Perspektivenwechsel – Rente mit 63

Nachdem mir gestern die De:Bug einen tieferen Einblick in feministische Diskussionskultur verschafft hat bin ich neugierig geworden. Was bewegt feministische Frauen eigentlich? Ich blätterte also bei der Mädchenmannschaft durch die letzten Blogposts bis mich ein Beitrag ansprach. Das Geschlecht der Rente mit 63 klang doch ansprechend.

Was zunächst fair klingt – nach einem langen und vermutlich auch anstrengenden Berufsleben in den verdienten Ruhestand zu gehen – ist beim näheren Hinsehen eine Regelung, von der überwiegend Männer profitieren. Die angekündigten Regeln der sogenannten Rente mit 63 sind für die Mehrzahl der Frauen dieser Generation nicht erfüllbar. Frauen verfügen seltener über die erforderlichen 45 Beitragsjahre.

Ganz klar, das riecht nach Benachteiligung.

Das liegt unter anderem daran, dass politische und rechtliche Rahmenbedingungen in Westdeutschland vom Alleinernährermodell ausgingen und die klassische Frauenbiographie durchbrochen ist von Kinderbetreuungszeiten und Teilzeitarbeit.

Und schon wurde der Hase im Pfeffer gefunden.

Der Gesetzentwurf sieht „keine Hinweise“ auf unterschiedliche Auswirkungen auf Frauen und Männer. Grund genug für Frauen, zum 8. März darüber öffentlich zu diskutieren, was sie verdient haben – und was sie angeblich geschenkt bekommen.

»Geschenkt« gibt es ein zusätzliches rentenwirksames Erziehungsjahr für Kinder der Jahrgänge vor 1992. In dem Punkt muss ich den Mädels tatsächlich Recht geben. Hier sollte eher von einem Almosen die Rede sein. Warum die Erziehung diese Kinder weniger Wert ist als die später Geborener ist mir auch nicht so ganz klar.  Der Erziehungszeit 18 Monate Wehr- oder Zivildienst entgegen zu halten wäre unredlich. Schließlich gab es in der Zeit ja auch ein paar Groschen in die Rentenkasse.

Aber halt, ist das jetzt wirklich eine so himmelschreiende Ungerechtigkeit?

In den kommenden Jahren erreicht die Nachkriegsgeneration das entscheidende Alter für die Regelaltersrente. Es geht also um eine Verkürzung von maximal 3 Jahren für die künftigen Rentner der kommenden 10 Jahre. Ohne herzlos klingen zu wollen Mädels. Das ist ein Schritt Richtung Gleichstellung. 2012 lag der Altersunterschied bei 7,1 Jahren gemäß durchschnittlichem Sterbealter. So ganz theoretisch mit Netz und doppeltem Boden könnten betroffene Frauen also bis 70 arbeiten und die Rente aufbessern ohne bei der Rentenbezugsdauer benachteiligt zu werden. Und Witwenrente gibt’s ja vielleicht auch noch oben drauf.

Interessant wäre allenfalls noch wie viele Frauen zusätzlich mit 63 in Rente gehen könnten wenn sie pro Kind volle 3 Jahre Erziehungszeit angerechnet bekommen würden. Für alle andere dürfte das lange und anstrengende Berufsleben  vergleichsweise ruhig und gemütlich gewesen sein. In den 70er Jahren waren Waschmaschine und Staubsauger bereits erschwingliche Haushaltsgeräte.

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