Ein Schlag ins Gesicht

Ich fühle mich gerade benachteiligt. Nicht durch starke Frauen, Feminismus oder ungerechte Gesetze. Ehrlich gesagt bin ich ja selber schuld. Wer die Sendung Löwenzahn kennt, kennt auch den gut gemeinten Ratschlag am Ende der Folge: Abschalten! Hab ich schon vor einigen Jahren gemacht und deshalb steht mein Fernseher im Keller. Jetzt ist es einfach so, dass ich kaum mitreden kann wenn die FAZ schreibt: Gewalt gegen Frauen im Fernsehen. Ich nehme daher einfach mal an, dass tatsächlich mehr Gewalt gegen Frauen im Fernsehen gezeigt wird.

Es geht um die irre Misogynie im deutschen TV. Hat man die eine Frau mit dem zerstörten Gesicht fast schon vergessen, verprügelt ein paar Tage später ein anderer Mann eine andere Frau in einem anderen Krimi. […] Krimis gibt es jedoch sehr lange, schon immer waren sie ultrabrutal und haben unendlich viele Zuschauer mit ihren blutigen, schrecklichen Fällen gelockt. Die Darstellung harter Gewalt gegen Frauen in dieser Häufigkeit ist allerdings neu.

Anna Prizkau missfällt also nicht grundsätzlich die Gewalt und Brutalität in Krimis. Es geht ihr einzig und alleine um die Frauen als Opfer.

Man kommt leicht in die Versuchung ihr Misandrie vorzuwerfen. Aber offensichtlich schafft sie es durchaus richtige Schlüsse zu ziehen.

Überhaupt ist das Vergessen das Schlimmste an diesem neuen Fernsehphänomen. Denn weil man sie so oft gesehen hat, wird diese rohe Gewalt im Film übersehen; wird zur medialen Normalität.

Frau Prizkau besitzt also trotz Betriebsblindheit ein offenes Auge für die Realität. Leider zieht sie die falschen Schlüsse. Kann man es ihr wirklich verdenken?

Die Realität ist natürlich eine andere: Eine EU-Studie, […] Denn würde man ernsthaft Gewalt gegen Frauen thematisieren, wären die Täter Väter, Ehemänner, KFZ-Mechaniker, Anwälte und alle anderen denkbaren Normalos.

Dass die geprügelten Frauen zu 33% Frauen  als Täter  angaben steht natürlich nicht in der Zusammenfassung für die Presse.  Die 46% Mütter als Täter sind sogar noch besser versteckt. Für meine kleine Zusammenfassung musste ich mich fast zwei Arbeitstage mit der Studie beschäftigen. Das ist für Autoren der FAZ vermutlich undenkbar.

Die Frauen, sie haben das alles doch selbst so gewollt; sie wollten Hosen tragen, wollten sein wie die Männer, wollten genauso viel verdienen und müssen deshalb jetzt auch genauso viele Fäuste im Gesicht ertragen wie echte Kerle.

Die ganz normale Gewalt gegen Männer ist ihr also nicht entgangen. Im Gegenteil ist die als normal empfundene Gewalt kein Grund sich dagegen auszusprechen. Zumindest nicht wenn man auf eine Ungerechtigkeit hinweisen kann:

Die vermöbelten Frauen tauchen in fast allen Fällen nur am Rande als Opfer auf. Selbst zurückschlagen dürfen sie selten.

Da bemühe ich mich redlich den Artikel objektiv zu betrachten und dann das:

Feminismus, Emanzipation, Frauenquote, Hanna Rosin – das alles ist für manche Männer einfach zu viel. Sie hocken in ihren kleinen Schneckenhäuschen und hoffen, dass die starken Frauen bald wieder abhauen oder Kinder kriegen.

Bezieht sich die Aussage »Ein klarer Fall von Chauvinismus« jetzt auf die Krimis oder auf ihren Artikel?

Indirekt muss ich ihr leider doch Recht geben. Wenn wir realistische Krimis wollen müssen wir auf eine Quote von fast 70% männlicher Opfer für Mord und Körperverletzung achten. Auch brauchen wir deutlich mehr Täterinnen. 30% mit steigender Tendenz sollte für ein realistisches Bild angemessen sein. Um die Dunkelziffer zu berücksichtigen auch gerne ein paar mehr.

Danke an Matze für den Hinweis.

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Ein Kommentar zu “Ein Schlag ins Gesicht

  1. In einem Punkt unterstütze ich die Kritik daran, dass es in TV-Krimis zu viel Gewalt gegen Frauen gibt. Nämlich wenn es um sexuelle Gewalt geht. Hier werden die Bilder vom „Opfergeschlecht“ und vom „Tätergeschlecht“ beinahe täglich reproduziert und so dem deutschen Fernsehzuschauer regelrecht eingebläut. Das wurde auch gerade in einer TV-Kritik angemerkt:

    FAZ: „Warum werden in Fernsehthrillern eigentlich ständig Frauen Opfer grausamer Sexualdelikte?“

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/der-anwalt-des-teufels-auf-vox-der-moerder-und-die-napfmuschel-12845867.html

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