Fortschritt – um jeden Preis?

Die Fronten sind verhärtet. Aber welche Front genau? Zwischen Frau und Mann? Zwischen Feministen und Maskulisten? Zwischen progressiv und konservativ?

Wo liegt das Problem?

Auf der einen Seite haben wir eine radikal-totalitäre feministische Gruppierung mit dem Bestreben ein neues Weltbild zu formen. Dazu gehören zum Beispiel Frauenquoten für wenige privilegierte Frauen sowie gendergerechte Spielplätze und bis zur Unverständlichkeit gegenderte Texte. Dazu passt auch die Vorstellung in einer »Rape-Culture« zu leben sowie Aufrufe Männer, weil sie Männer sind, zu töten. Kaum eine faschistisch anmutende Unglaublichkeit die sich nicht finden lässt.

Auf der anderen Seite finden sich religiös-konservative revisionistische Kreise. Da wird von gottgegebener oder evolutionär bedingter Überlegenheit des Mannes gesprochen. Manch einer würde Frauen gerne das Wahlrecht und am besten gleich die Geschäftsfähigkeit absprechen. Konto und Arbeitsstelle also nur noch mit Zustimmung von Vater, Bruder oder Ehemann. Gäbe es die Burka nicht – sie würden sie erfinden.

So richtige Gegensätze gibt es eigentlich nicht. Wohl aber Forderungen die von kaum jemand außerhalb der jeweiligen Fraktion ernst genommen werden kann.

Was soll also der ganze Terz?

Dieser Krieg tobt ja nicht nur zwischen diesen beiden Randgruppen. Die breite dazwischen stehende Masse befürchtet – nicht zu unrecht – dass einzelne Forderungen eine breite Akzeptanz finden. Frauenquote und Gender kann man objektiv als etabliert ansehen. Unverständlicherweise soll damit mehr Toleranz und vor allem Gleichstellung hergestellt werden.

Gendergerechte Sprache

Nur wie, frage ich mich. Wenn ich, aufgrund persönlicher Ressentiments oder Aversionen, ein Problem mit queeren Menschen habe ändern daran gegenderte Texte nichts. Ja selbst die Rechtschreibreform vor knapp 20 Jahren ist bis heute nicht in der gesamten Bevölkerung angekommen. An Wörter wie Missstand konnte ich mich bis heute nicht so recht gewöhnen. Warum aber sollten jetzt Sterne, Striche und Binnen-I erfolgreicher sein? Und wie sollen, als Gewaltakt gegen das gewohnte Schriftbild empfundene, Änderungen Minderheiten oder Benachteiligten helfen? Befürworter würden jetzt vielleicht darauf hinweisen, dass eben jene damit deutlich angesprochen und nicht nur mitgemeint würden. Aber wollen diese Menschen wirklich als abweichend gebrandmarkt werden? Einige, also eine Minderheit in der Minderheit, offensichtlich schon. Nicht zuletzt weil unterdrückte Minderheiten häufig mit Staatsgeldern unterstützt werden. Genau genommen aber nicht die Betroffenen selbst sondern die zugehörige Helferindustrie.

Dazu passend auch der aktuelle Blogpost von Adrian: „Raffael und Adrian“. Normale Menschen mit einer anderen – natürlichen – sexuellen Orientierung. Sterne und Striche helfen meiner Meinung nach aber nicht Normalität zu schaffen – im Gegenteil.

Und wenn sich Frauen beim etablierten generischen Maskulinum nicht mitgemeint fühlen. Wie sollen sich Männer dann erst bei künstlichem, durch Binnen-I hergestelltes, Femininum mitgemeint fühlen. Spätestens bei vorgelesenen Texten entfällt der schwache Hinweis des groß geschriebenen I. Das ist nicht progressiv. Eher eine Umkehr der Vorzeichen.

Gericht über schuldige Worte gibt es auch bei suwasu und seiner Offenen Flanke.

Frauenquote

Wozu braucht es jetzt Frauenquoten in Aufsichtsräten, Parteien oder Behörden?  Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht. Die häufigsten Begründungen sind ja »gläserne Decke« und »Männerseilschaften«. Das perfide dabei ist ja, dass so getan wird als handle es sich dabei um reine Frauenprobleme. Irgendwie sitzen ja auch nicht 100% der Männer im Aufsichtsrat. Und bei Beförderungen übergangen zu werden ist Alltag. Nach oben hin wird die Luft einfach dünner. Dieses Problem ist hierarchischen Systemen einfach immanent. Ironischer weise dienen Frauenquoten im Falle der Aufsichtsräte nur einigen wenigen privilegierten Frauen oder aber verschlechtern objektiv die Qualität der Strukturen. Niemand weiß so recht ob eine Frau qua ihrer Leistung oder dank Quote ihre Position erreicht hat.

Als Beispiel kann man sich die Zusammensetzung der Gründen/Bündnis90 ansehen. Das ist die Partei mit dem Frauenstatut.

Circa 40% der Mitglieder sind Frauen. Nach dem Frauenstatut müssen diese aber 50% aller Stellen besetzen. Frauen besitzen sogar ein Vetorecht. Nicht aufgrund ihrer Qualifikation, sondern einfach weil sie Frauen sind. Das hat meines Erachtens nichts Gleichstellung, geschweige denn Gleichberechtigung zu tun. Solch ähnliche Strukturen finden sich heute leider in allen etablierten Parteien. Wider jeglicher Vernunft wird offensichtlich angenommen, dass sich Gleichberechtigung schon einstellen würde wenn das Verhältnis, wenn auch künstlich, ausgeglichen ist.

Im Fall der Gleichstellungsbeauftragten und Stellvertreterin beträgt die Quote tatsächlich 100%. Nicht nur, dass ausschließlich Frauen diese Stelle bekleiden dürfen. Selbst das Wahlrecht erstreckt sich ausschließlich auf Frauen. Das Bundesgleichstellungsgesetz als Rechtsgrundlage wurde 2001 von der Regierung Schröder durch SPD/Grüne ins Leben gerufen.

Bei der Bundeswehr gilt es derzeit eine Quote von 15% zu erreichen. Vorzugsweise durchgängig auf allen Ebenen. Auch hier mehren sich die Beschwerden von Soldaten weil sie durch diese Regelung von Frauen überholt werden. Den Frauen werden bevorzugt befördert und durch zusätzliche Förderungen vorbereitet. Ja sogar die Anforderungen werden, extra für Frauen, angepasst. Karriere bei der Bundeswehr entwickelt sich für Männer zunehmend zu einem Schlag ins Gesicht. Die Hoffnung auf Normalisierung beim erreichen der 15% könnte schnell platzen. Den nach 15% könnten auch 30% oder 50% angepeilt werden.

Die Frage nach dem Wie viel? stellt sich auch bei Geschlechterallerlei.

Gender für Obdachlose

Auf einer, mittlerweile gelöschten Seite, bei Erzaehlmirnix fand sich in einem Kommentar diese Aussage:

95% der Obdachlosen sind Männlich. Vor paar Wochen stolperte ich über Angebote für Obdachlose. Kostenlose Selbstverteidigungskurse etc…. Ausschliesslich für Frauen. Alle Angebote waren nur für Frauen. Bis auf das ” Cafe ” zum Kennen lernen und mal was warmes zu trinken… Das übliche. Cafe bekommen wir, aber der Rest ist für uns nichts.

psst

Andere Stellen sprechen »nur« von 75% Männeranteil. Mir ist völlig klar, dass Frauen, abseits von Krieg und Gefängnis, einem im Vergleich höherem Risiko ausgesetzt sind vergewaltigt zu werden. Reicht das als Rechtfertigung um die überwiegend von Obdachlosigkeit betroffenen Männer auszuschließen? Warum überhaupt? Werden die Fördergelder dann reduziert oder gestrichen?

An dieser Stelle auch ein Hinweis auf einen aktuellen Spendenaufruf:
Spendenaufruf für einen obdachlosen Vater „Fiete“

Qui bono?

Die Frage aller Fragen für geübte Verschwörungstheoretiker. Frauen im allgemeinen offensichtlich nicht. Nutznießer sind in den meisten Fällen offensichtlich nur sowieso privilegierte Frauen aus der oberen Bildungsschicht.

Manch einer vermutet ja neoliberale und kapitalistische Unternehmerkreise als Brandstifter im Geschlechterkampf. Frauen sollen für den Arbeitsmarkt akquiriert werden um Löhne und Gehälter zu drücken.  So ganz von der Hand zu weisen ist die Theorie ja nicht. Vollbeschäftigung ist in Deutschland derzeit schlicht nicht denkbar. Dazu fehlt es einfach an notwendigen Stellen. Ohne den zweiten Arbeitsmarkt würden selbst die geschönten Statistiken der Bundesagentur für Arbeit düster aussehen. Also Frauen zurück zu Heim und Kind? Nein – den das Potential der halben Bevölkerung brach liegen zu lassen wäre schlicht dumm und rückständig.

Wer profitiert noch? Gerade wenn es um Opfer und Unterdrückte geht finden sich schnell willige Helfer. In Deutschland gibt es über 350 staatlich geförderte Frauenhäuser. Unzählige Unterstützervereine und geförderte Projekte. Die kürzlich veröffentlichte Studie der FRA deutet sogar an, dass die Gewalt gegen Frauen steigt. Woran liegt das? Im Falle der Studie weisen die Fragen darauf hin, dass Gewalt nicht deutlicher wahrgenommen wird. Vielmehr werden selbst gewöhnliche Alltäglichkeiten bereits als Grenzüberschreitung herangezogen. So schafft man Arbeit – überflüssige Arbeit. Natürlich will keiner geschubst werden oder sich abwertende Witze anhören. Ich habe da durchaus Verständnis. Aber soll das wirklich schon reichen um von Gewaltopfern zu sprechen? Wenn es hilft die Tätigkeit von Frauenhäusern und Beratungsstellen zu sichern offensichtlich schon. Am Geschlechterkampf hängen heute Millionen Arbeitsplätze. Angefangen bei Sozialarbeiterinnen bis hin zu Gender-Mainstream Professuren.

Hilfsprogramme für Männer wären eigentlich konsequent um noch mehr Arbeitsplätze zu schaffen. Allerdings besteht die Gefahr, dass sich dann offenbart was bislang noch totgeschwiegen wird. Es gibt in unserer Gesellschaft Opfer. Frauen und Männer sind allerdings, abhängig von der Situation, unterschiedlich betroffen. Aber die Illusion vom Mann als alleinigen Täter ist dann nicht mehr aufrecht zu halten. Das gepflegte Feindbild würde verblassen und es wäre geboten die Praxis der Fördermittelvergabe neu zu überdenken. Durch einen Wettlauf um den größten Opferstatus kann insgesamt auch nicht mehr Fördergeld akquiriert werden. Es handelt sich also um einen Kampf der einzig und alleine die Umverteilung des zur Verfügung stehenden Kapitals bezweckt.

Ist der Geschlechterkampf also Kapitalismus 2.0?

Ganz so einfach ist die Sache dann wohl doch nicht. Die Opfer und Verlierer des Systems verschwinden ja nicht wenn man die Helfer und Profiteure abschafft. Auch wenn ich mich jetzt verdächtig mache einen Joker ziehen zu wollen. Wer denkt dabei an die Kinder? Ich meine damit nicht nur die Helfer rund um Jugendamt, Familiengericht und Pflegefamilien. Wird künftig jeder zweite geborene Mensch besser sein und die Anderen, also Jungen, die von Anfang an bestenfalls geduldet werden?

Wie kann es im Interesse von Frauen, und potentiellen Müttern, liegen wenn sie damit rechnen müssen, dass ihre Söhne von Anfang an dazu verdammt sind bewusst benachteiligt zu werden? Nun – vielleicht ist es erst notwendig, dass die Söhne als Verlierer nicht mehr aus dem Elternhaus ausziehen. Sich desillusioniert und ohne Perspektive aus der  Gesellschaft verabschieden. Was werden sie ihren Töchtern sagen wenn diese keinen geeigneten Partner finden? Ausschließlich kurzsichtige finanzielle Interessen können das nicht erklären.

Medien

Die heute üblichen feministischen Beiträge in unseren Medien verkaufen ja auch ein anderes Bild. Frauen erhalten 23% weniger Lohn bei gleicher Arbeit oder dass Frauen Opfer und Männer Täter sind sind dabei die häufigsten der verbreiteten Mythen. Leider bewahrheitet sich auch die Annahme, dass oft wiederholtes leicht als Wahrheit geglaubt wird. Und außerdem sind Frauen immer irgendwie mehr betroffen als Männer. Im schlimmsten Fall werden Frauen in die Rolle des Familienernährers gedrängt, was bei 23% weniger Lohn eine Katastrophe ist. Die zugehörigen Männer sind natürlich weniger betroffen, denn den Arbeitsplatz verlieren kann schließlich jeder mal.

Es geht also auch um Gerechtigkeit, oder vielmehr gefühlte Gerechtigkeit. Das Mantra der benachteiligten und unterdrückten Frau spricht dabei nicht nur Frauen im allgemeinen an. Nein, auch Männer werden als willfährige Allys aktiviert. Dem schwachen Geschlecht muss Mann natürlich beistehen.

Für Einschaltquoten und Wahlstimmen sorgt der soziale Einsatz für die Unterdrückten alle mal. Männer passen da dann aber nicht so recht ins Bild. Den ein bisschen Schadenfreude über den gefallenen Despoten schadet ja nicht. Außerdem  würde man sich ja verdächtig machen die alten verkrusteten Strukturen erhalten zu wollen. Im schlimmsten Fall wird man die rechte Ecke oder zu den Revisionisten gesteckt.

Fortschritt – ja! Aber für Menschen.

Das etablierte Lagerdenken führt zu nichts. Benachteiligung macht keinen Unterschied zwischen Geschlechtern. Die persönliche Belastung jedes Einzelnen wird von der jeweiligen Situation beeinflusst. Umso schlimmer ist es wenn vergangenes Unrecht aufgerechnet und die Verantwortung nach Belieben verteilt wird.

Wir brauchen Gewaltschutz, Notschlafplätze, Rehabilitierung und Förderung. Dabei muss aber der Mensch als Individuum im Blickfeld stehen. Nicht das Geschlecht oder beliebige Statistiken. Einem zusammen geschlagenem Mann hilft es wenig wenn Frauen möglicherweise stärker unter Gewalt leiden. Genauso wenig wird sich eine vergewaltigte Frau besser fühlen wenn Männer in Gefängnissen ebenfalls zum Vergewaltigungsopfer werden.  Wie kann es dem Kindeswohl dienen wenn Väter ausgegrenzt und durch Betreuungsunterhalt in den finanziellen Ruin getrieben werden? Und warum wird in unserem Land Religionsfreiheit über das Recht auf körperliche Unversehrtheit von Kindern gestellt? Der Euphemismus Beschneidung für Genitalverstümmelung hilft natürlich beim wegsehen.

Feindbilder helfen nicht. Es ist zu einfach die Schuld bei Anderen zu suchen um sich selbst aus der Verantwortung zu befreien. Fehler zu machen ist keine Schande. Sehr wohl aber die Fehler nicht einzugestehen und verzweifelt eine ideologisch geprägte Wahrheit über Alles zu stellen.

Wirklich frei sind wir in dieser Beziehung alle nicht. Fast jeder dürfte in seinem Leben bereits Opfer von Gewalt, Benachteiligung oder Sexismus geworden sein. Aber wir nehmen die unterschiedlichen Situationen auch unterschiedlich war. Was für den Einen zum Lebensrisiko gehört ist für den Anderen ein schwerwiegender Übergriff. Nicht selten wird unsere Wahrnehmung von unseren individuellen Erfahrungen beeinflusst. Ein Schubser bleibt ein Schubser. Dadurch wird niemand zum Gewaltopfer. Allerdings muss man trotzdem anerkennen, dass einzelne Menschen sich dadurch bedrängt oder gar eingeschüchtert fühlen. Wir brauchen in dieser Hinsicht keine strengeren Gesetze oder zusätzliche Schutzräume. Es führt aber auch kein Weg daran vorbei Betroffenen den Rücken zu stärken ohne sie klein und hilflos zu machen. Wir brauchen Gerechtigkeit für Menschen und nicht für Geschlechter.

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2 Kommentare zu “Fortschritt – um jeden Preis?

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