Frauenberufe – wie kommts?

Einen ersten Überblick können wir uns leicht auf der Veranstalltungsseite des Boys’Day machen. Hier finden sich Berufe die von weniger als 40% Männern ausgeübt werden. Da finden sich Ausbildungsberufe wie Altenpfleger, Erzieher oder Fremdsprachenkorrespondent. Aber auch Studienberufe wie Pädagoge, Humanmediziner/Arzt oder Pharmazeut/Apotheker.

Die meisten Berufe beschäftigen sich mit Menschen, Sprachen oder Marketing. Also überwiegend  die Dinge für die sich, ganz stereotyp, Mädchen interessieren.  Interessant in diesem Zusammenhang sind auch die Girls’Day-Berufe. Das sind überwiegend Technische Berufe. Zwei Berufe fallen ein wenig aus dem Rahmen. Berufsfeuerwehrfrau und Rettungssanitäterin. Also typische »Helden-Berufe«.

Einen weiteren Einblick verschaffen uns die veröffentlichen Daten des Bundesinstitutes für Berufsbildung (BIBB):

Top 10 2013 – Frauen

  1. Verkäuferin
  2. Kauffrau im Einzelhandel
  3. Bürokauffrau
  4. Medizinische Fachangestellte
  5. Zahnmedizinische Fachangestellte
  6. Industriekauffrau
  7. Friseurin
  8. Kauffrau für Bürokommunikation
  9. Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk
  10. Hotelfachfrau

Top 10 2013 – Männer

  1. Kraftfahrzeugmechatroniker
  2. Industriemechaniker
  3. Kaufmann im Einzelhandel
  4. Elektroniker
  5. Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik
  6. Verkäufer
  7. Fachinformatiker
  8. Fachkraft für Lagerlogistik
  9. Kaufmann im Groß- und Außenhandel
  10. Koch

Ich denke, dass wir grundsätzlich davon ausgehen können, dass Menschen ihre Berufswahl nach Neigung und Talent treffen. Aber auch die potentiellen Verdienstmöglichkeiten spielen immer häufiger eine entscheidende Rolle.

Wo ist das Problem?

Der zu erwartende Lohn hängt direkt von der Produktivität der jeweiligen Branche ab. Gesellschaftlich wichtige Bereiche wie Kinderbetreuung oder Bildung besitzen kein Produkt, dass sich sinnvoll bewerten lässt. In einem Industrieland wie Deutschland besitzt Bildung grundsätzlich einen gefühlt hohen Wert. Aber wie hoch genau? Seit Jahren wird gerade an der Bildung massiv gespart. Aber auch in anderen strukturell wichtige Bereichen wie Kriminalprävention, Gesundheit und öffentlicher Dienst.

Wenn auch kein typischer Ausbildungsberuf für Frauen zeigen sich beispielsweise im insgesamt beliebtesten Beruf Kaufmann/-frau im Einzelhandel zusätzliche Veränderungen der Arbeitsmarktsituation.  Wie der Statistikspiegel des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigt nimmt der Anteil der Teilzeit und Geringfügigen Beschäftigung zu. Gleichzeitig sinkt der Anteil an ausgebildetem Personal. Im ähnlichen, von Frauen dominierten Beruf Verkäufer/-in fällt die Entwicklung sogar noch deutlicher aus.

Das Berufsoberfeld Produktionsbezogene Berufe wird mit einem Anteil von 87% unter zunehmender Tendenz von Männern dominiert. Der Anteil an Arbeitnehmern ohne Ausbildung ist vergleichbar hoch. Teilzeit und Geringfügige Beschäftigung bleibt aber trotz leicht zunehmender Tendenz eine Randerscheinung.

Bisheriger Lösungsansatz

Die Speerspitze bildet der Girls’Day – Mädchen-Zukunftstag seit 2001. Durch die Initiative sollen Mädchen und junge Frauen an Berufe in IT, Handwerk, Naturwissenschaften und Technik herangeführt werden um so das Interesse zu steigern. Zum Beispiel der Spiegel der IT-Kernberufe zeigt aber, dass der Frauenanteil sinkt statt zu steigen.

Tom schreibt dazu ein wenig aus der Sicht des Arbeitgebers: (Ich) will (ich) Entwickler werden(?)

Die Veranstaltung wird als Erfolg verkauft. Fast 30% der Girls’Day-Teilnehmerinnen sollen sich nach Angaben der Webseite bei den besuchten Unternehmen bewerben.

Seit 2011 gibt es nun auch den Pendant Boys’Day – Jungen-Zukunftstag. Der soziale, erzieherische oder pflegerische Bereich beherbergt die überwiegend von Frauen dominierten Berufe. Der Boys’Day wurde aufgrund der anhaltenden Kritik am Tag nur für Mädchen geschaffen. Denn die Jungs durften den Tag in der Schule verbringen. Die Kritik ist geblieben – wenn auch in anderer Form. Ein wenig perfide wirkt es schon, wenn Mädchen von verschiedenen Berufen abgeraten wird wegen der schlechten Karrierechancen und just diese Berufe dann den Jungs näher gebracht werden sollen.

Die Zahlen sprechen eigentlich dafür, die »erfolgreichen« Steuerverschwendungsprojekte einzustampfen. Nachhaltig scheinen sie jedenfalls nicht zu wirken.

Ein Kampf gegen Windmühlen?

Vor dem Hintergrund, dass heute jeder Beruf unabhängig vom Geschlecht ergriffen werden kann bleibt nur die Anfangs angedeutete Neigung. Die Gehirnforschung stellt in regelmäßigen Abständen fest, dass es neben vielen Gemeinsamkeiten auch deutliche Abweichungen zwischen den Geschlechtern gibt. In der Gender-Theorie geht man jedoch davon aus, dass die Unterschiede erst durch die Sozialisierung entstehen. Zum Teil stimmt die Annahme sicher auch. Diverse Studien legen eine Mischung aus biologisch geprägten Präferenzen sowie erlernten Vorlieben nahe.

Ich halte es für wichtig und auch sinnvoll jungen Menschen attraktive Berufe näher zu bringen. Ebenso müssen wir als Gesellschaft die Anstrengungen verstärken unseren Kindern eine solide Schulbildung zukommen zu lassen. Dazu zählen – auch für Mädchen – insbesondere naturwissenschaftliche Fächer. Wir sollten einfach akzeptieren, dass Frauen selbstverantwortlich objektiv oft schlechter bezahlte Berufe ergreifen um einer Tätigkeit nachzugehen die ihren Neigungen entsprechen.

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4 Kommentare zu “Frauenberufe – wie kommts?

  1. Der zu erwartende Lohn hängt direkt von der Produktivität der jeweiligen Branche ab.

    Da bin ich nicht so sicher. Richtig ist natürlich, daß die Gehälter vom Betrieb verdient werden müssen. Wenn man sich nun Arbeitsmärkte mit Personalmangel ansieht, z.B. Ingenieure, dann dreht sich der Zusammenhang um: dann bestimmt der geforderte Lohn die Produktivität der jeweiligen Branche, weil alle Betriebe, die die Löhne nicht refinanzieren können, ihre Geschäft einstellen müssen, übrig bleiben nur die besonders produktiven.

    Was Arbeitnehmer als angemessenen Lohn empfinden, hängt von vielen subjektiven Faktoren ab, u.a. Sinnhaftigkeit, Spaß an der Arbeit, Sicherheit des Arbeitsplatzes usw.. Nach meinem Bauchgefühl liegt hier die Hauptursache für die berufliche Segregation: Frauen legen im Durchschnitt andere Bewertungsmaßstäbe an. Ich habe hier schon mal einige Argumente dazu aufgeschrieben, s. vor allem Nr. 5. Den Preis für die Arbeit regulieren letztlich Angebot und Nachfrage, aber der Preis (=Lohn) ist eben nicht das alleinige Bewertungskriterium.

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    • Die Lohnbildung ist natürlich ein Kapitel für sich. Mir geht es jetzt auch weniger um das subjektive Empfinden eines gerechten Lohnes. Eine Kindergärtnerin oder Lehrerin leistet natürlich ihren Beitrag zum Gemeinwohl. Die Arbeitsleistung lässt sich aber nicht oder nur schwer in einen finanziellen Wert umrechnen. Gerade im sozialen Bereich entstehen bezifferbare Kosten denen sich kein klar einzugrenzender volkswirtschaftlicher Mehrwert entgegen stellen lässt.

      Gerade bei den von dir genannten Ingenieuren zeigt sich aber doch deutlich, das hier die Fähigkeit des Unternehmens Gewinne zu erwirtschaften maßgeblich ist. Soziale Dienstleistungen müssen in aller Regel über den Staat mitfinanziert werden und sind oft rein betriebswirtschaftlich ein Verlustgeschäft.

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    • Noch eine andere Theorie: Es gibt mehr Lohn für Arbeit, die nur wenige machen wollen. Kopfarbeit, langweilige Arbeiten oder gefährliche Jobs können dann zu mehr Entgeld führen als kreative Berufe oder solche, in denen man offensichtlich sinnvolle, erfüllende Tätigkeiten (etwa mit Menschen und Sprachen) hat.

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      • Mir persönlich gehen Menschen früher oder später eher auf die Nerven und Kopfarbeit empfinde ich langfristig als deutlich angenehmer. Ob die Arbeit mit Menschen und Sprachen jetzt sinnvoller und erfüllender ist hängt meiner Meinung nach eben stark von den Neigungen ab. Die Bestandsentwicklung der Arbeitslosen ist zum Beispiel bei den IT-Kernberufen höher als bei den Verkäufern. Den Zahlen zu Folge haben wir bei den Einzelhandelskauffrauen und -männern eher einen Mangel als Überschuss. Trotzdem liegt der durchschnittliche Bruttolohn deutlich unter dem der IT-Kräfte.

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