Teilzeit oder atypischer Tätigkeit. Bei Vätern stieg der Anteil an Teilzeit um gerade mal 3,5% bei leicht sinkender Erwerbstätigenquote. Dabei ist dies nur bei 25,5% der Väter eine Entscheidung aus persönlichen oder familiären Gründen.

Die Hoffnung liegt ganz klar auf dem Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz seit dem 1. August 2013. Allerdings steigt die Anzahl der Mütter in Vollzeit erst dann deutlicher an wenn das jüngste Kind ein Alter von 10-14 erreicht. Die allgemeine Erwerbstätigenquote von Müttern nähert sich erst wieder mit einem Alter von 45 Jahren der Quote von Frauen ohne Kinder an. Ein leicht positiver Effekt kann also nur bei Müttern mit unter 3 jährigen Kindern erwartet werden. Das Betreuungsgeld könnte dem allerdings entgegen wirken und so die Auswirkung weiter reduzieren.

Fazit

Ich halte es für unwahrscheinlich, dass sich der Trend, mit den aktuellen gesetzlichen Vorgaben, in den nächsten paar Jahren ändern oder gar umkehren lässt. Zum einen scheint bei Müttern überwiegend der deutliche Wille zu mehr Arbeit zu fehlen und zum anderen ist die Vollzeitstelle der Väter oft notwendig um die finanziellen Belastungen überhaupt tragen zu können.

Die Zahlen deuten auf ein Zementieren des traditionellen Haupternährer-Modells durch die Väter hin sowie ein Scheitern der Versuche ein gleichberechtigtes Miteinander innerhalb von Familien zu ermöglichen. Einer der Gründe dürfte in den seit Jahren rückläufigen Reallöhnen zu finden sein. Ein anderer Grund liegt im offensichtlich weiterhin angespannten ersten Arbeitsmarkt.

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14 Kommentare zu “Haupternährer Mann!?

  1. Anders ausgedrückt: wenn es sich einrichten läßt, verzichten Mütter aufs Arbeiten oder beschränken sich aufs Hinzuverdienen als Aushilfe oder in Teilzeit. Nur bei harten wirtschaftlichen Gründen arbeiten auch Frauen in Vollzeit.

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    • Speziell beim epd,- oder dem Rückkehrrecht auf Vollzeit werden die vielen Frauen angeführt die gerne mehr arbeiten wollen. Leider deckt sich das nicht mit den Zahlen.

      Ebenso hört man seit Jahren vom Ausbau der Kinderbetreuung. Die Zahlen sprechen aber dafür, dass Mütter 1996 noch deutlich häufiger in Vollzeit gearbeitet haben. Für mich sieht das wie ein Paradoxon aus.

      Rein aus dem Bauch heraus würde ich nicht sagen, dass die wirtschaftliche Lage heute besser als 1996 ist. Daher würde ich eher annehmen, dass sich Mütter in angespannten Zeiten aus dem Markt zurück ziehen.

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  2. Sollte das Fazit zutreffen, und m.E. ist es zumindest der Korridor, dann führen alle feministischen Ansätze zu erheblichen weiteren Belastungen und Stressoren für Familien, aber auch für Männer, Jungen und nicht entsprechend im verlangten Sinne gesinnten/qualifizierten/gebildeten Frauen und Mädchen.

    Künstliche Verknappung von Verdienstressourcen zugunsten von durch Quotierungen privilegierter Frauen. Weiterer dadurch gleichzeitig erzeugter Druck nach unten auf die Gehälter von Männern aber auch von Frauen, d.h. weitere wesentliche Verschlechterung eines ohnehin angespannten Arbeitsmarktes. Rückzug von Männern aufgrund gefühlter und realer Chancenlosigkeit durch Bevorzugungsregelungen, hier aufgrund des Geschlechts.

    Weitere Maßnahmen um dieses System aufrecht zu erhalten wären dann z.B. Männersteuer, schärfere Sanktionierungen bei männlicher Arbeitslosigkeit/Schulden (ggf. Knast, Schuldenturm?), weitere leistungsfremde Eingriffe in und Auflagen für Unternehmen (Wettbewerbsverluste durch Kosten und Handlungsgebundenheit), noch bösere Unterstellungen und noch mehr Privilegierungen von Frauen (betriebsklimatische Verschlechterungen), …

    GG ist bereits durch ideologisch dogmatische Besetzung vorbereitend ausgehebelt (S. Baer etc.).

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    • Ehrlich gesagt bin ich noch nicht so weit um konkrete aktuelle Maßnahmen zum Arbeitsmarkt in eine Verbindung zu bringen.

      schärfere Sanktionierungen bei männlicher Arbeitslosigkeit

      Ist das nicht schon so? Ich meine bereits an anderer Stelle gelesen zu haben, dass Männer mit Hartz4-Bezug deutlich härter Sanktioniert werden als Frauen und insbesondere Mütter. Dürfte aber in jedem Fall einen Blick wert sein.

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    • Klar, das Überangebot und damit das billigerwerden von Arbeit ist ein schön zu beobachtender Effekt, wo Neoliberalismus und Feminismus Hand in Hand gehen. Krippen ab dem .6. Monat, Arbeit als Selbstzweck und Verurteilung marginaler Wohltaten indem man sie als Herdprämie verunglimpft.

      Als ich klein war, war die Regierung an hohen Arbeitslosenzahlen schuld. Heute sind es die Arbeitslosen. Dass der Feminismus als doch recht linke Haltung das System von Angebot und Nachfrage bei Arbeitskräften nicht versteht, daß läßt Raum für so manche Verschwörungstheorie.

      Daß keinesfalls Väter an der Erziehung beteiligt werden dürfen — geschenkt. Sonst würden die noch merken wie schön, geruhsam und sinnstiftend Erziehung doch ist.

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      • „Klar, das Überangebot und damit das billigerwerden von Arbeit ist ein schön zu beobachtender Effekt,…“

        Ich habe dazu in meinem Blog vor einer Weile eine andere Theorie vertreten. Die klassische Familie mit Hausfrau ist in etlichen Belangen flexibler und daher durchaus auch im Sinne einer Wirtschaft, die z.B. berufliche und örtliche Mobilität will. Die Zweiverdiener-Familie hat dagegen einen Hang zur Sesshaftigkeit und mag nicht so gerne aus Berufsgründen umziehen. Einfach deswegen, weil ein Partner seinen Job dann aufgeben müsste.

        Als Vater sehe ich selber, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schwierig ist. Ich glaube, das ist einfach für viele (mich eingeschlossen) ein ganz praktisches Alltagsproblem, das zunächst einmal wenig ideologische Komponente hat. Ideologisiert wird es natürlich in den Debatten um Hausfrau vs. „Karrierefrau“. Dabei sehe ich auf beiden Seiten eher Probleme. Die Verfechter des Hausfrauenmodells propagieren letztlich auch ein vorformuliertes Familienideal, für das sie dann nachträglich Gründe finden.

        Wesentlich „neoliberaler“ ist der aktuelle Feminismus eher in einer anderen Hinsicht. Er kümmert sich um Lifestyle-Probleme von Mittelschichtsfrauen und vergisst dabei, dass die wesentlichen sozialen Ungleichheiten keine des Geschlechts, sondern ökonomische sind. Die Überbetonung der Kategorie Geschlecht ist darum gewissermaßen „system“stabilisierend, weil laut Feminismus alle Probleme gelöst sind, wenn Frauen an den „Vorzügen“ der Männerwelt teilhaben. Die ökonomische Schichtung der Gesellschaft sehen sie dagegen nicht.

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        • Lomi, die festere Ortsbindung der Familie mit zwei Arbeitnehmern ist ein Punkt für Deine These. Dagegen kann man die um sich greifende Verfristung von Arbeitsverträgen halten, auch ein neoliberales Geschenk. Oder das Stichwort digitale Nomaden. Hinzu kommt, das die Seßhaftigkeit von Familien mit Kindern doch sehr groß ist. Finde unterm Jahr mal einen Kindergartenplatz oder verpflanze Deine Schulkinder womöglich in ein anderes Bundesland. Eigenheim mit Garten ist auch eher ein Elternmodell.

          Dem Punkt mit der Ökonomie stimme ich zu. Es ist ein Wunder, daß die Anklage, daß Quoten nur einer Handvoll privilegierter Frauen mit so dermaßen verschwurbelten Argumenten in der öffentlichen Meinung weggefegt werden kann.

          Du hast recht, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist am ehesten da möglich, wo auch der Vater die Chance zur Miterziehung bekommt. Hier sieht es noch ziemlich düster aus.

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          • Lomi, die festere Ortsbindung der Familie mit zwei Arbeitnehmern ist ein Punkt für Deine These. Dagegen kann man die um sich greifende Verfristung von Arbeitsverträgen halten, auch ein neoliberales Geschenk. Oder das Stichwort digitale Nomaden. Hinzu kommt, das die Seßhaftigkeit von Familien mit Kindern doch sehr groß ist. Finde unterm Jahr mal einen Kindergartenplatz oder verpflanze Deine Schulkinder womöglich in ein anderes Bundesland.

            Die Befristung von Arbeitsverträgen (kenne ich sehr gut aus eigenem Erleben) spricht sogar eher für geografische Mobilität. Man zieht dahin, wo es ein Angebot gibt. Zumindest führt die Befristung dazu, dass man durch seinen Arbeitsplatz immer weniger ortsgebunden ist.

            Es ist natürlich richtig, dass Familien mit Kindern sesshafter sind. Aber die Zweiverdienerfamilie hat diese Kinder meist auch. Sie haben damit einen zusätzlichen Grund, sich für einen Lebensmittelpunkt zu entscheiden. Die Hausfrau könnte da doch schneller umziehen. Auch stellt sich für die Hausfrau die Frage nach dem Kindergartenplatz überhaupt nicht. Lediglich die Schule wird da zum Hemmnis, da gebe ich Dir recht.

            Ich bin es jedenfalls leid, immer diese These zu hören, die Förderung weiblicher Berufstätigkeit sei letztlich neoliberal, weil Schwemmung des Arbeitsmarktes. Ich halte das nicht für sehr plausibel. Eher glaube ich, dass hier in ideologisch überhöhter Weise verschiedene Lebensmodelle aufeinanderprallen: Das Hausfrauen- und das Verdienerin-Modell. Das eine ist im Westen quasi Normalität, das andere im Osten. Die Diskussion geht dennoch quer durch Deutschland und wird äußerst heftig diskutiert, so dass ich glaube, obskure ökonomische Triebkräfte sind hier gar nicht notwendig. Es ist für viele eine Glaubensfrage, so erlebe ich jedenfalls die unglaublich emotionalen Debatten über die Frauenrolle. Und zwar von allen Seiten.

            Ich glaube, man muss kollektiven Emotionen auch als Grund für solche Entwicklung wieder mehr Stellenwert einräumen. „Glaubensfragen“ spielen eine große Rolle, auch wenn diese Ideologien am Ende deren professionalisierten Aktivisten handfeste Profite verschaffen.

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