Alle Jahre wieder die gleiche Schlagzeile

Ich bin fast davon überzeugt, dass bei tagesschau.de mit Textblöcken gearbeitet wird – fast.

Fast ein Viertel weniger für Frauen

Davon abgesehen, dass 22% ein gutes Fünftel und nicht fast ein Viertel sind gleicht die Schlagzeile verblüffend denen älterer Meldungen:

gender_pay_gab_tagesschau

Screenshot: tagesschau.de

Man könnte fast befürchten, dass eines der wichtigsten öffentlich-rechtlichen Leitmedien immer wieder die gleiche Pressemitteilung veröffentlicht. Unbeabsichtigt mit aktualisierten Jahreszahlen natürlich.

Ganz so schlimm ist die Lage dann doch nicht. Immerhin haben die Redakteure begriffen, dass die 22% eine absolute Zahl sind. Also alle Frauen zusammen verdienen insgesamt 22% weniger als alle Männer zusammen.

Die Tagesschau teil nun mit, dass die statistisch völlig wertlose Zahl durch unterschiedliche Branchen- und Berufswahl entsteht. Außerdem arbeiten Frauen öfter in Teilzeit.

Bei ähnlichem Beruf und ähnlicher Qualifizierung sinkt der Unterschied auf die bekannten durchschnittlich maximal 7% pro Arbeitsstunde. Also bei gleichwertiger vergleichbarer Tätigkeit unabhängig von Region und Arbeitgeber.

Bemerkenswert ist, dass MANNdat diese Informationen bereits 2010 in der Pressemitteilung finden konnte. Der Tagesschau ist das damals nicht aufgefallen.

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11 Kommentare zu “Alle Jahre wieder die gleiche Schlagzeile

  1. @zulang „Die Tagesschau teil nun mit, dass die statistisch völlig wertlose Zahl“

    Diese Zahl ist nicht völlig wertlos. Ihr konzentriert euch viel zu sehr auf die Bereinigung und wollt nicht sehen, dass der Gender Pay Gap (also der unbereinigte) auch eine Aussagekraft hat: http://bloganddiscussion.com/frauenhaus/439/frauenwahlrecht-vs-gender-wage-gap/

    Und dass auch die Bekämpfung des Gender Pay Gaps eine politische Aussage ist: http://bloganddiscussion.com/argumentevonfemastasen/4104/was-heisst-gender-pay-gap-bekaempfen/

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    • Die dort vertretenen Thesen sind zwar im Kern richtig aber leider ziemlich tendenziös. Der GPG entsteht natürlich in erster Linie daraus, dass Minijobs und Teilzeit überwiegend schlechter bezahlt wird als Vollzeitstellen. Richtig ist auch, dass viele typische Frauenberufe einen geringeren Stundenbruttolohn aufweisen.

      Wenn Frauen aufgrund von Erziehungszeiten einen Karriereknick hinnehmen verschlechtert sich ihre Situation objektiv unverschuldet. Bis zu einem Alter von circa 20 ist der durchschnittliche Bruttostundenlohn nämlich noch identisch. Selbst bis 30 verläuft die Kurve noch relativ parallel.

      Die Lohnlücke lässt sich natürlich nicht mit der Forderung nach besserer Bezahlung schließen. Hier sind tiefgreifende Änderungen bei Sorge-, Unterhalt- und Steuerrecht notwendig.

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  2. Pingback: equal pay day ,- 2014 | too long; didn’t read

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