Quo vadis, Gender-Theorie?

Christian wirft die Frage auf warum der Glaube an Gender nützlich ist. Dazu ein Kommentar.

Was sagt die Biologie zum Geschlecht(sex)?

Aus biologischer Sicht gibt es genau zwei Geschlechter – männlich und weiblich. Spezies und Gattungen müssen aber nicht zweigeschlechtlich sein. Typische Hermaphroditen sind zum Beispiel die Landlungenschnecken. Die Pantoffelschnecke wird zum Beispiel als Männchen geboren und entwickelt sich später zum Weibchen. Bei Pflanzen findet sich die Zwittrigkeit besonders häufig. So tragen die meisten Pflanzen sowohl weibliche als auch männliche Blüten. Nur wenige vereinen die Geschlechtsorgane in nur einer Art Blüten.

Zusätzlich gibt es noch die Parthenogenese. Hier entstehen die Nachkommen aus unbefruchteten Eizellen. Dadurch sind Populationen mit ausschließlich weiblichen Exemplaren möglich. Eine Art der Fortpflanzung die häufig bei kleinen Tieren wie Rädertierchen aber auch bei großen wie dem Komodowaran auftritt. Unter einigen dieser Spezies gibt es sowohl ein- als auch zweigeschlechtliche Populationen.

Und was sagt die Gender-Theorie zum Geschlecht(gender)?

John Money führte die Begriffe »gender role« sowie »gender identity« ein um das gefühlte oder gelebte Geschlecht unabhängig vom Biologischen zu definieren. Später versuchte er in einem gescheiterten Experiment um David Reimer seine Theorien zu beweisen.

In den 70er Jahren änderte sich die Sicht auf Gender in den heutigen sozialkonstruktivistischen Kontext. Dabei verliert sich der Bezug zum gefühlten Geschlecht. Geschlecht wird zunehmend als durch Herrschaftsstrukturen im Geschlechterverhältnis konstruierte Rolle verstanden. Die gelebte Rolle orientiert sich daher an den gesellschaftlichen Erwartungen an ein Individuum. Typisch Mann oder auch typisch Frau eben. Es wird also angenommen, dass sich die Rolle ohne die typischen Erwartungen unabhängig vom Geschlecht entwickeln würde.

Judith Butler stieß Anfang der 90er unter Anderem die Debatte um die Queer-Theorie an. Sie geht davon aus, dass sowohl das gefühlte/gelebte als auch biologische Geschlecht konstruiert ist da die Trennung künstlich sei. Nach Butler ist das biologische Geschlecht eine kulturelle Konstruktion aufgrund körperlicher Merkmale. Die Konstruktion des Geschlechts steht aber ausschließlich dem Individuum zu. Sie geht außerdem davon aus, dass Geschlechter durch die Macht der Sprache definiert werden.

Die Gender-Studies betrachten Geschlecht nicht als indiviuelles Merkmal sondern als soziales Merkmal innerhalb der kulturellen Gesellschaft. Entwickelt haben sie sich aus den Women’s Studies. Also aus einer Betrachtung von Frauen in einer von Männern dominierten Gesellschaft aus feministischer Sicht. Die Gender-Studies gehen nicht nur von konstruierten Geschlechtern aus sondern auch davon, dass der einem Geschlecht zugesprochene Wert Auswirkungen hat. Damit einhergehend auch eine Wertung von Tätigkeiten wie zum Beispiel Hausarbeit oder Bankier. Ein weiterer Ansatzpunkt ist Doing Gender. Dabei wird davon ausgegangen, dass unser Tun und Handeln sowohl unsere eigene Identität bildet aber auch Auswirkungen auf die Identitätsbildung der mit uns interagierenden Individuen hat. Daher unbewusst zum Mann oder Frau machen beziehungsweise gemacht werden.

Was der Autor dazu denkt

Die Biologie beschäftigt sich in erster Linie mit dem Geschlecht als Teil der Fortpflanzung. Darüber hinaus noch mit körperlichen Eigenschaften die abhängig vom Geschlecht signifikant häufiger auftreten. Zum Beispiel ist bei den meisten zweigeschlechtlichen Spezies, darunter auch der Mensch, das Männchen allgemein größer und stärker. Wir sprechen also von naturwissenschaftlichen empirisch belegbaren Aussagen.

Die Gender-Studies sehe ich eher im Bereich der Philosophie und Soziologie. Die Annahme eines gefühlten Geschlechts halte ich in Anbetracht von Inter- und Transsexuellen auch durchaus für schlüssig.

Ganz formal muss ich sogar der Annahme zustimmen, dass das biologische Geschlecht als Geschlecht konstruiert ist. Nennen wir in Zukunft dann einfach Grün und Lila. Wem das zu abstrakt ist der kann auch Mensch mit Penis und Mensch mit Vagina sagen. Aber irgendwie verschwinden die körperlichen Merkmale die zur Unterscheidung in Mann und Frau führen einfach nicht.

Ich kann sogar nachvollziehen, dass die eigene Geschlechterrolle als unangenehm empfunden werden kann. Als ich damals meinen Einberufungsbescheid erhielt wäre ich gerne eine Frau gewesen. Regelmäßig sind die besten Parkplätze frei – nur für Frauen. Die Frauenrolle schließt die Kindererziehung mit ein ohne zu hinterfragen ob der Mensch der sich Mutter nennt das überhaupt möchte. Frauen sind ganz selbstverständlich primär für Putzen, Kochen und Einkaufen zuständig. Von Männern wird erwartet, dass sie ein möglichst hohes Einkommen erwirtschaften. Auch berufliche Leistungsfähigkeit wird augenscheinliche von Geschlechtsmerkmalen abhängig gemacht.

Die Gender-Studies pos­tu­lie­ren daher, dass der einzige unerhebliche Unterschied zwischen Mann und Frau ein körperlicher ist und andere Unterschiede nur der eigenen Rolle geschuldet. Wobei die Rolle der Frau durch das herrschende Patriarchat willkürlich abgewertet und die Rolle des Mannes aufgewertet wird. Durch Doing Gender wird die unterstellte Unterdrückung also aufrecht erhalten. Darunter fällt folglich auch das generisches Maskulinum.

Halten wir Anderen also nur an einem konservativen und überholten Weltbild fest?

Das Heilversprechen lautet ja, dass jeder Mensch entsprechend seiner selbst konstruierten Identität leben kann und Erwartungen an einen Stereotyp nicht erfüllt werden müssen. Frauen können also als Unternehmerin oder Kriegsheld ihr Lebensglück finden und Männer  ihres in Haushalt und Kindererziehung.

Aber wie sieht die Realität aus? Die US-Army setzt den Klimmzugtest für Frauen aus und die Bundeswehr fordert von Frauen das leichter zu erreichende Sportabzeichen/Frauen. Erst kürzlich haben mehr Frauen als Männer einen Einführungskurs der Informatik besucht. Die Erfahrung zeigt aber, dass davon höchstens eine Hand voll bis zum Studienabschluss durchhält. Für mich klingt das schon nach deutlichen Unterschieden die mit der reinen Rollenerwartung nicht beantwortet werden können. Mir persönlich fehlt da der Glaube, dass da Männer stehen und den Frauen permanent sagen, dass sie die von Männern geforderte Leistung nicht erfüllen können.

Wenn wir aber davon ausgehen, dass die vergleichsweise Minderleistung nicht von den Frauen als Individuum zu vertreten ist muss es zwingend äußere und damit strukturelle Gründe geben. Den schließlich haben sich diese Frauen ja subjektiv genauso angestrengt wie die Männer.

Der Gender-Ansatz hat für Anhänger daher enorme Vorteile. Jeglicher Bewertungsmaßstab kann individuell und daher subjektiv angelegt werden. Am eigenen Scheitern können folglich auch nur Andere schuld sein.  Das als diskriminiert identifizierte Individuum kann also passiv die Umstände anprangern ohne eine eigene Verantwortung in Betracht zu ziehen.

Advertisements

2 Kommentare zu “Quo vadis, Gender-Theorie?

  1. „Für mich klingt das schon nach deutlichen Unterschieden die mit der reinen Rollenerwartung nicht beantwortet werden können.“

    Wie erklärst du es dir, dass erstmals mehr Frauen als Männer den Kurs in Informatik besucht haben? Wenn es biologische Gründe gäbe, die Männer für Informatik prädestinieren, dürfte dies nicht möglich sein. Dann müsste das Geschlechterverhältnis unabhängig von Rollenerwartungen konstant bleiben.

    „Mir persönlich fehlt da der Glaube, dass da Männer stehen und den Frauen permanent sagen, dass sie die von Männern geforderte Leistung nicht erfüllen können.“

    Du sagst es ihnen selbst:
    „Für mich klingt das schon nach deutlichen Unterschieden die mit der reinen Rollenerwartung nicht beantwortet werden können.“

    Also was genau glaubst du nicht?

    Gefällt mir

    • Wie erklärst du es dir, dass erstmals mehr Frauen als Männer den Kurs in Informatik besucht haben?

      Der Anteil an Studentinnen ist in den letzten Jahren permanent gestiegen. Teilweise sogar so sehr, dass es kaum Studenten gibt. Interesse sagt aber auch nichts über die persönliche Befähigung aus. Ich persönlich interessiere mich sehr fürs Zeichnen bin aber nach meinen eigenen Maßstäben einfach zu untalentiert.

      Nicht alle Männer sind für den Militärdienst geeignet oder haben ein Verständnis für Informatik. Dafür findest du sehr wohl Frauen die mit Leichtigkeit mehr Klimmzüge machen und Computer besser kennen als jeder durchschnittliche Mann. Also letztendlich eine individuelle Frage und keine der Rolle.

      Gefällt mir

Kommentar mit Markdown verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s